Gute Gespräche: Bruder Lothar Wagner (re.) mit dem Obersten Richter von Liberia, Francis S. Korkpor (Mi.), und Pater Sony (Mitbruder; zuständig für die berufliche Ausbildung, li.).
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Gute Gespräche: Bruder Lothar Wagner (re.) mit dem Obersten Richter von Liberia, Francis S. Korkpor (Mi.), und Pater Sony (Mitbruder; zuständig für die berufliche Ausbildung, li.).

Bericht aus Liberia

Hilfe für Kinder, die auf dem Friedhof leben: Ordensmann aus Benediktbeuern engagiert sich in Afrika

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Seit Herbst vergangenen Jahres ist Bruder Lothar Wagner von den Salesianern Don Boscos im westafrikanischen Liberia im Einsatz. Zurzeit kümmert er sich um Jugendliche in Gefängnissen und um Kinder, die auf dem Zentralfriedhof in der Hauptstadt Monrovia leben.

Monrovia/Benediktbeuern – Wie immer sind es keine einfachen Aufgaben, denen sich der Salesianer Lothar Wagner annimmt. Schon seit vielen Jahren ist er in Afrika im Einsatz, um sich um notleidende Kinder und Jugendliche zu kümmern. Die Ordensgemeinschaft ist auf dem Kontinent in verschiedenen Ländern aktiv. Wagner, dessen Heimatkloster Benediktbeuern ist, engagierte sich einige Jahre in Sierra Leone, dann wurde er für eine schwierige Mission in den kriegsgebeutelten Südsudan beordert (2018 bis 2020). Nun ist er wieder in Liberia im Einsatz, wo er schon von 2016 bis 2018 lebte.

Sein Einsatz, den er zusammen mit anderen Ordensangehörigen sowie Mitarbeitern und Ehrenamtlichen ausführt, ist umfangreich. Wagner arbeitet in leitender Funktion für Don Bosco. „Weil es in Liberia einen Regierungswechsel gab, müssen neue Netzwerke aufgebaut werden“, berichtet der 47-Jährige auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Einsatz für Kinder, die auf dem Friedhof leben

Zwei Schwerpunkte beherrschen derzeit seinen Einsatz: Zum einen die Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen, die im Gefängnis sitzen, sowie die Betreuung von Kindern, die keine andere Schlafstätte als den Zentralfriedhof von Monrovia haben. „Sie schlagen steinerne Grabanlagen auf, entfernen die menschlichen Überreste und finden so Schutz vor Polizisten oder schlechtem Wetter“, berichtet Wagner. In Liberia herrsche bittere Armut, und zahlreiche Kinder würden vom Dorf in die Hauptstadt ziehen in der Hoffnung auf ein besseres Leben, was dort jedoch für die meisten auf der Straße in der Kriminalität ende, denn Überleben sei nur in Gangs möglich.

Sein Team vor Ort versuche, diese Kinder aufzufangen, bevor sie ins Drogenmilieu abdrifteten. Viele hätten ohnehin schon die Schule abgebrochen. Bei der Ordensgemeinschaft bekämen sie Essen, Gesprächsangebote, ein Gefühl der Wertschätzung und auch die Möglichkeit für eine Drogentherapie, berichtet Wagner. Sozialarbeiter würden die Familien aufsuchen, um gemeinsam wieder Klarheit und Perspektiven zu entwickeln, durch Fortsetzung der Schule oder die Aussicht auf eine Ausbildung. „Die Erzdiözese in Monrovia hat vier neue Schulsozialarbeiter eingestellt. Das ist ein Beginn“, freut sich Wagner.

Hilfe für vernachlässigte Jugendliche im Gefängnis

Seine zweite große Aufgabe ist es, Kindern und Jugendlichen zu helfen, die im Gefängnis gelandet sind. Entgegen der UN-Kinderrechtskonvention werden in Liberia Kinder und Erwachsene gemeinsam in den Zellen untergebracht. Die Salesianer Don Boscos kümmern sich derzeit um diese vernachlässigten Kindern, unter anderem mit Essen und pädagogischen Sport- und Musikangeboten sowie Gesprächen und rechtlichem Beistand.

Derzeit laufen Verhandlungen rund um eine Reform des Jugendstrafverfahrens, berichtet Wagner. Die Regierung habe der Ordensgemeinschaft ein Grundstück mit Gebäuden angeboten, um ein Rehabilitationszentrum für straffällig gewordene junge Menschen zu schaffen. „Derzeit prüfen wir noch den Investitionsbedarf“, berichtet Wagner. Auch Aufgabenstellung und Zuständigkeiten müssten geklärt werden. Man werde kein Jugendgefängnis betreiben, sondern wolle ein Reha-Zentrum mit „therapeutischem Setting“ anbieten.

Unterstützung vom Obersten Richter

Unterstützung erfährt die Ordensgemeinschaft mittlerweile vom Obersten Richter des Landes, Francis S. Korkpor, freut sich Wagner. Er habe die Salesianer um Unterstützung bei der Reform des Jugendstrafverfahrens gebeten. „Wir brauchen die Expertise von Don Bosco“, sagte der Richter, wie Wagner berichtet.

„Alle unsere Aktivitäten laufen auf Hochtouren“, sagt Wagner. Auch in den Einrichtungen der Ordensgemeinschaft gelten die Corona-Schutzmaßnahmen. Das Virus habe erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung. „Wir spüren eine Verarmung der Familien aufgrund von steigenden Lebensmittelpreisen in Folge der Pandemie“, nennt er ein Beispiel. „Es trifft besonders die vielen Tagelöhner. Schulkinder fliegen reihenweise aus den Schulen auf die Straße, weil sie die Schulgelder nicht aufbringen können.“ Das führe schon zu einem erkennbaren Anstieg der Jugendkriminalität. Viele würden in die Drogenszene rutschen. Deren Händler seien „die Gewinner der Pandemie“, schreibt der Ordensmann.

Was die weitere Ausbreitung von Corona anbelange, sei man in „Alarmbereitschaft“, sagt Wagner. Ein Rückzug kommt für ihn aber nicht in Frage: „Das ist für mich keine Alternative, sondern vielmehr Ansporn, noch näher bei den Nöten der Kinder zu sein.“

Wer die Arbeit von Lothar Wagner in Afrika unterstützen will, kann dies über die von ihm gegründete Marathonstiftung unter dem Dach des Don Bosco Stiftungszentrums in München: Bank für Sozialwirtschaft; IBAN DE68 7002 0500 3741 0301 03; BIC: BFS WDE 33 MUE.

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