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Großes Interesse: Viele Bürger waren gekommen, um sich beim Info-Abend der Gemeinde deren Standpunkte zum Bürgerentscheid anzuhören. 

Info-Abend der Gemeinde Benediktbeuern zum Bürgerentscheid

„Wir sind keine Raubritter“

Am 10. Juni haben die Benediktbeurer die Wahl: Mittels Bürgerentscheid sollen sie entscheiden, ob das Gewerbegebiet erweitert oder der Lainbachwald so, wie er ist, erhalten bleibt. Bei einem Infoabend wurden der Standpunkt der Gemeinde und das komplizierte Wahlprozedere erläutert. Doch ob ein Bürgerentscheid tatsächlich eine klare Entscheidung bringt, ist nicht sicher.

Benediktbeuern Etwa sechseinhalb Hektar ist das bestehende Gewerbegebiet groß. 38 Firmen sind dort angesiedelt. Und damit, sagte Bürgermeister Hans Kiefersauer bei einer Info-Veranstaltung am Donnerstagabend im Gasthof Friedenseiche vor den vielen interessierten Bürgern, sei das Areal „nun voll“.

Eine Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen um über 400 Prozent auf zuletzt rund 1,33 Millionen Euro gegenüber den Jahren ohne Gewerbegebiet habe man dem Areal zu verdanken. Auf Grund dieser Mehreinnahmen habe man in der Gemeinde viel investieren können, sagte Kiefersauer, zum Beispiel in den Erhalt und die Sanierung des Alpenwarmbads, in die Generalsanierung des Don-Bosco-Clubs und in den hochwertigen DSL-Ausbau mit Glasfaserkabel. „All dies und noch viel mehr war nur mit diesen guten Steuereinnahmen möglich“, betonte der Bürgermeister. „Die Gewerbesteuer ist eine der Haupteinnahmequelle der Gemeinde.“

Kiefersauer erinnerte daran, wie viele Gelder die örtlichen Betriebe jedes Jahr an Vereine spenden und an Aktionen, die sie sponsern. Außerdem sei es auch aus ökologischer Sicht nachhaltiger, Arbeitsplätze am Ort zu schaffen. „Wir wollen kein Schlafdorf von München werden.“

Doch die noch im Dorf befindlichen Gewerbebetriebe seien zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Vor allem deshalb, weil sich ursprüngliche Mischgebiete im Laufe der Jahre „faktisch zu reinen Wohngebieten“ entwickelt hätten. Probleme mit dem Immissionsschutz und Klagen von Anwohnern nehmen zu, sagte der Bürgermeister.

Um diese Betriebe mit ihren Arbeitsplätzen langfristig zu erhalten, möchte die Gemeinde das Gewerbegebiet um 21 Parzellen erweitern. Der Wald am Lainbach soll dafür bis auf einen 40 Meter breiten Streifen abgeholzt werden. Kiefersauer verteidigte den Standort erneut gegen die Kritik der Bürgerinitiative, die den Wald erhalten und Alternativstandorte fürs Gewerbe suchen möchte (wir berichteten). Doch diese Suche bringe langwierige Grundstücksverhandlungen mit sich, sagte Kiefersauer. Auch Probleme mit dem Immissionsschutz durch bestehende landwirtschaftliche Betriebe seien vorprogrammiert. Die Vorteile einer Gewerbegebietserweiterung liegen für den Bürgermeister auf der Hand: unter anderem gehöre die Fläche komplett der Gemeinde, was für die Bauwerber einen günstigeren Kaufpreis ermögliche. Und eine Lärm- und Verkehrsbelastung für den Ort in der Bauphase sei auch nicht zu befürchten.

Doch auch, wenn die Kommune ihren Standort verteidigte, gab sie sich durchaus kompromissbereit in Richtung Bürgerinitiative: So soll der verbleibende Wald ökologisch aufgewertet werden. Geplant sei das Anlegen eines Mischwalds, durch den möglicherweise ein Wanderweg führen soll. „Wir sind nicht die Raubritter, die alles niederholzen“, betonte Kiefersauer. Die Hochwassergefahr werde sich seiner Ansicht nach durch das teilweise Abholzen des Waldes nicht erhöhen. Dazu sei der Lainbach hochwassertechnisch zu gut ausgebaut. Und: „Wir werden auf alle Fälle dieses Schallschutzgutachten machen“, versicherte Kiefersauer, nämlich in der verbindlichen Bauleitplanung.

Die entstehenden Gewerbeflächen sollen mit Bedacht verkauft werden, „dass es auch nachhaltig ist“, denn die Gemeinde sei sich bewusst: „Sie werden nicht ewig reichen.“ Die genauen Vergabekriterien müsse der Gemeinderat noch festlegen. Beispielsweise sollen die Flächen nur an örtliche Betriebe verkauft werden. 25 Anfragen liegen laut Kiefersauer bereits vor. Ob im erweiterten Gewerbegebiet überhaupt Wohnbebauung zulässig sein wird, werde derzeit noch im Gemeinderat diskutiert. Die Tendenz gehe aber Richtung Nein, denn: „Wir sind willens, aus Fehlern des alten Gewerbegebiets zu lernen.“ Abschließend appellierte Kiefersauer an die Bürger, zur Wahl zu gehen: „Egal, für was Sie stimmen wollen.“

Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, 10. Juni, statt. Abgestimmt werden kann von 8 bis 18 Uhr. Wahllokale sind der Saal im Gasthof Post sowie der Leseraum der Gäste-Info. Das Endergebnis wird wegen der komplizierten Auszählung erst am Montag bekanntgegeben. Eine Briefwahl ist möglich. Unterlagen kann man online auf www.benediktbeuern.de/wahlen anfordern.

Sowohl die Gemeinde als auch die Bürgerinitiative (BI) haben Infos im Internet zusammengestellt. Die Gemeinde fasst ihre Argumente auf www.benediktbeuern.de/buergerentscheid zusammen. Seit Freitag ist auch die Homepage der BI online: www.rettet-den-lainbachwald.de. Unter diesem Stichwort informiert die BI auch über Facebook. (Franziska Seliger)

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