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Martin Rütter wird gern als „Mann für alle Felle“ bezeichnet. Der Hundetrainer durchschaut die Spielchen der Vierbeiner und weiß um die Schwächen der Zweibeiner. Darüber hat er ein unterhaltsames Programm geschrieben. 

Interview zum Openair am 6. August

„Keine Beißattacke ohne Schwanzwedeln“

Benediktbeuern – Hundeprofi und Kabarettist Martin Rütter kommt mit seinem Programm in den Maierhof nach Benediktbeuern.

„Hund – Deutsch, Deutsch – Hund“: Der Titel seines ersten Programms beschreibt treffend, was Martin Rütter auf der Bühne treibt. Er übersetzt die Sprache von Hunden. Der 46-Jährige erklärt, wie es immer wieder zu Missverständnissen zwischen Mensch und Tier kommt. Rütter ist auch dank seiner Reality-Doku-Sendung „Der Hundeprofi“ deutschlandweit bekannt. Am 6. August bringt er sein aktuelles Programm „nachSITZen“ in den Maierhof des Benediktbeurer Klosters. Mit dem Tölzer Kurier sprach Rütter zuvor über seine Art, Informationen zu vermitteln, Tiervideos im Internet und die Tücken des schwanzwedelnden Hundes.

Herr Rütter, Sie kommen nach Benediktbeuern. Verbinden Sie etwas mit dem Ort oder dem Tölzer Land?

Rütter: Eher mit der gesamten Region. Ich selbst bin ja im Ruhrpott aufgewachsen. Und ob Sie es glauben oder nicht, nahezu meine komplette Tour-Crew stammt aus Bayern. Da prallen ja auf den ersten Blick zwei Welten aufeinander. Immer wenn wir in meiner Heimat auftreten, verfalle ich automatisch in diesen Ruhrgebietsslang, und die Jungs schauen mich dann jedes Mal ungläubig an: „Martin, du sprichst ganz anders. Wir verstehen dich nicht.“ Und genau umgekehrt ist es, wenn wir in Bayern unterwegs sind, dann schaue ich dumm aus der Wäsche. Aber letztlich ähneln wir uns sehr. Ob Ruhrpottler oder Bayer – beides sind lebensfrohe Charaktere, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Wir bilden eine verschworene Gemeinschaft, wie eine Schulklasse, die nun schon seit vielen Jahren auf Klassenfahrt ist.

Sie sind Tierpsychologe und können Blindenführhunde ausbilden. Wie kam’s, dass sie sich irgendwann auf humorvolle Weise mit Hunden beschäftigten?

Rütter: Mir war relativ früh klar, dass in diesem Bereich jede Menge Bedarf besteht und großes Potenzial schlummert. Ich halte ja schon viele Jahre Vorträge. Und es hat mir schon immer großen Spaß gemacht, dies mit einem gewissen Unterhaltungswert zu tun. Ich bin ja niemand, der sein Wissen staubtrocken in Professoren-Manier vermittelt. Ich glaube, das ist ganz wichtig – auch für den Lerneffekt bei den Leuten. Bei mir bekommen die Leute immer einen Mix aus Unterhaltung und Information. Dass das ganze Konstrukt mal diese Größenordnung mit bis zu 10 000 Zuschauern erreichen würde, war natürlich in der Form nicht unbedingt abzusehen.

Im Internet kursieren ständig „lustige“ und „nette“ Tiervideos. Schauen Sie auch? Oder missachten Sie das?

Rütter: Es gibt beispielsweise unzählige tolle Videos, in denen Hunde mit den unterschiedlichsten Tieren perfekte „Lebensgemeinschaften“ bilden. Genau die schaue ich wirklich gerne an. Und es gibt auch wirklich viele richtig lustige Videos. Das ist ja mein Credo: Bei aller Ernsthaftigkeit darf man auch ruhig mal mit Humor an die Sache rangehen.

Aber zwischen Tier und Mensch kommt es zu vielen Missverständnissen…

Rütter: Es gibt einen Klassiker: Die meisten Menschen glauben ja, wenn der Hund mit der Rute wedelt, ist es immer ein Zeichen von Freude. Komplett falsch. Natürlich kann es Freude bedeuten. Aber wenn der Hund mit wedelndem Schwanz vor dem Mauseloch steht, können sie sich sicher sein, er wird nicht freundlich zu der Maus sein. Jeder schweren Beißattacke geht Schwanzwedeln voraus. Wenn der Rücken gerade bleibt und die Rute ganz leicht hin- und herschwingt, ist das die schlimmste Drohung, die ein Hund „aussprechen“ kann.

Haben Sie noch ein Beispiel?

Rütter: Viel Potenzial für Missverständnisse birgt auch die „Begrüßung“. Sind die Ohren dabei leicht angelegt und kommt der Hund eher am Menschen hoch gekrochen, ist dieses Verhalten als leicht beschwichtigende Begrüßung zu verstehen. Der Hund ist tatsächlich froh, dass sein Mensch da ist und dass er nicht mehr alleine bleiben muss. Kommt der Hund jedoch mit Schwung angelaufen und springt mit den Vorderpfoten mit voller Wucht gegen den Menschen, ist dieses Verhalten nicht wirklich freundlich gemeint. Es ist eher als Korrektur durch den Hund zu verstehen. So würde kein Hund einen anderen freundlich begrüßen. Der Hund fand es ganz schön frech vom Menschen, dass dieser ihn hier zu Hause zurück gelassen hat.

Warum funktioniert Comedy über Hunde und Tiere?

Rütter: Zum einen weil Hunde inzwischen fester Bestandteil unserer Gesellschaft, unserer Kultur sind. Bedeutet, dass auch Menschen, die keinen Hund haben, auf jeden Fall mit dem Thema etwas anfangen können. Und wenn es nur der Hund des Nachbarn ist, der mal wieder meinen Garten verwüstet. Zum anderen hat sich bei den Leuten herumgesprochen, dass sie beim Rütter einen echt netten, unterhaltsamen Abend verbringen können. Die Dinge, die ich beim Hund anspreche, sind ja auf viele Bereiche übertragbar – auf die Erziehung der Kinder oder auch des Mannes (lacht).

Wie viele Hunde haben Sie selbst? Und: Funktioniert die Kommunikation reibungslos?

Rütter: Ich habe zwei Hunde. Abbey, ein Rhodesian Ridgeback und Emma, ein Australian Shepherd Mix. Natürlich sind die beiden auf einem sehr hohen Level erzogen, aber letztlich stinknormale Hunde. Das Ziel ist ja nicht, ferngesteuerte Roboter neben sich zu haben, die bei jedem Signal wie totgeschossen umfallen. Bei meinen Hunden haben die Leute ja immer die Vorstellung, dass sie sich morgens zum Warm-Up den brennenden Reifen in den Garten schieben und dreifache Saltos einstudieren. Das ist Quatsch.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist der Hundeführerschein immer wieder ein Thema. Was halten Sie davon? Plädieren Sie für eine Verpflichtung?

Rütter: Ich plädiere schon lange für einen Hundeführerschein, der aber bereits vor der Anschaffung eines Hundes absolviert werden müsste. Denn ganz viele Probleme entstehen, weil sich die Leute vorher keine Gedanken darüber machen, was das Zusammenleben mit einem Hund bedeutet. Welcher Hund passt überhaupt zu mir? Was sind gute Tierheime? Und grundlegende Kenntnisse der Hundesprache sind wichtig. Ein Wochenendseminar würde schon reichen, um die ganz groben Anfängerfehler zu vermeiden.

Ich persönlich habe großen Respekt und manchmal Angst vor Hunden. Was kann ich dagegen tun?

Rütter: Um Hunde einen sehr großen Bogen machen (lacht). Nein, das ist natürlich ein ernstes Thema. Und prinzipiell finde ich es erst einmal absolut in Ordnung, wenn Leute Respekt vor Hunden haben. Der ist auch angebracht, denn der Hund ist schließlich ein Raubtier. Generell ist das Wichtigste: Der Mensch muss lernen, die Körpersprache eines Hundes zu verstehen. Denn nur so kann er schon im Vorhinein erkennen, ob ihm tatsächlich Gefahr von einem Hund droht oder nicht.


Infos zum Auftritt: Martin Rütter gastiert am Samstag, 6. August, um 20 Uhr beim Openair im Maierhof in Benediktbeuern und spielt sein Programm „NachSITZen“. Der Eintritt kostet 33,95 Euro. Die Karten gibt es unter anderem in der Geschäftsstelle des Tölzer Kurier (Telefon 0 80 41/ 78 91 11) und im Klosterladen, Telefon 0 88 57/8 81 10.

Tobias Gmach

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