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Honigbienen besuchen pro Flug 200 bis 300 Blüten. Das Artensterben ist jedoch dramatisch.

Kampf gegen das Insektensterben

Bichl und Benediktbeuern: Zwei Gemeinden verzichten auf Pestizide

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Naturschutz und der Kampf gegen das Insektensterben steht derzeit bei vielen Gemeinden hoch im Kurs. Nun haben auch Benediktbeuern und Bichl beschlossen, eine „pestizidfreie Kommune“ zu sein.

Benediktbeuern/Bichl – Hintergrund ist eine Initiative des Bund Naturschutz. Der Verein hat sich an alle Gemeinden im Landkreis gewandt und fordert sie auf, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Denn vielfach werden in Parks, auf Sport- und Spielplätzen sowie an Straßenrändern chemisch-synthetische Pestizide eingesetzt, um gegen unerwünschte Pflanzen oder Insekten vorzugehen.

In Benediktbeuern hat nun Gemeinderat Cölestin Allgäuer die Initiative ergriffen und im Gremium einen entsprechenden Antrag gestellt. „Für viele Tier- und Pflanzenarten sind Pestizide ein lebensbedrohliches Verhängnis“, sagte Allgäuer. Die Stoffe beseitigten nicht nur unerwünschte Pflanzen, sondern auch Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse. Zudem würden sie deren Lebensraum und Nahrung dezimieren. „Wir erleben nicht nur in Deutschland, auch weltweit einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt“, sagte Allgäuer. Grund sei vor allem die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen. Hecken oder Blühflächen, die als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten und Vögel dienen, fehlen dort oft komplett.

Allgäuers Antrag fiel im Gemeinderat auf fruchtbaren Boden. Weil man Pilot-Gemeinde für das Projekt „Blühender Landkreis“ sei, wolle man ohnehin mit gutem Beispiel voranschreiten, sagte Hanns-Frank Seller, Zweiter Bürgermeister und Leiter der Sitzung. Der Bauhof habe ihm mitgeteilt, dass man ohnehin schon seit geraumer Zeit ohne Pestizide arbeite. „Die Mitarbeiter schaben, bürsteln, kehren oder rupfen das Unkraut aus.“ Leicht sei das freilich nicht immer. „Aber es doch nicht so schlimm, wenn mal ein Löwenzahn rausspitzt“, sagte Seller. Ganz im Gegenteil: Die neuen Blühflächen, etwa an der Asamstraße, seien fürs Dorf „eine echte Bereicherung“.

Probleme sieht die Gemeinde vor allem im privaten Bereich. Weil viele Hausbesitzer ihren Rasen „alle fünf Minuten trimmen“ (Seller) oder sogar einen Roboter zu mähen einsetzen, müsse man an diese Leute appellieren, ihre Gärten naturnäher zu bewirtschaften. „Dazu gehört auch, heimische Bäume und Sträucher zu pflanzen“, forderte Seller. Die Gemeinde jedenfalls werde in Pachtverträge aufnehmen, dass Pestizide künftig verboten seien. Das gilt auch für Dienstleistungsunternehmen, die von der Gemeinde Aufträge erhalten.

„Diese Stoffe werden ja vor allem im Ackerbau eingesetzt“, sagte Stefan Geiger mit Blick auf die Milchviehhalter in der Region. „Die Bauern, die an die Molkerei Berchtesgadener Land liefern, mussten sich schon vor längerer Zeit verpflichten, keine Pestizide einzusetzen“, sagte Leonhard Hundegger.

Der Beschluss fiel schließlich einstimmig, ebenso wie im Gemeinderat Bichl. Dort wurde der Antrag des Bund Naturschutz in der Sitzung am Dienstag behandelt. „Die Gemeinde sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen“, forderte Helmut Oppel. Auch in Bichl ist man der Ansicht, dass die Gartenbesitzer sensibilisiert werden müssen. „Viele bringen Glyphosat auf dem Rasen aus. Was dann mit Regen ins Grundwasser gespült wird, ist enorm“, sagte Michael Knestel. „Hier müssen die Leute unbedingt besser informiert werden.“ Giftige Stoffe zur Bekämpfung von vermeindlichen Unkräutern hätte man ja bis vor Kurzem „in jedem Supermarkt kaufen können“.

Die Rede kam auch kurz auf die Grünstreifen entlang der Bahnlinie. Auch hier „müsse man dahinter sein“, dass die Deutsche Bahn umweltfreundlich handle, sagte Bürgermeister Benedikt Pössenbacher.

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