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Zwei, die sich sehr gut verstehen: Schwester Rita Breuer (li.) wird neue Leiterin der Hausgemeinschaft der Don Bosco Schwestern in Benediktbeuern. Ihre Vorgängerin Sr. Johanna Moßburger (re.) hat das Amt turnusgemäß nach sechs Jahren abgegeben.

Schwester Rita Breuer im Porträt

Die Kirche braucht Frauen, um stark zu sein

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Bei der Gemeinschaft der Don Bosco Schwestern hat sich ein Führungswechsel vollzogen: Sr. Rita Breuer ist Nachfolgerin von Sr. Johanna Moßburger. Die „Neue“ zieht zum dritten Mal nach Benediktbeuern – und will sich besonders für Frauenrechte in der Kirche einsetzen.

Benediktbeuern – Der Händedruck ist kräftig, das Lachen herzlich. Und der münsterländische Dialekt ist bei Sr. Rita Breuer nicht zu überhören – sie stammt nämlich aus Bocholt. Doch für die 61-Jährige ist Benediktbeuern alles andere als fremd. Die Ordensfrau wird hier zum dritten Mal heimisch. „Der Gang zum Rathaus war mir vertraut“, sagt sie lächelnd. Sr. Rita studierte in den 70er-Jahren im Kloster und arbeitete von 1985 bis 1990 im Aktionszentrum. Seit 15. Oktober leitet sie nun die Gemeinschaft in Benediktbeuern, der sechs Frauen angehören.

Erst zwei Tage vorher, am 13., kam Sr. Rita im Loisachtal an. Am meisten, sagt sie, freue sich darauf, in den kommenden Wochen und Monaten viele alte Bekannte wieder zu treffen.

Gleichwohl schwingt im Neubeginn auch ein bisschen Abschiedsschmerz mit. Denn in den vergangenen 15 Jahren war Sr. Rita in Magdeburg im Einsatz, arbeitete unter anderem in einer offenen Jugendeinrichtung sowie im Ordinariat mit dem Schwerpunkt Frauenseelsorge und -arbeit. Ein großer Gegensatz zu Oberbayern: Denn im Raum Magdeburg sind nur zwei Prozent der Menschen katholisch und immerhin 16 Prozent evangelisch. Der Rest ist kirchlich nicht gebunden. Wie erlebt man da die Arbeit als Ordensfrau? Sr. Rita lächelt. „Es herrscht eine sehr große Offenheit, die Menschen bringen uns große Wertschätzung entgegen“, sagt sie. Zwar hätten viele der Jugendlichen „mit der Kirche nichts am Hut“, aber wenn sie in der Freizeit wohingehen, „dann in den Don Bosco Club“.

„Es muss eineZusammenarbeit aufAugenhöhe geben“

Die überschaubare Zahl an Christen, die es in Magdeburg gebe, würde den Glauben „aus tiefer Überzeugung leben“. Sr. Rita kennt Menschen, die zu DDR-Zeiten beim sonntäglichen Kirchenbesuch von der Stasi beobachtet wurden. „Mit dem Fernglas.“ Die Gläubigen hätten das gewusst, sich aber nicht abschrecken lassen.

Kommt ihr im Vergleich dazu Oberbayern nicht wie ein Paradies vor? Sr. Rita zögert mit der Antwort. Vieles, sagt sie, mache man hierzulande aus Tradition. „Tradition ist positiv, wenn sie den Glauben und die persönliche Entscheidung trägt, Christ zu sein.“ Manches werde jedoch gemacht, „um der Tradition halber dabei zu sein“.

Die 61-Jährige, die auch eine Position im Leitungsteam der deutschsprachigen Provinz bekleidet, ist für den Orden viel umher gekommen und arbeitete unter anderem in Essen, Rottenbuch, Ingolstadt und München sowie in Italien. Im Laufe der Jahre ist ihr das Engagement für die Rechte der Frauen in der katholischen Kirche ein besonderes Anliegen geworden. „Es muss eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe geben, ein partnerschaftliches Miteinander“, sagt Sr. Rita mit Nachdruck. Sie fordert, das Diakonat für Frauen wieder zugänglich zu machen. Viel zu oft, sagt sie, würde man „zwischen oben und unten“ unterscheiden, die Frauen nicht selten auf „Kuchen backen und putzen“ reduzieren. Ihrer Meinung nach sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, seine Fähigkeiten in die Kirche einzubringen. „Man schöpft die Ressourcen nur dann aus, wenn man das auch sieht.“

Die Ordenstrachtwird nur selten abgelegt

Das männliche Pendant der Don Bosco Schwestern sind die Salesianer Don Boscos. Während sich diese in Zivil kleiden, tragen die Frauen Ordenstracht – aber nur in Deutschland, die österreichischen Mitschwestern tun das zum Beispiel nicht. Sr. Rita Breuer schätzt die Tracht samt Schleier. „Für mich ist es ein Zeichen nach außen, und Zeichen für den Glauben finde ich sehr wichtig.“ Dennoch: „Auf die Benediktenwand werde ich mit Wanderkleidung gehen“, sagt sie pragmatisch. Die lange Kette mit dem Ordenskreuz, ihr einziger Schmuck, ist jedoch überall dabei.

In Benediktbeuern warten auf die 61-Jährige viele Aufgaben. Im Gespräch ist eine Sanierung des Hauses. In der Jugendherberge Miriam, die weiterhin von Sr. Johanna Moßburger geleitet wird, übernachten jedes Jahr fast 13 000 Gäste, die Kindertagesstätte (geleitet von Sr. Irene Eisenreich) ist voll belegt. Die neue Chefin will sich erst mal einen Überblick verschaffen „und dann überlegen, was alles möglich ist“.

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