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Am Freitag stellte Bischof Stefan Oster sein neues Buch „Credo“ im Barocksaal vor und diskutierte mit den Zuhörern. Er freute sich, viele alte Bekannte wiederzusehen.

Kloster Benediktbeuern

Bischof Oster begeistert in der alten Heimat

Von den „Oster-Festspielen“ war am vergangenen Wochenende im Kloster Benediktbeuern die Rede: Bischof Stefan Oster war drei Tage zu Gast.

Benediktbeuern Bischof Stefan Oster weihte die neue Klosterkapelle ein, segnete den umgebauten Klosterladen und stellte im Barocksaal sein neues Buch vor. Das Interesse war groß.

Warum schreibt ein Bischof ein Buch? Weil er die Menschen auf ihrem oft holprigen Weg zum Glauben und zu Jesus begleiten und führen möchte. Unter dieser Prämisse stand auch die Arbeit für das Buch „Credo“ von Bischof Stefan Oster. Im September vorigen Jahres wurde der Band mit mehr als 300 Seiten vom Katholischen Bibelwerk veröffentlicht, am Freitagabend stellte der Autor sein Werk nun persönlich im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern einem interessierten Publikum vor.

Für Oster, der seit 2014 Bischof von Passau ist, bedeutete dieser Aufenthalt in Benediktbeuern die Rückkehr in gewissermaßen heimatliche Gefilde: Als Salesianer Don Boscos hatte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Benediktbeuern studiert und war später dort als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte tätig gewesen.

Das Buch „Credo“ trägt den Untertitel „Eine Gebrauchsanweisung für das Leben“ und muss, so die Anleitung, „nicht unbedingt ganz gelesen werden“. Es soll vor allem auch bei jungen Menschen das Verständnis für Jesus und seine Lehre vertiefen. Das Schriftwerk sei letztlich das Ergebnis vieler Gespräche mit jungen Leuten: „Es gab während meiner Benediktbeurer Zeit die Treffen mit der Gruppe ,God for youth‘, und in Passau habe ich dann einen ähnlichen Kreis gegründet“, erklärte Oster zu Beginn der Präsentation.

„Jesus war ein Erdbeben in seiner Zeit“

Im Mittelpunkt seiner Glaubensinterpretation stehen unverrückbar Jesus und das Glaubensbekenntnis. Die Menschen seien die Gestalt Jesu Christi so gewohnt, dass das Besondere dahinter oft gar nicht mehr gesehen werde, so der Bischof. Er habe deshalb unter anderem aufzeigen wollen, „was für ein Erdbeben Jesus in seiner Zeit gewesen ist“.

Ein Kapitel in seinem Buch thematisiert die Leidensgeschichte des Herrn und seine Hingabe am Kreuz, die vielfach „als Höhepunkt seines Daseins angesehen wurden.“ Jesus habe während seines Wirkens oft gegen die jüdischen Regeln verstoßen und sei schließlich in der Wahrnehmung seines Umfeldes als Gescheiterter gestorben. „Er konnte vordergründig die Erwartungen, die man an den angekündigten Messias hatte, nicht erfüllen“, schilderte Oster, der aus der eigentlich vorgesehenen Lesung eine von leidenschaftlicher Überzeugung geprägte Erzählung machte und für seine Analysen die volle Konzentration der Zuhörer einforderte.

Bischof Stefan Oster weiht Klosterkapelle ein: Die Bilder

Ein anderer Abschnitt des Buchs befasst sich mit der „Mitte der Verkündigung“. Die Menschen würden das Christentum gerne auf Regeln wie ,jeden Sonntag in die Kirche, einmal im Jahr zum Beichten und keinen Sex vor der Ehe‘ reduzieren. Die Mitte des kirchlichen Lebens sei aber die Eucharistie, das Reich Gottes beginne in den Herzen. Dort seien die Personenmitte und der Sitz des Gewissens. Und dort müsse sich auch die Beziehungsqualität und Liebe zu Gott entwickeln, die sich dann wiederum in der Liebe zu den Mitmenschen spiegele.

Dass es im Alltag nicht einfach sei, die wahren Anforderungen des Glaubens zu erkennen und danach zu handeln, wie eine Wortmeldung aus dem Publikum anführte, bejahte Oster. „Wenn wir Gott lieben lernen wollen, kommen wir nicht drum rum, uns dafür Zeit zu nehmen und die Bibel zu lesen.“

Synodaler Weg: „Erwartungen werden nicht in Erfüllung gehen“ 

Auf die Frage nach dem „Synodalen Weg“, in dem Deutschlands Kirchenobere derzeit – ausgelöst durch den Missbrauchskandal – über Reformen in der Kirche diskutieren, hatte der Bischof eine klare Antwort: Es sei wichtig, über Themen wie Ämter für Frauen, Zölibat und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu reden. „Die Erwartungen, die da viele haben, werden aber nicht in Erfüllung gehen.“ Dennoch sehe er die Kirche „am Anfang einer dramatischen Veränderung“.

Rund 200 Besucher – unter ihnen Salesianer, Mitarbeiter, Klosterbesucher und Stammkunden – feierten am Samstag mit Bischof Stefan Oster die Wiedereröffnung, Einweihung und Segnung des Benediktbeurer Klosterladens. Wie berichtet, wurde der Laden, der von der Don Bosco Medien GmbH betrieben wird, in den vergangenen Wochen umfangreich saniert. Ein Höhepunkt der Feierstunde am Samstag war die Präsentation des neuen, erweiterten Benediktbeurer Liederbuchs „God for You(th)“. Über 70 000 Mal war dieses in den vergangenen zehn Jahren verkauft worden, berichten die Salesianer in einer Pressemitteilung. Die erweiterte Fassung wurde um 175 Lieder ergänzt. „Sie bietet Gemeinden, Gruppen, Chören und auch Einzelpersonen auf 816 Seiten ein breit gefächertes Angebot an Liedern in moderner Sprache und in einem an der modernen Populärmusik orientierten Musikstil“, teilt der Verlag mit. „Bewährte Klassiker des Neuen Geistlichen Liedes, Lieder aus Taizé, Don-Bosco-Lieder und Lieder aus der charismatischen Bewegung finden sich in der Sammlung genauso wie neue, jüngere Songs, die erst in den vergangenen Jahren für Weltjugendtage, Ministranten-Wallfahrten oder Jugendfestivals komponiert wurden.“ 

Zahlreiche Besucher kamen am Samstag ins Kloster. Für die Kinder gab es ein Zauberprogramm, das an den Ordensgründer Johannes Bosco – ein begeisterter Zauberkünstler – erinnerte. 

Neue Klosterkapelle eingeweiht

„Ich komme immer wieder gerne nach Benediktbeuern zurück“, sagte Bischof Stefan Oster und freute sich, viele Bekannte wiederzutreffen. Seine wichtigste Amtshandlung war am Sonntag die Weihe der neuen Klosterkapelle. Der Festakt war ausschließlich geladenen Gästen vorbehalten. Die Klosterkapelle ist die neue Hauskapelle der Salesianer-Gemeinschaft im Kloster und steht auch weiterhin allen Gläubigen zu besonderen Anlässen offen. Bislang war sie im Fürstensaal im Südtrakt beheimatet. 

Wegen der Sanierungsarbeiten und einer Umstrukturierung im Kloster ist die Kapelle nun im ehemaligen Pater-Mindera-Saal beheimatet. Bischof Oster setzte die drei Reliquien (von Johannes Bosco, dessen Lieblingsschüler Dominikus Savio und Don Boscos erstem Nachfolger Michael Rua) ein, trug Chrisamöl auf den Altar auf und entzündete Weihrauch. Bischof Oster weihte auch das Tabernakel und entzündete das Ewige Licht. Die Umgestaltung des Saals zur Klosterkapelle hatte der Gaißacher Künstler, Restaurator und Kunstpreisträger Erwin Wiegerling vorgenommen. (rb, müh, ao, tk)

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