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Sehr betroffen von der beschädigten Blutbuche zeigten sich gestern viele Kloster-Besucher in Benediktbeuern. Der Baum ist 200 bis 300 Jahre alt. 

Wind fährt heftig in Baum 

Kloster Benediktbeuern: Historische Blutbuche kann gerettet werden

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Schreck in den Abendstunden: Bei dem heftigen Gewitter am Dienstagabend wurde die alte Blutbuche im Innenhof des Klosters Benediktbeuern stark beschädigt.

Benediktbeuern– Es war gegen 21.30 Uhr, berichtet Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK). Ein Pater und mehrere Jugendliche standen unter den Klosterarkaden, um das Gewitter zu beobachten, als sie plötzlich Zeuge des Geschehens wurden. „Es war aber kein Blitz. Dagegen ist das Kloster gut gesichert“, sagt Geißinger. Vielmehr habe man in den vergangenen Jahren immer wieder beobachtet, dass Windböen von oben in den Klosterinnenhof fahren, sich dort in einer Ecke zu einem Wirbel ausbilden und dann mit enormer Kraft in einen Baum fahren. So passierte es auch am Dienstag. „Der Wirbel hat die ganze Krone gedreht.“ Dabei sei ein „riesiger Schlag“ zu hören gewesen.

Der erste Bericht in unserer Online-Ausgabe stieß gestern auf ein großes Echo. Viele Kloster-Besucher lieben diese Blutbuche, unter der am Dienstagabend noch einige Besucher saßen und einen Auftritt des Jugendblasorchesters Murnau im Klosterinnenhof verfolgten. Als das Gewitter begann, war das Konzert aber schon vorüber.

Für alle Baum-Liebhaber hat Pater Geißinger gute Nachrichten: Die Chancen, dass er überlebt und wieder zu voller Pracht wächst, stehen sehr gut. Das hat eine Begutachtung ergeben, von der Geißinger am Mittwochnachmittag berichtete. Die Firmen Suttner aus Kochel und Ley aus Bichl werden sich der Blutbuche jetzt annehmen. „Der Baum wurde nicht so geschädigt, dass man jetzt Angst um ihn haben muss.“ Der abgebrochene große Ast werde entfernt und die Bruchstelle so behandelt, dass kein Wasser ins Innere dringen kann. Diese Stelle, so der Pater, werde „sehr gut verheilen“.

Die übrigen Äste werden gekürzt. „Die Buche wird eine andere Form haben, aber somit besteht keine Gefahr, dass weitere Äste abbrechen.“ Der Buche komme zugute, dass sie eine relativ geschlossene Krone habe, auf der wegen der hohen Luftfeuchte eine dicke Moosschicht gewachsen sei. „Das ist nun von Vorteil. Denn jetzt scheint die Sonne voll hinein, aber das Moos schützt die Äste. Sonst würden diese platzen und aufreißen.“ Zudem habe der Baum jetzt sehr viele Wurzeln im Vergleich zum Blattwerk. „Das heißt, der Baum kann seine Kraft in Blätter und Zweige setzen.“ Er werde bald wieder schön austreiben, sagt der Pater, „aber es wird schon einige Jahrzehnte dauern, bis er wieder so eine schöne Gestalt hat wie jetzt.“

Die Blutbuche, sagt Geißinger, habe für das Kloster eine „hohe Symbolkraft“. Sie sei Teil der Gartenanlage mit drei weiteren Bäumen in jedem Eck sowie den Rosen und dem Brunnen.

Über das Alter des Baumes gibt es keine gesicherten Angaben. Im „Benediktbeurer Hörpfad“, in dem die Buche auch einen Platz hat, ist von 300 Jahren die Rede. Angeblich wurde sie beim 1000-jährigen Jubiläum des Klosters 1725 gepflanzt. Das sei aber nicht sicher, so Geißinger. Man könne aber davon ausgehen, dass der Baum 200 bis 300 Jahre alt sei. Das heißt, er stand womöglich schon zu Zeiten der Säkularisation dort, überlebte zwei Weltkriege und ist den Salesianern seit deren Einzug (1930) bekannt. Eines ist jedenfalls sicher: Im Zuge der Baumsanierung wird es zu Bohrungen kommen, anhand derer man das Alter feststellen kann.

Der Gewittersturm hat im ganzen Landkreis für einige umgestürzte Bäume gesorgt. Laut Kreisbrandrat Karl Murböck mussten die Feuerwehren sechs bis sieben Mal ausrücken, um Straßen davon zu befreien. Die Höhe des entstandenen Sachschadens ist unbekannt.   

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