An den „liebevollen Heiligen“ ,erinnerte Bischof Bertram Meier (Mitte) in seiner Predigt beim Don-Bosco-Fest. Rechts Klosterdirektor Pater Lothar Bily.
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An den „liebevollen Heiligen“ ,erinnerte Bischof Bertram Meier (Mitte) in seiner Predigt beim Don-Bosco-Fest. Rechts Klosterdirektor Pater Lothar Bily.

Feier ohne Gäste

Kloster Benediktbeuern: Kleines Don-Bosco-Fest, große Predigt

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Der Augsburger Bischof Bertram Meier war am Sonntag zu Gast beim Don-Bosco-Fest in Benediktbeuern. Die wenigen Zuhörer seiner mitreißenden Predigt waren die Ordensbrüder und geladene Gäste.

Benediktbeuern – Selbst bei Tauwetter ist es in der nicht geheizten Benediktbeurer Basilika eiskalt – erst recht, wenn nur gut 100 Besucher in die Pfarrkirche dürfen und Corona-Abstand halten müssen. „Dass heuer alles anders sein wird, wussten wir schon seit dem Frühjahr 2020“, sagte Pater Lothar Bily, der Direktor der salesianischen Hausgemeinschaft, in seiner Begrüßung zum Don-Bosco-Fest am Sonntag.

Am 31. Januar 2020 hatte der Orden das traditionelle Fest noch in gewohnter Form begangen. „Heuer ist es nur eine kleine interne Feier“, sagte Pater Bily. Auch auf das große Mittagessen mit 200 geladenen Gästen müsse man verzichten.

Betram Meier: „Johannes Bosco hat die christliche Pädagogik revolutioniert“

Der fast auf den Tag vor einem Jahr zum neuen Augsburger Bischof geweihte Bertram Meier erinnerte in seiner Predigt an den „liebevollen Heiligen“, der vor 133 Jahren in Turin gestorben ist. Johannes Bosco hatte bereits mit zwei Jahren seinen eigenen Vater verloren. Als zölibatär lebender Priester wurde er laut Bischof Meier aber zum Vater von Hunderten von Kindern, „denen er Heimat, Wärme und Geborgenheit bot – vor allem aber Anerkennung schenkte“.

Im Verzicht auf eine eigene Familie habe er sich der Kinder angenommen, die meist weder Vater noch Mutter hatten. Im beginnenden Industriezeitalter habe er „die christliche Pädagogik revolutioniert“. Johannes Bosco habe mit den Straßenkindern Fußball gespielt, „obwohl er weder ein Torschützenkönig noch Europas bester Torwart war“. Johannes Bosco habe sich derer angenommen, die am Rande der Gesellschaft lebten. Diesem sogenannten Abschaum bot er Hilfen an, in die Gesellschaft hineinzuwachsen. Zusammen mit Maria Mazarello habe er sich der Erziehung und Fürsorge armer und benachteiligter Jugendlicher gewidmet. Beide italienischen Heiligen waren laut Bischof Meier wahre „Mitarbeiter Gottes“. In Benediktbeuern werde ganz im Sinne des Ordensgründers gearbeitet, sagte der Bischof.

Bischof Meier spürte im Kloster Benediktbeuern „jede Menge Spirit“

Er empfinde große Dankbarkeit für die Arbeit der Salesianer Don Boscos, versicherte der Augsburger Oberhirte. In jungen Jahren hatte er mehrfach das Aktionszentrum (AZ) im Kloster besucht. „Das war für mich und viele Gleichaltrige ein Markenzeichen“, so der Bischof. Das AZ war für ihn „eine Tankstelle zum Kraftschöpfen“. Für Bertram Meier gab es im Kloster „jede Menge ,Spirit‘“, erinnerte er sich. „Wir durften experimentieren – und die Glaubenskongregation war weit weg.“ Die Patres und AZ-Mitarbeiter „haben uns Nähe gegeben und zudem Distanz gehalten“. So habe das Kloster vielen jungen Menschen geholfen, wichtige Entscheidungen für ihr Leben zu treffen. Benediktbeuern war für ihn persönlich Treffpunkt und auch Drehscheibe.

Im Mittelpunkt des Fürbitten-Gebets standen unter anderem auch die Jugendlichen, die nach der Pandemie „hoffentlich bald wieder ins Kloster kommen können“. Denn es soll laut Bischof Meier schnellstmöglich wieder ein lebendiger Treffpunkt werden.

„Der kann predigen“, freute sich ein Gottesdienstbesucher nach der Kirche. Vielleicht hat er sich am Portal der Basilika mit dem ein oder anderen Don-Bosco-Fest-Dauergast an die weniger rühmlichen Auftritte der vormaligen Bischöfe Konrad Zdarsa und Walter Mixa in Benediktbeuern erinnert. Schon zu Beginn des Festgottesdienstes hatte Bertram Meier voll Inbrunst erklärt: „Ich bin gerne Bischof von Augsburg.“

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