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Aushängeschild des Klosters: Der bekannte Barocksaal („Alter Festsaal“) wurde zwischen 1672 und 1675 von Kaspar Feichtmayr errichtet. Es ist ein beliebter Raum für Veranstaltungen aller Art.

Kloster Benediktbeuern

Veranstalter wollen Barocksaal aufgeben

Benediktbeuern - Mehrere Veranstalter haben ihren Rückzug aus dem Barocksaal angekündigt. Der Grund: Das Kloster Benediktbeuern erhöht die Miete.

Konzertbesucher, die am Sonntagabend zum Auftritt des Gitarrenduos Christian Gruber und Peter Maklar in den Barocksaal kommen, werden etwas Ungewöhnliches hören: Veranstalter Günter Sirsch aus Murnau („Oberland-Konzerte“) kündigt seinen Rückzug aus dem Barocksaal an. Auch Hilmar Körzinger („Kulturgipfel“ aus Garmisch-Partenkirchen) will 2016 keine Konzerte mehr im Barocksaal anbieten. Und auch das Kreisbildungswerk in Bad Tölz sagt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass man auf der Suche nach neuen Räumen ist. „Die Mietkosten sprengen unseren Rahmen“, sagt Geschäftsführer Andreas Käter.

Das Kloster wird ab 2016 1000 Euro als Saalmiete verlangen, sagt der neue Direktor Pater Reinhard Gesing. Mit dem bisherigen Mietpreis liege man deutlich niedriger als üblich. „Zudem befindet sich das Kloster in einem Prozess der wirtschaftlichen Konsolidierung“, sagt Gesing. Letztlich müsse man das erwirtschaften, was der Saal koste. Als Beispiel listet er Saal- und WC-Pflege, Personalkosten, Bestuhlung, Heizkosten und auch die Sanierung des historischen Saals auf. „Die Saalmiete anzupassen, ist ein Baustein von vielen“, sagt Gesing mit Blick auf die Gesamtsituation des Klosters. Außerdem: „Wir sind es auch den Menschen schuldig, die sich ehrenamtlich für uns einbringen und helfen, wo es geht.“

Für die Erklärungen Gesings haben die Konzert- und Seminarveranstalter durchaus Verständnis. Gleichwohl: von derzeit 250 bzw. 350 Euro Miete auf 1000 Euro zu erhöhen, sei einfach zu viel, argumentieren sie. „Diese Erhöhung ist nicht auf die Ticketpreise umzulegen“, sagt Günter Sirsch. Die Tickets müssten denn statt 27 Euro im Vorverkauf mindestens 35 Euro kosten. „Das ist auf dem Land zu teuer.“

In den Barocksaal passen 200 Leute. Sirsch rechnet bei Vollauslastung mit einem Nettoumsatz von 4800 Euro. „Seriös sind aber 75 Prozent, das ergibt einen Umsatz von 3600 Euro“, sagt der Murnauer. Davon müsse man dann zuerst die Gagen bezahlen. „Meine Künstler sind oft europaweit, manchmal weltweit unterwegs. Da sind Gagen zwischen 1500 und 2000 Euro üblich.“ Hinzu kämen Kosten für Gema, Künstlersozialkasse, Werbung, Catering und Hotel, die Sirsch mit insgesamt 800 bis 1000 Euro ansetzt. Er selbst habe etwa 20 Stunden Arbeit mit einem Konzert. „Unterm Strich kommt ein Minus raus.“

Das Kloster will „langjährigen Partnern“ (Gesing) entgegenkommen und bietet 800 Euro Miete (bzw. 500 Euro für kirchliche und soziale Gruppen) an. Aber selbst das ist den Kulturveranstaltern zu viel. „Ich kann maximal 550 Euro anbieten“, sagt Hilmar Körzinger. Er will beim Auftritt von Violinistin Angelika Lichtenstern am Samstag die Zuhörer über die Entwicklungen informieren.

Körzinger und Sirsch argumentieren, dass andere vergleichbare Säle wesentlich günstiger seien. „Wenn man die Angebote der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, zum Beispiel für Nymphenburg, runterrechnet, dann ist das alles billiger“, sagt Körzinger. Laut Sirsch werden im Kultur- und Kongresszentrum Murnau mit 500 Sitzplätzen 400 Euro (gewerblich: 800 Euro) verlangt, im Kongresszentrum in Garmisch 1850 Euro bei 840 Sitzplätzen, allerdings inklusive einem Tontechniker und Kartenkontrolleur.

Fallen die Konzerte im Barocksaal weg, werden auch andernorts die Einnahmen zurückgehen, prophezeit der Murnauer: „Etwa in den Cafés und Gasthäusern.“

Das Kreisbildungswerk hat schon Konsequenzen gezogen und Seminare in die Tölzer Franzmühle verlegt. Interessantes Detail: Mit einer anderen Veranstaltung wird das KBW in den Allianzsaal im Maierhof des Klosters ausweichen. Vermieter ist hier das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK). „Wir sind ein eigener Rechtsträger“, sagt Pater Heiner Heim, Vorsitzender des Trägerverbunds. Eine Preiserhöhung sei nicht geplant.

Angesichts des öffentlichen Wirbels ist man im Kloster bemüht, die Situation zu beruhigen. „Wir hoffen, wir können im Gespräch die Situation klären“, sagt Pater Gesing. Zum häufig erhobenen Vorwurf, „die Kirche würde sich bereichern“, sagt er: „Wir sind eine Ordensgemeinschaft und bekommen keine Kirchensteuer. Wir sind selbst dafür verantwortlich, wirtschaftlich zu arbeiten.“

Christiane Mühlbauer

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