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Carmen Zeiß vom Tölzer Jobcenter referiert im Benediktbeurer Barocksaal über Begrifflichkeiten im Amtsdeutsch der Agentur für Arbeit. 

Helferkreis Benediktbeuern-Bichl

So kommen Asyl und Arbeit unter einen Hut

Benediktbeuern – Das Interesse der potenziellen Arbeitgeber war zwar eher gering. Aber die Infoveranstaltung des Helferkreises Asyl war zumindest ein Anfang, um ins Gespräch zu kommen.

Von Seiten der Gastgeber war am Donnerstagabend im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern alles bestens dafür gerüstet, um den Themenkreis „wie bringe ich Asylbewerber in Lohn und Arbeit“ zu beleuchten. Alleine die Gäste, also die potenziellen Arbeitgeber, waren weitgehend ausgeblieben. „Wir hatten schon befürchtet, dass wir die Veranstaltung wegen mangelnder Resonanz komplett absagen müssen“, sagte Michaela Peise vom Helferkreis Benediktbeuern-Bichl, der eingeladen hatte.

Die kommunalpolitische Seite war mit Landrat Josef Niedermaier und den beiden Bürgermeistern Hans Kiefers-auer und Benedikt Pössenbacher gut vertreten. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Bad Tölz waren mit großer Mannschaft angerückt. Da waren die Fachleute vom Arbeitgeber-Service genauso vor Ort wie auch Berufsberater Dominik Leitner, Spezialist für Asylbewerber.

„Es gibt kaum Eingrenzungen, dass ein Flüchtling mit Bleibeperspektive arbeiten kann – im Prinzip“, erklärte Udo Kohnen, der Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Tölz und Wolfratshausen. Dabei betonte er genauso wie der Landrat, dass das Erlernen der deutschen Sprache oberste Priorität habe. Schon an zweitwichtigster Stelle stünde, „eine Beschäftigung zu finden, vor allem für die Flüchtlinge, die bereits ihren Bleibestatus haben“, fügte Niedermaier an. Dafür würde es in der Region „wegen der vorherrschenden Vollbeschäftigung beste Voraussetzungen geben“, so Kohnen. Auch sei die Altersstruktur der hiesigen Flüchtlinge „hervorragend“. Knapp 75 Prozent seien unter 35 Jahren.

Auf „Gastgeberseite“ waren mit Bäckermeister Anton Lugauer jun. und Matthias Reiser, der in Benediktbeuern ein Bauunternehmen betreibt, zwei Handwerksbetriebe angetreten, die über ihre überaus guten Erfahrungen mit Asylbewerbern berichteten. Freilich gebe es neben den sprachlichen Schwierigkeiten auch einige Probleme mit dem beruflichen Kenntnisstand, vor allem beim Einsatz moderner Maschinen und Verfahren. „Aber der Mann aus Eritrea, den ich als Bauhelfer eingestellt habe, ist ungemein fleißig und willig zu arbeiten“, führte Reiser aus. Will ein Flüchtling arbeiten, muss als erstes eine Erlaubnis zur Beschäftigung beantragt werden, die letztlich nach der Prüfung durch die Agentur von der Ausländerbehörde genehmigt wird. „Wir helfen dann auch bei der Einstellung, bei der Personalsuche oder bei möglichen Zuschüssen“, erklärte Verena Pallauf (Arbeitgeber-Service).

Auch wenn die Resonanz der Arbeitgeber nur mäßig war, erklärte Marlies Jall vom Helferkreis: „Es war wenigstens ein Anfang, um die verschiedenen Gruppen einmal ins Gespräch zu bringen.“ Und auch Jost Gudelius und David Warham, beide vom Jachenauer Helferkreis, haben einen positiven Aspekt in der Veranstaltung gefunden: „Jetzt haben wir wenigstens Telefonnummern und Kontakt zu den direkten Ansprechpartnern für unsere arbeitssuchenden Flüchtlinge bekommen.“

Ewald Scheitterer

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