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So gestaltete das Münchner Architekturbüro Auer+Weber 2014 das Tagungshaus für die Fraunhofer-Gesellschaft (rechtes Gebäude). Das Gebäude wurde nun verkleinert – ein neuer Entwurf wurde der Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt.

Hintergrund

Fraunhofer-Tagungshaus: Kommt es oder kommt es nicht?

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Benediktbeuern – Was tut sich eigentlich in Sachen Tagungshaus der Fraunhofer-Gesellschaft in Benediktbeuern? Seit Monaten ist es still um das Projekt, sieht man einmal von diversen Nachfragen unserer Zeitung ab. Vor zwei Jahren war noch die Rede von einem Baubeginn in diesem Jahr. Doch das wird nicht passieren. Wann es weitergeht, ist völlig offen.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hält sich weiterhin bedeckt. „Ein Termin mit dem Gemeinderat ist in Vorbereitung“, sagt Pressesprecherin Beate Koch auf Anfrage unserer Zeitung. Zu weiteren Details will sich die Gesellschaft nicht äußern. Nur so viel: „Die haushaltsrechtliche Genehmigung der Zuwendungsgeber von Bund und Land liegt vor. Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen.“

Zum Hintergrund: Die Fraunhofer-Gesellschaft möchte im Südgarten des Klosters ein Tagungshaus (Arbeitstitel: „Netzwertzentrum“) errichten. Der Standort ist umstritten. Nach einem Architekten-Wettbewerb wurden im März 2014 die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Sieger ging ein Modell des Münchner Architektenbüros Auer-Weber hervor. Zur Präsentation kam Fraunhofer-Finanzvorstand Alfred Gössner nach Benediktbeuern. Im Juni 2014 untermauerte dann Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bei einem Treffen im ZUK, dass die Staatsregierung hinter dem Projekt stehe.

Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen mit dem Landesamt für Denkmalschutz. Hatte dessen ehemaliger Leiter, der Generalkonservator Dr. Johannes Greipl, den Bau des Tagungshauses im Klostergarten noch strikt abgelehnt, kam es unter Nachfolger Mathias Pfeil zum Wandel. Zuvor hatte sich Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel in seiner Funktion als Vorsitzender des Landesdenkmalrats positiv für das Projekt ausgesprochen.

Die Fraunhofer-Gesellschaft plante ursprünglich ein Haus mit 40 Zimmern, Tiefgarage und einem „Speisenausschank“. Im Oktober 2014 wurde bekannt, dass das Tagungshaus wesentlich teurer werden würde als geplant. Grund ist der Boden unter dem Kloster: Weil er aus Schwemmland besteht, müsste man sehr tief graben (neun Meter), um das Haus stabil zu gründen. Die Fraunhofer-Gesellschaft entschloss sich deshalb, das Haus zu verkleinern. Ein neuer Plan ist allerdings bis heute der Öffentlichkeit nicht vorgestellt worden.

Zudem meldete sich Denkmalschützer Pfeil nochmals zu Wort. Er ist gegen eine Tiefgarage und fordert, dass die Tagungsgäste den bestehenden Kloster-Großparkplatz nützen. Diesen wollte man – so war zuletzt in der Diskussion – nach Westen hin ein Stück vergrößern.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat zu Benediktbeuern einen besonderen Bezug. Das (säkularisierte) Klostergebäude war Anfang des 19. Jahrhunderts eine Glashütte. Die Wissenschaftler und Unternehmer, unter ihnen Joseph von Fraunhofer, produzierten optische Linsen, mit denen Fraunhofer die Wellennatur des Lichts nachwies. „Das war der Anfang der Spektralanalyse, mit der sich das Tor zu fernen Galaxien auftat“, sagt Kloster-Historiker Pater Dr. Leo Weber. Die historische Werkstatt kann man heute noch besichtigen. Das Tagungshaus soll gegenüber gebaut werden.

Wie hoch die Gesamtkosten sind, weiß man auch nicht. Im März 2012 hatten Bund und Landtag jeweils vier Millionen Euro an Unterstützung bewilligt. Das Tagungshaus war aber seither nicht mehr Thema im Landtag, berichtet der Heilbrunner CSU-Abgeordnete Martin Bachhuber auf Nachfrage unserer Zeitung. „An der Zusage hat sich bis heute nichts geändert“, sagt Bachhuber, der das Projekt unterstützt. Er hat nach eigenen Angaben auch ein Auge darauf, „dass die Mittel fortgeschrieben werden“. Bachhuber meint aber auch: „Wir bräuchten schnellstmöglichst einen genehmigungsfähigen Plan.“

Die Bürgerinitiative „DenkMal Benediktbeuern“ verfolgt unterdessen wachsam die Entwicklung. „Es ist schwierig, an Informationen zu kommen“, sagt Julia Wolff. Sie findet es „seltsam“, dass im jüngst vorgestellten Masterplan des Klosters „das Tagungshaus überhaupt nicht vorkommt“. „Dabei wäre es doch ein wesentlicher Bestandteil.“

Wolff kritisiert auch, dass die Gemeinde nun nahe dem Gasthof Friedenseiche (alter Klosterobstgarten) ein Garten-Projekt für die Allgemeinheit schaffen will (wir berichteten an Ostern). „Es wäre doch viel sinnvoller und schöner, dies am Kloster zu tun.“ Sie hat nach eigenen Angaben Kontakte zu Denkmalschutz-Initiativen in ganz Deutschland aufgebaut. „Wir versuchen, so aufgestellt zu sein, dass wir dann eine Popularklage einreichen können, wenn Fraunhofer das Tagungshaus weiter verfolgt.“

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