Bunte Taschen, fröhliche Mützen: Tinja Neumeier-Zoelch aus Bad Heilbrunn liebt es verspielt und kunterbunt, wenn sie Modelle entwickelt. 
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Bunte Taschen, fröhliche Mützen: Tinja Neumeier-Zoelch aus Bad Heilbrunn liebt es verspielt und kunterbunt, wenn sie Modelle entwickelt. 

An diesem Wochenende im Kloster Benediktbeuern

„Kreativ zu sein, ist mein Leben“: Zwei außergewöhnliche Designerinnen beim Textilmarkt

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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An diesem Wochenende findet wieder der Textilmarkt im Kloster Benediktbeuern statt. Aus dem Tölzer Land sind heuer nur zwei Ausstellende dabei: Tinja Neumeier-Zoelch von „Tinja Design“ aus Bad Heilbrunn und Constanze Metzler von „1801“ aus Benediktbeuern. Beide sind stolz, ausgewählt worden zu sein.

Benediktbeuern – Der Textilmarkt, der am Wochenende im Kloster Benediktbeuern stattfindet, ist eine der größten Veranstaltungen in der Region. Die Aussteller sind hochkarätig und müssen sich vorab bewerben. Coronabedingt gibt es heuer weniger Händler. Diese kommen aus ganz Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern. Nur zwei von ihnen sind aus dem Tölzer Land und zum ersten Mal dabei: Die beiden Designerinnen Tinja Neumeier-Zoelch von „Tinja Design“ aus Bad Heilbrunn und Constanze Metzler von „1801“ aus Benediktbeuern.

Mützen stricken oder häkeln liegt ja seit geraumer Zeit wieder im Trend – doch jene von Tinja Neumeier-Zoelch sind außergewöhnlich. Nicht nur, weil sie hochwertige Baumwollgarne mit Öko-Tex-Siegel verwendet oder mit Angora-, Yak- und Kaschmir-Wolle arbeitet. Viele Mützen sind zudem kunstvoll bestickt, etwa mit originellen Hühner- und Eulenfiguren. Aber auch fantasievolle florale Ornamente sind ein Markenzeichen der 51-Jährigen. Die Tölzerin, die mit ihrer Familie in Bad Heilbrunn lebt, schneidert aber auch kunstvolle Taschen. Die Basis sind Kaffeesäcke. Neumeier-Zoelch lässt ihrer Kreativität freien Lauf und verziert sie mit Stoff-, Strick- oder Häkelaufsätzen, Bändern, Perlen, Bommeln und Knöpfen. Egal, ob Tasche oder Mütze – jedes Teil ist ein Unikat.

„Tinja Design“: Verkauf läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda

Neumeier-Zoelch absolvierte die Meisterschule für Mode in München. Sie ist sowohl Designerin als auch Schnittdirektrice. Anschließend arbeitete sie einige Jahre für eine Modefirma und war international unterwegs. Vor knapp 20 Jahren machte sie sich selbstständig, hatte aber zur Sicherheit noch Jobs in Boutiquen in München. Mit der Geburt ihrer Tochter gab sie die Nebenjobs auf und konzentriert sich jetzt nur auf „Tinja Design“. Der Verkauf laufe dank ihres Netzwerks vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda, berichtet die Designerin. Nach Absprache kann man sie zu Hause besuchen.

Tinja Neumeier-Zoelch ist eine quirlige Frau mit einem ansteckenden Lachen. „Ich bin ein verrücktes Huhn.“ Ihre Kreativ-Werkstatt im Wohnhaus ist ein Kosmos voller Näh- und Strickutensilien, alles feinsäuberlich in Schubladen einsortiert. „Aber eigentlich herrscht hier oft Chaos“, gibt die Designerin zu. „Ein Leben ohne Stricken oder Häkeln kann ich mir nicht vorstellen. Ich hab auch im Auto immer was dabei, wenn ich im Stau stehe oder vor der Schule auf meine Tochter warte.“ Wie viel Zeit sie in die Herstellung investiert, rechnet Neumeier-Zoelch nicht nach. „Würde ich das tun, käme ich sicher nicht auf den Mindestlohn von 9,50 Euro.“

Bergsteiger-Bekleidung im Retro-Stil sowie Vintage-Mode für Damen kreiert Constanze Metzler aus Benediktbeuern. 

Viel Herzblut steckt auch in den Textilwaren von Constanze Metzler aus Benediktbeuern: Sie fertigt Berg-Bekleidung im Stil der 1920er- und 30er-Jahre und nennt ihr Label „1801“ – in Anspielung auf die 1801 Meter hohe Benediktenwand. Metzler stammt aus Rheinland-Pfalz und lebt seit fast 20 Jahren mit ihrer Familie hier. Die 53-Jährige ist Schneiderin und studierte Bekleidungstechnikerin – das heißt, sie beherrscht alles vom Design bis zur Herstellung. Ähnlich wie Neumeier-Zoelch, war auch sie früher international für ihre Branche unterwegs, und auch für Metzler ist „1801“ zurzeit mehr Hobby als Erwerbsgrundlage.

„Kleidung im Vintage-Stil habe ich schon als junge Frau geliebt“, sagt Metzler. Wenn sie von ihrer Leidenschaft, dem Schneidern, erzählt, sprudelt sie vor Energie. „Kreativ zu sein, ist mein Leben.“ Ihr Mann Jörg Capka gab 2014 den Anstoß, für Herren Bergsteiger-Bekleidung im Retro-Stil zu nähen. Statt Hosen und Jacken aus Synthetik wünschte er sich Sachen aus natürlichen Materialien und im Stil von „anno dazumal“. Metzler begann, Knickerbocker-Hosen aus Cord zu nähen, karierte Hemden und eine naturfarbene Jacke aus festem Baumwollstoff, geziert von Hirschhornknöpfen. Jüngstes Modell ist ein Skiblouson mit Kapuze. „Die in der Schweiz hergestellte, besondere Baumwolle ist winddicht und bis zu einem bestimmten Grad auch wasserdicht“, sagt Metzler. Zudem hat sie handgestrickte Mützen und Socken aus Schafschurwolle im Sortiment.

Vintage-Kleidung in Kürze in neuem Laden in Bad Tölz erhältlich

Die Bekleidungsstücke sind nach berühmten Bergsteigern benannt, etwa nach Anderl Heckmair (Erstdurchsteiger der Eiger-Nordwand) und Paul Preuß (Freikletterpionier). Um Schnittmuster zu entwickeln, durchforstete das Ehepaar dutzende Bücher aus dem Archiv des Deutschen Alpenvereins. „Die Sachen wurden damals nicht nur für die Berge getragen, sondern es war Arbeits- und Alltagskleidung“, sagt die Designerin. So würden es ihre Kunden auch heute sehen.

Mittlerweile gibt es auch eine Damen-Vintage-Linie, die jedoch modischer gehalten ist und sich nicht am Bergsport orientiert. „Die Linie möchte ich gerne ausbauen“, sagt Metzler. Noch läuft der Verkauf rein übers Internet, doch in Kürze gibt es die Waren auch im Laden „Stubenlocker“ in der Tölzer Hindenburgstraße. Metzler plant zudem, Retro-Arbeitskleidung für Hotellerie und Gastronomie zu fertigen. „Ich habe schon Interessenten.“

Weitere Infos: Der Textilmarkt findet am Wochenende täglich von 10 bis 18 Uhr im Maierhof in Benediktbeuern statt. Der Eintritt ist frei. Die beiden Designerinnen erreicht man auch über ihre Internetseiten www.tinja-design.de und www.18nulleins.de

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