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In den vier Studentenwohnheimen, getragen vom Kolpingswerk, gibt es insgesamt 50 Plätze. Für die rund 600 Studenten in Benediktbeuern ist das jedoch viel zu wenig. Sie sind auf Privatvermieter angewiesen. Doch deren Zahl sinkt. 

KSH in Benediktbeuern

Studenten-Zimmer verzweifelt gesucht

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Die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt ist zunehmend auch für die Studenten im Loisachtal ein großes Problem. Zimmer sind kaum noch zu bekommen, und wenn, dann häufig zu horrenden Preisen. Nicht selten sehen sich Studenten gezwungen, weite Strecken mit dem Auto zu pendeln.

Benediktbeuern Die Katholische Stiftungshochschule (KSH) mit Sitz in München und einem Campus in Benediktbeuern hat einen ausgezeichneten Ruf und liegt bei Rankings stets weit vorne. Doch wer in Benediktbeuern Soziale Arbeit studieren möchte und nicht aus der unmittelbaren Region kommt, hat ein großes Problem: Die Zimmersuche. Denn die Situation auf dem Immobilienmarkt macht auch den Studenten sehr zu schaffen.

In Benediktbeuern gibt es durchschnittlich 600 Studenten. Zu Semesterstart sind es jedes Mal rund 150 Neulinge, von denen ein Großteil auf Zimmersuche ist. Zwar gibt es vier Studentenwohnheime, die insgesamt 50 Plätze bieten. Diese reichten jedoch bei Weitem nicht aus, zumal es ja auch nicht in jedem Semester Fluktuation gebe, berichten Luise Klingebiel (24), Alexander Kapeindl (22) und Charlotte Jablowsky (22). Die drei Studenten engagieren sich in der Studentenvertretung, in der es auch den „Arbeitskreis Wohnsituation“ gibt. Den Studierenden ist es ein großes Anliegen, sich mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu wenden.

Für die Erstsemester sei die Situation am schwierigsten, „weil sie ja hier noch kein Netzwerk haben“, sagt Luise Klingebiel. „Vieles läuft über Mund-zu-Mund-Nachrichten.“ Sie stammt aus Thüringen, ist jetzt mit ihrem Studium fast fertig und erinnert sich noch gut daran, wie sie damals einen Monat lang bei einem anderen Studenten mit im Zimmer schlief. Alexander Kapeindl übernachtete in einem Wohnzimmer. Zwar gebe die Hochschule zu Beginn des Wintersemesters eine Liste mit Vermietern raus, „aber die Nachfrage ist riesig“, sagen die Studenten. Man tausche sich zudem in einer Facebook-Gruppe aus, wenn irgendwo ein Zimmer frei sei (Name: KSH Benediktbeuern; geschlossene Gruppe, Anm. d. Red.).

Zu zweit in einem Zimmer 

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation jedoch deutlich verschlechtert. „Allein seit ich hier bin, haben vier Wohngemeinschaften zugemacht“, sagt Alexander Kapeindl, der seit 2016 in Benediktbeuern studiert. Das seien insgesamt 18 Zimmer gewesen. „Oft wird wegen Eigenbedarf gekündigt. Oder die Häuser werden abgerissen und neu gebaut, aber natürlich nicht für Studenten.“ Auch jetzt wissen die drei schon von Wohngemeinschaften (WG) in Benediktbeuern und Bichl, die die Vermieter demnächst aufgeben werden.

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Die Zimmerpreise bewegen sich derzeit zwischen 250 und 450 Euro in einer WG, wobei alles über 400 Euro für ein Mini-Zimmer mit maximal zehn Quadratmetern „echt Wucher“ sei, sagen die drei. Ihrer Erfahrung nach ist ohnehin „alles, was größer ist als 15 Quadratmeter, ein Glücksgriff“. Viele Studenten seien auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Den Bafög-Höchstsatz von derzeit 750 Euro bekomme man nämlich nur, „wenn beide Eltern arbeitslos sind und wenn man nur jüngere Geschwister hat“, sagt Alexander Kapeindl.

Studenten pendeln bis aus Rosenheim und Augsburg

Die Situation führe dazu, dass immer mehr Studenten pendeln oder sich gleich gegen Benediktbeuern entscheiden, berichten die drei. Von Bad Heilbrunn oder Kochel könne man noch radeln, bei Dauerregen oder bei viel Schnee im Winter brauche man aber ein Auto beziehungsweise die Bahn. Apropos Bahn: Die Studenten kritisieren auch, dass es – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – in Bayern kein Semesterticket für Studenten gibt. Deshalb sei es nicht attraktiv, ein Zimmer entlang der Bahnline im Loisachtal zu nehmen. Als Student könnte man sich zwar eine Schülermonatskarte kaufen, aber diese koste zum Beispiel zwischen Benediktbeuern und Tutzing 111 Euro. „In Thüringen zahlt man für ein ganzes Semester nur 230 Euro“, sagt Luise Klingebiel, die von ihren Freunden dort weiß, dass man mit diesem Ticket auch generell mehr die Bahn nutze. Eine gute Alternative wäre für die Studenten in Benediktbeuern das MVV-Semesterticket. „Aber selbst das ist ja hier nicht möglich.“

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Mittlerweile gibt es viele Studenten, die recht weite Strecken nach Benediktbeuern pendeln, etwa aus den Bereichen Augsburg oder Rosenheim. „Viele sind ein bis zwei Stunden unterwegs“, wissen die drei Engagierten. Ideal sei das nicht: „Es ist anstrengend, nicht umweltfreundlich und kostet auch einiges“, sagt Charlotte Jablowsky. Denn nicht immer sei es möglich, sich die Vorlesungen und Seminare so zu legen, dass man nur ein, zwei Tage in der Woche fahren müsse. Und wenn, dann seien diese Tage vollgepackt „und voll der Stress“. „Es gibt auch Vorlesungen, die beginnen erst um 19 Uhr.“ Zudem sei es als Pendler nicht leicht, wenn man sich mit Kommilitonen zu Gruppen- und Projekt-Arbeiten treffen müsse.

„Wohnen für Hilfe“ eine mögliche Alternative

Trotz der angespannten Situation kennen die drei jungen Erwachsenen auch Vermieter, die seit Jahren Zimmer zur Verfügung stellen und zu denen die Studenten ein sehr gutes Verhältnis haben. „Da gibt es super Leute“, sagt Luise Klingebiel. „Solche Zimmer sind natürlich sehr begehrt.“ Warum sich andere scheuten, an Studierende zu vermieten, erklären sich die drei mit Unsicherheit und Vorurteilen. „Viele denken, wir machen nur Partys und sind dauernd laut.“ Andere wiederum wüssten nicht, was Studenten bräuchten. „Ideal ist ein Zimmer mit 15 Quadratmetern, Heizung sowie Zugang zu Küche und Bad für 300 Euro“, sagt Alexander Kapeindl.

Und was ist mit der Alternative „Wohnen für Hilfe“, sprich man zieht bei einer älteren Person ein und unterstützt diese im Alltag? Die Studenten sträuben sich nicht dagegen. „Es muss halt menschlich passen und klar geregelt werden, was erwartet wird“, sagt Luise Klingebiel.

Vermieter, die Zimmer zur Verfügung stellen können oder generelle Fragen haben, können sich jederzeit mit der Hochschule in Verbindung setzen: Telefon 0 88 57/88-503. Die Studenten kann man per E-Mail erreichen: asta.bb@ksh-m.de

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