Die Mythologie der Shona ist in den Arbeiten der Bildhauer sehr präsent.

Künstler aus Simbabwe stellen im Kloster Benediktbeuern aus

Den Steinen eine Seele geben

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Benediktbeuern –  Afrikanische Kunst ist im Südlandkreis selten zu sehen. Doch im Juni gibt es reichlich davon im Kloster Benediktbeuern. Dann nämlich zeigen Bildhauer aus Simbabwe ihre Arbeiten aus Stein.

Fünf Millimeter. So dünn wird manchmal der Stein, wenn er zwischen den Händen von Itai Nyama liegt. Der Stein ist dann so zerbrechlich wie Papier. Ein falscher Ansatz des Meißels, und alles ist kaputt. „Itai Nyama hat ein fantastisches Gefühl für Gestein“, sagt Kuratorin und Organisatorin Kristin Diehl. „Wer so filigran arbeitet, muss sich enorm konzentrieren, muss mit sich im Reinen und innerlich ausgeglichen sein“, sagt Diehl. Ein so dünner Stein vermittle den Eindruck, dass die Schwerkraft aufgehoben sei. „Vor allem denkt der Besucher dann nicht mehr an Stein, sondern an Metall oder Papier.“

Ein Kunstwerk aus Simbabwe.

Die pensionierte Kunstlehrerin kam über ein Schulprojekt an ihrer ehemaligen Schule im Münsterland in Kontakt mit Bildhauern in Simbabwe. Mittlerweile lebt Diehl in München und widmet sich ganz den afrikanischen Künstlern, um ihnen in Deutschland eine Stimme zu geben. „Die jungen Künstler sind dem ökonomischen Druck nicht immer gewachsen“, sagt Diehl. 2002 hat sie unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft in Harare einen Kunstpreis für junge talentierte Künstler gestiftet, der alle zwei Jahre unter Leitung einer Jury vergeben wird. Auf diese Weise vermittelt Diehl den Preisträgern später Ausstellungsmöglichkeiten.

Itai Nyama hat den Wettbewerb 2010 gewonnen. Im Kreuzgang des Klosters werden vom 4. bis 26. Juni einige Arbeiten von ihm sowie von weiteren Künstlern aus Simbabwe ausgestellt – insgesamt rund 50 Objekte. Sie stehen alle zum Verkauf, denn es ist Diehl ein großes Anliegen, den afrikanischen Künstlern Verdienstmöglichkeiten in Europa zu geben.

Die ausgestellten Objekte sind ganz unterschiedlicher Art. Diehl hat zum einen alte, der sogenannten Shona-Tradition entsprungene Skulpturen, als auch neue Werke im Gepäck. Generell, sagt Diehl, sei die Thematik aber traditionell. „Zeitgenössische oder politische Bezüge sind selten.“ Die Künstler seien tief im Glauben verwurzelt und von der Beseeltheit der Natur überzeugt. „In einigen Werken manifestieren sich mündlich überlieferte Mythen der Shona und beschreiben zum Beispiel, welchen Einfluss die Ahnengeister auf das Dasein der Lebenden nehmen können.“ Bei den jüngeren Künstlern gehe die Entwicklung aber durchaus zur Abstraktion.

Das Material für ihre Arbeiten finden die Bildhauer Simbabwes in Steinbrüchen vor Ort. Dort findet man Serpentinit, Verdit, Marmor und Granit. Die Auswahl des Felsblocks ist ein langer Prozess. „Meistens haben die Künstler einen großen Respekt vor dem rohen und unbearbeiteten Material.“ In der Mythologie der Shona ist laut Diehl auch der Stein beseelt – und es gelte, die Skulptur, die bereits in ihm wohne, freizulegen.

Weitere Infos

Die Ausstellung ist von 4. bis 26. Juni im Kreuzgang des Klosters Benediktbeuern zu sehen, und zwar täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Künstler Itai Nyama ist derzeit in Bayern und wird voraussichtlich jeden Mittwoch sowie am Wochenende für Fragen zur Verfügung stehen. Organisatorin Kristin Diehl ist per E-Mail an diehl@conartz.de erreichbar (www.conartz.de.)

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