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Die Dirigentin singt mit: Andrea Fessmann (vo., 2. v. li.) mit den Solisten beim Mozart-Requiem in der Basilika. 

In der Benediktbeurer Basilika

Lassus-Chor führt Mozarts Requiem auf: Dirigentin muss als Sängerin einspringen

Ganz hervorragend war die Aufführung von Mozarts Requiem jetzt in der Basilika in Benediktbeuern. Auch wenn die Mitwirkenden von einem Problem überrumpelt wurden.

Benediktbeuern Solch eine Ansage erlebt der Konzertbesucher auch nicht alle Tage: „Leider ist unsere Altistin erkrankt. Ich singe selbst“, wendet sich die Dirigentin vor Konzertbeginn an das Publikum in der voll besetzten Basilika. Wer jetzt erschreckt, kennt Andrea Fessmann nicht. Wer sie kennt, weiß indes, dass beides, Dirigat wie Alt-Partie, bei ihr in den besten Händen ist. Und so wirkt es total organisch, wenn sie sich im Verlaufe von Mozarts Requiem immer wieder von Chor und Orchester abwendet und ins Solistenensemble einfügt. Das ist so überzeugend, dass Fessmann fortan den Alt immer gleich selbst übernehmen sollte.

Genauso überzeugend wie die Solistenfrage hat sie die nach dem ergänzenden Werk gelöst, denn das Requiem alleine ist ein wenig kurz. Mitunter entstehen im Bemühen, ein abendfüllendes Programm zusammenzustellen, absurde Kombinationen. Das Publikum in der Basilika erlebt dagegen, wie es stimmig aussehen kann. Fessmann beginnt mit „Dona nobis pacem“ des zeitgenössischen Komponisten Peteris Vasks. Der 1946 geborene Lette wirkte zunächst als Kontrabassist, ehe er sich der Komposition zuwandte. Sein „Dona nobis pacem“ beginnt mit einer verhaltenen, fast düsteren Orchestereinleitung. Zaghaft erhebt sich darüber der Chorgesang – eine vorsichtig formulierte Friedensbitte, deren Erfüllung ungewiss ist. Doch allmählich gewinnt die Zuversicht die Oberhand; emphatisch vereint schwingen sich Chor und Orchester zu einer Bitte auf, der sich der liebe Gott nicht verschließen kann. Das Ende führt zurück in die tiefen Regionen und ins Pianissimo, wirkt nun aber nicht mehr zweifelnd, sondern wie eine beruhigt gemurmelte Bestätigung.

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Zu Mozarts Requiem gesellen sich nun die Solisten Judith Spiesser, Martin Petzold und Thomas Stimmel zum Münchner Lassus-Chor und dem Barockorchester La Banda, das vom Lassus-Bläserensemble verstärkt wird. Denn bekanntlich ist Mozart kein Barockkomponist, sondern zählt zur (Ersten) Wiener Klassik, die im Bläserapparat anders bestückt ist als die Alte Musik. Dunkel, geheimnisvoll hebt der Introitus im Orchester an; mit kraftvoller Entschiedenheit setzt der Chor ein („Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“), was unmittelbar Halt gibt und Trost spendet. Geradezu furios fegt das „Dies irae“ („Tag des Zorns“) über die Zuhörer hinweg; die differenzierte Ausgestaltung und Artikulation leiden darunter indessen nicht. Voll und rund lässt der Bass im „Tuba mirum“ die Posaune ertönen; ein strahlender Tenor, ein hell leuchtender Sopran und der warme Alt Fessmanns fügen sich bestens ein. Das „Rex tremendae“ wird zur gewaltigen Anrufung; anrührend zart löst sich daraus das „Salve me“ („errette mich“). Im „Recordare“ mit seinem wunderbaren, sacht fließenden Tempo glänzt erneut das Solistenquartett. Ergreifende Kontraste bringt das „Confutatis“ im gegenüber gestellten „Voca me“. Innig erfüllt zeigt sich das „Lacrimosa“. Zum Himmel auffahrend, geradezu berstend vor Freude und Glaubensgewissheit folgt „Domine Jesu Christe“. Weich fließend, mit schönem, ruhigen Puls schließt Fessmann das „Hostias“ an. Geradezu majestätische Erhabenheit strahlt das „Sanctus“ aus. Das „Benedictus“ eröffnet nochmals die singende Dirigentin, um sich zum abschließenden „Osanna in excelsis“ in einer fließenden Bewegung elegant zurück zum Chor zu wenden.

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Wunderbar erhebt sich schließlich das ewige Licht („Lux aeterna“) als ätherisch-schwebendes Sopransolo aus dem „Agnus Dei“. In ruhiger, sicherer Zuversicht kann der Chor schließen. Ein bewegender Schluss, der ins Glockengeläut übergeht.

Was nicht nur ein stimmungsvoller Ausklang ist, sondern auch die übereifrigen Beifallspender, die nur zeigen, dass sie sich nicht vom Geist des Werkes haben erfüllen lassen, ausbremst. Der verdiente Dank für die wunderbare Aufführung wirkt nach dem kurzen Innehalten umso herzlicher. (Sabine Näher)

Archivare und Hobby-Forscher wollen sich besser vernetzen

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