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Kopf-an-Kopf-Duell im deutschen Nationalteam: Toni Lautenbacher (li.) musste sich Anton Palzer beim Vertical-Rennen um fünf Sekunden geschlagen geben. 

Benediktbeurer bei Skibergsteigen-WM

Toni Lautenbacher schwankt zwischen Jubel und Enttäuschung bei WM - hier erklärt er sein Auf und Ab

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Toni Lautenbacher aus Benediktbeuern verdankt es seiner Langlauf-Vergangenheit, dass er bei der Weltmeisterschaft im Skibergsteigen doch noch jubeln kann. So erklärt er sein Abschneiden.

Villars-sur-Ollon/Benediktbeuern – Seine Skatingtechnik rettete ihm eine versöhnliche Weltmeisterschaft. Toni Lautenbacher setzte beim WM-Vertical-Rennen im Schweizer Villars-sur-Ollon mit Rang sechs ein Ausrufezeichen. „Das fühlt sich an wie eine Medaille“, sagt der Benediktbeurer Ski-Bergsteiger und Bergläufer, der eigentlich vom nordischen Skisport kommt. Diese Vergangenheit sorgte dafür, dass der 28-Jährige auf der relativ flachen Strecke im Skatingschritt vorausmarschierte, eine Zeit lang in Führung lag und am Ende eine Top-Platzierung holte, die ihn selbst überrascht hatte.

Dem Erfolg ging allerdings eine Enttäuschung voraus. Musste er doch das Individual-Rennen über 1600 Höhenmeter tags zuvor erschöpft abbrechen. Und auch der 18. Platz im Sprint zum Auftakt stellte Lautenbacher nicht wirklich zufrieden.

Zwar erlebte der Benediktbeurer eine wechselhafte Saison, in der ihm gesundheitliche Probleme um den Jahreswechsel in seinen Erwartungen zurückwarfen. Doch pünktlich zum Saisonhöhepunkt war er wieder hergestellt, wollte „eine gute Leistung bringen“, und vielleicht an die Medaillen hinschnuppern. Im Sprint war er gut dabei, „aber auf der kurzen Strecke kann viel passieren, da entscheidet jede Sekunde“. Bei ihm war es ein Fehler beim Wechseln, der ihn eine bessere Platzierung kostete. In 3:14 Minuten landete Lautenbacher auf Rang 18.

Lautenbacher bei WM-Vertical in Villars: Erst gibt er auf, dann dreht er auf

Schlimmer erwischte es ihn beim nächsten WM-Auftritt, dem Individual-Rennen. „Ich hatte an diesem Tag keine Kraft, keinen Druck in den Beinen.“ Er hätte es wohl schon ins Ziel nach 1600 Höhenmetern auf- und abwärts geschafft. Aber nur weit hinten im Feld. Das wollte er nicht. Und um sich für das nächste Rennen zu schonen, traf er schweren Herzens eine harte Entscheidung: Lautenbacher stieg nach etwa 30 Minuten aus. „Ich war in dem Moment schon enttäuscht, schließlich war es die Weltmeisterschaft, da ist es nicht einfach, ein Rennen zu beenden“, sagt der Benediktbeurer. „Aber ich wollte mich auf das nächste Rennen fokussieren.“

Und die Abwägung zahlte sich aus: Beim Vertical-Rennen fühlte sich der 28-Jährige wieder frisch. Zudem kam ihm die Strecke mit 470 Höhenmetern auf 5 Kilometern entgegen. „Flach liegt mir. Ich hab’ mich richtig drauf gefreut.“ Voll motiviert zog Lautenbacher00 am Start weg – im Skatingschritt mit Tourenskiern. „Das war die richtige Wahl, ich war schneller als die meisten anderen.“ Ein paar Konkurrenten versuchten, es ihm gleichzutun. „Aber die meisten haben es nicht gut hinbekommen, das muss man beherrschen.“

Ihm selbst war die Technik aus seiner Langlauf-Vergangenheit noch geläufig. Als er den Favoriten plötzlich teilweise vorauslief, habe das Rennen eine Eigendynamik entwickelt. „Ich hab’ gemerkt: Da könnte was gehen.“ Er führte das Feld an, nach acht Minuten Skating musste er im etwas steileren Gelände auf den Diagonalschritt umstellen und einige Konkurrenten ziehen lassen. „Ich hab’ alles gegeben, aber mehr ging nicht, ich konnte von der Kraft her nicht mehr zulegen.“

Lautenbacher bei WM-Vertical in Villars: Im Skatingschritt auf Platz sechs

Trotzdem lieferte er sich noch ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem deutschen Team-Kollegen Toni Palzer, das er schließlich um fünf Sekunden verlor. Auf die Medaillen fehlten ihm 25 Sekunden. Trotzdem fuhr er mit einer Zeit von 26:31 Minuten als Sechster sein bestes WM-Ergebnis ein – bei der vorherigen Weltmeisterschaft wurde er Siebter ebenfalls im Vertical. „Da hab’ ich mich schon riesig gefreut, Sechster unter den weltbesten Athleten, das war bärig.“

Für den Lenggrieser Thomas Kletzenbauer war es in Villars eine gelungene Premiere: Der 19-Jährige startete in der Junioren-Klasse, wurde im Sprint in 3:35 Minuten 17., beim Individual-Rennen (1:44:37 Stunden) 19. genau wie im Vertical-Race (32:16 Minuten).

Mehr zu Toni Lautenbacher lesen Sie nur bei uns: Toni Lautenbacher kann zum Beispiel auch anders. Im Sommer überzeugte Lautenbacher in einer ganz anderen Disziplin. Übrigens ist Toni Lautenbacher nicht nur leidenschaftlicher Skibergsteiger, auch die artgerechte Hühnerhaltung liegt ihm am Herzen. Jetzt hat er einen mobilen Hühnerstall und vertreibt die dort gelegten Eier in Eigenregie.

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