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Signierstunde mit Oliver Pötzsch: Nach der Lesung stehen Zuhörer Schlange um ein Autogramm des Autors.

Lesung von Oliver Pötzsch im Barocksaal

Ein Abend mit Henkern und Giftkräutern

Bestseller-Autor Oliver Pötzsch begeisterte nun zahlreiche Besucher mit einer Lesung im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern.

Benediktbeuern Pater Lothar Bily, der Direktor des Klosters Benediktbeuern, freute sich sehr, am Freitagabend im Barocksaal zahlreiche Besucher zu einer Lesung mit dem Schriftsteller Oliver Pötzsch begrüßen zu können. Er selbst habe bislang noch kein Buch des Autors gelesen. Aber in Zeiten, in denen Verschwörungstheorien die seltsamsten Blüten trieben, habe er sich dessen Werk „Die Ludwig Verschwörung“ vorgenommen. An diesem Abend stand allerdings anderes auf dem Programm: Auf dem Lesetisch lag ein Totenschädel, daneben ein Schwert. Es ging um eine Mordserie im München des 17. Jahrhunderts.

Oliver Pötzsch, der – bestens gelaunt – sich selbst und sein neues Buch vorstellte, war in eine Familie hineingeboren, die jahrhundertelang gesellschaftlich abgelehnt worden war: Seine Vorfahren waren die Henker von Schongau. Ein Beruf, der nicht viel her machte, aber, besonders in früheren Zeiten, gebraucht wurde. Pötzsch, der zunächst als Journalist beim Bayerischen Fernsehen gearbeitet hatte, konnte wohl nichts Besseres passieren, denn in der eigenen Familiengeschichte fand er die Figuren für seine historischen Krimis. „Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf“ heißt das siebte Buch der Reihe, die auch international sehr erfolgreich ist. In den USA sei er so etwas wie ein Star, aber zuhause in München müsse er noch immer den Müll raustragen, verriet Pötzsch mit Selbstironie. Und wer denkt, wir leben heute in einer unglaublichen Zeit, der wird in Pötzschs Büchern schnell merken, dass auch das 17. Jahrhundert, in dem die Geschichten angesiedelt sind, voll von erstaunlichen Ereignissen war. Ein Maskenfest im Park von Schloss Nymphenburg zum Beispiel ist für die Protagonisten des Buches wie der Blick in eine fremde Welt. Auch der üppig verzierte Barocksaal des Klosters sei etwa in dieser Zeit gebaut worden, so Pötzsch. Deshalb freue er sich besonders, in Benediktbeuern zu lesen. Sogar das Benediktbeurer Bier schmecke ihm, erzählte er – ohne allerdings zu verraten wo ihm solches serviert worden war.

Oliver Pötzsch zeigte sich als guter Interpret seiner Texte. Wenn er liest, gelingt es ihm, ein vielstimmiges Bild der Vergangenheit hörbar zu machen, und er schlüpft mit unterschiedlichen Stimmen und Sprechweisen in die Rollen. Allerdings hat er gerade mal so viel vorgelesen, dass es ausreichte, die Zuhörer neugierig zu machen. „Wenn Sie mehr wissen wollen, müssen sie das Buch lesen“, hieß es mehrfach. Dabei führte er sein Publikum in einen verruchten Münchener Vorort, in die Au, zum Treffen der Zunft der Henker, mit ihren speziellen Ritualen oder eben in den Schlosspark. Darüber hinaus zeigte Pötzsch sich als begeisterter Plauderer und geistvoller Entertainer. Unter anderem ließ er ein paar Geheimnisse des Schreibens durchblicken. „Die besten Geschichten schreibt die Geschichte“ meint er. Auf seinen Recherchen stoße er immer wieder auf fantastische Einzelheiten, von denen manche so skurril seien, dass er sie für seine Romane gar nicht verwenden kann. Das würde man ihm nicht abnehmen.

Nebenbei erklärte er ein paar Dinge zum Berufsstand der Henker und zur Verwendung einiger Gifte, die in seinen Büchern einer Rolle spielen und von denen manche durchaus im eigenen Garten wachsen können. Er selbst habe allerdings davon abgesehen, eine Tollkirsche bei sich zuhause anzupflanzen.(Heribert Riesenhuber)

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