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Lebhafte Diskussionen: Franziska Waldherr (li., Gemeinderätin in Bichl), stellte sich den Fragen von (ab 2. li.) Sabine Grasberger, Marlies Berger und Jutta Zimmer.

Kommunalwahl 2020

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik: Speed-Dating mit Loisachtaler Gemeinderätinnen

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Wie schafft man es, dass sich mehr Frauen für den Gemeinderat kandidieren? Mit einer neuen Herangehensweise versucht die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Benediktbeuern-Bichl, Frauen ins Boot zu holen.

Benediktbeuern/Bichl –  Erstmals stellten sich am Freitag am späten Nachmittag erfahrene Gemeinderätinnen aus der VG den Fragen von Frauen. Aufgeteilt in kleine Gesprächsrunden, konnten die Interessierten die Kommunalpolitikerinnen löchern.

Der Gesprächsbedarf bei diesem „Speed-Dating“, initiiert von Rudi Mühlhans (Gemeinderat in Benediktbeuern), war ziemlich groß – so groß, dass die eineinhalb Stunden letztlich viel zu kurz waren und beschlossen wurde, diese Informationsrunde erneut anzubieten, und zwar auf Loisachtal-Ebene mit noch mehr Kommunen.

Arbeit als Gemeinderätin macht auch Spaß

Zu der Veranstaltung ins Benediktbeurer Rathaus waren gut zehn Frauen aus ganz verschiedenen Altersgruppen sowie mit unterschiedlichen Lebensläufen gekommen: sowohl Einheimische und neu Hinzugezogene als auch Frauen, die schon länger im Dorf leben, aber bislang wenig oder nur in bestimmten Kreisen vernetzt sind, etwa im Elternbeirat. Den Fragen stellten sich Margarete Steffens (Dritte Bürgermeisterin von Benediktbeuern), Dorothea Bugl (Gemeinderätin Benediktbeuern), Franziska Waldherr (Gemeinderätin Bichl) sowie Ingrid Hauptmann (ehemalige Benediktbeurer Rätin) und Sophie Meier (ehemalige Dritte Bürgermeisterin von Benediktbeuern und Kreisrätin).

Die Fragen drehten sich vor allem um Zeitaufwand, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie um das notwendige Fachwissen. „Das Wissen eignet man sich an. Hier hilft es, wenn man in einer guten Fraktion ist, die viel kommuniziert“, berichtete Dorothea Bugl. Die 40 Jahre alte Mutter von drei Kindern (8, 10 und 12 Jahre alt) rückte im Mai 2018 in den Benediktbeurer Gemeinderat nach, sitzt im Bauausschuss und wird 2020 wieder kandidieren. „Mir macht es Spaß“, sagte Bugl. Die Kinderbetreuung teilt sie sich mit ihrem Mann auf. Als Frau und Mutter, sagt Bugl lächelnd, „koordiniert man sowieso permanent Termine“. Die Lebenserfahrung von Frauen sei für kommunalpolitische Arbeit wichtig, sagt Bugl: „Man ist daheim Lehrerin für die Kinder, Krankenschwester, Buchhalterin und geht meistens auch noch dem eigenen Beruf nach“, sagte die gebürtige Allgäuerin. Diese Aspekte und Erfahrungen in die Entwicklung eines Dorfes einzubringen, sei wichtig und schön.

Sophie Meier leistete einst Pionierarbeit

„Frauen haben oft die Sorge, sie müssten besser sein als Männer, um auf politischer Ebene mitreden zu können“, sagte Sophie Meier. Die 66-Jährige, von 1990 bis 2014 kommunalpolitisch aktiv, leistete noch Pionierarbeit und musste sich unter anderem als einzige SPDlerin in Diskussionen behaupten. Sie rät Frauen, sich auf ein Thema zu fokussieren und hier das Wissen zu vertiefen. „Dann kann man sich auch leichter durchsetzen.“

Wie baut man sich ein entsprechendes Netzwerk auf? „Es werden doch eh’ nur die gewählt, die im Dorf überall präsent sind“, sagte eine Besucherin. Darüber wurde lange diskutiert, ebenso über die Frage, wie es ankommt, wenn man plötzlich politische Ambitionen zeigt. „Die Leute sind so politikverdrossen. Wenn es im Dorf gut läuft, hat niemand Interesse am Gemeinderat“, sagte eine junge Frau. Sie fand es zudem schwierig, sich in jungen Jahren gleich für sechs Jahre für ein Amt zu verpflichten. „Aber es ist andererseits sinnvoll, damit man in einer Wahlperiode auch was bewirken kann.“

Wie kann man Sitzungen für Zuhörer attraktiver machen?

Diskutiert wurde auch darüber, wie man Sitzungen für Zuhörer attraktiver machen könnte, und darüber, dass es oft noch gesellschaftliche Vorbehalte gibt, wenn sehr junge Kandidaten Interesse an Gemeinderatsarbeit bekunden.

Nach lebhaften Gesprächsrunden zogen alle Teilnehmerinnen ein sehr positives Fazit: „So etwas sollte es öfter geben“, sagte Franziska Waldherr aus Bichl.

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Alle Infos zur Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

Auch im Landratsamt gab es schon ein das etwas andere Speed-Dating: Frauen motivieren Frauen zur Politik

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