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Schlüsselübergabe vor fast zwei Jahren: Damals überreichte Erich Zimmermann vom Verein „Ökomobil Pfaffenwinkel“ an Ute Pappenberger, die 2014 die Idee zum Carsharing erstmals in der Bürgerversammlung vortrug. Inzwischen macht auch die Gemeinde mit, hier vertreten durch Bürgermeister Hans Kiefersauer (re.).

Mehr Mobilität für Rollstuhlfahrer

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Das Projekt „Carsharing“ nimmt in Benediktbeuern nur langsam Fahrt auf: 24 Nutzer zählt der „Verein Ökomobil Pfaffenwinkel“, der das Modell vor zwei Jahren hier ins Leben rief. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises hat eine Idee, wie es schon bald sehr viel mehr Nutzer sein könnten.

Benediktbeuern – Menschen im Rollstuhl kostet es viel Zeit, Geld und Anstrengung, wenn sie zum Beispiel zum Arzt fahren wollen. Immer häufiger treten Betroffene deshalb an Ralph Seifert heran. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises sagt: „Da gibt es eine riesige Lücke.“

Ihm zufolge fahren geeignete Busse des ÖPNV meist nur auf gewissen Strecken zu gewissen Zeiten. Selbst Hilfsorganisationen wie die Johanniter und das Rote Kreuz klagen laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks über zu wenig Wagen für den Krankentransport, hat Seifert vor Kurzem im Radio gehört. Er recherchierte weiter und fand heraus: Im Umkreis von 50 Kilometern gibt es gerade einmal zwei Taxi-Unternehmen, die Rollstuhlfahrer transportieren können. Dabei steige der Bedarf immer weiter, neue Wege seien gefragt. „Das Carsharing bietet sich da an“, dachte sich Seifert und wandte sich an Erich Zimmermann, Vorsitzender des Vereins „Ökomobil Pfaffenwinkel“. Seiferts Idee: Ein drittes Auto, wie einen VW Caddy, umgerüstet für den Transport eines Rollstuhls. Das sei gar nicht so aufwendig: Man brauche lediglich eine Rampe und Schienen, an denen der Rollstuhl im Innenraum fixiert werden könnte. In Peißenberg gebe es eine Firma, die sich darauf spezialisiert habe. „Für die Finanzierung finden wir bestimmt Möglichkeiten“, betont Seifert mit Blick auf Stiftungen. Außerdem würden nicht nur Menschen mit Handicap von so einem geräumigen Fahrzeug profitieren: Man könne es beispielsweise auch für den Transport von Möbeln verwenden. „Man würde mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Bislang ist allerdings kein drittes Auto für das Projekt Carsharing in Benediktbeuern geplant, sagt Zimmermann vom Trägerverein. Für die 24 Nutzer aus Benediktbeuern, Bichl und Kochel reichen die beiden vorhandenen Autos, ein Skoda Fabia und ein Fiat Panda. Mit dieser Bilanz nach zwei Jahren ist Zimmermann zufrieden, der Verein arbeitet inzwischen kostendeckend. „Mehr könnten es aber natürlich immer sein.“ Auch deshalb zieht er Seiferts Vorschlag in Erwägung. Er will sich informieren, ob das Seniorenheim in Benediktbeuern Interesse an dieser Art des Transports hätte. Außerdem klärt er ab, was die Nachrüstung eines Autos kosten würde.

Prinzipiell zeigt sich der Verein offen für neue Wege. Inzwischen verleiht er seine Autos zum Beispiel nicht nur an Mitglieder. Auch Touristen haben die Möglichkeit, sich für die Dauer ihres Aufenthalts günstig ein Fahrzeug zu mieten. Gäste, die mit dem Zug anreisen und während ihres Aufenthalts die Region erkunden wollen, zahlen eine Kaution von 350 Euro sowie eine Bereitsstellungsgebühr von elf Euro pro Monat. Ansonsten müssen die Touristen pro gefahrenem Kilometer zwischen 25 und 33 Cent zahlen – je nach der Klasse des Autos.

Seifert hofft, dass auch Menschen mit Behinderung oder Altersschwäche bald in den Genuss von mehr Mobilität in der Region kommen. „Ich bleibe auf jeden Fall an dem Thema dran.“

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