Barocke Anlage mit großer Strahlkraft: Eine Luftaufnahme des Klosters Benediktbeuern. Vorne der Südarkadentrakt der in den kommenden drei Jahren umfassend saniert und umgebaut wird. 
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Barocke Anlage mit großer Strahlkraft: Eine Luftaufnahme des Klosters Benediktbeuern. Vorne der Südarkadentrakt der in den kommenden drei Jahren umfassend saniert und umgebaut wird. 

Nach Millionenzuschuss

Das Kloster Benediktbeuern wird zur Großbaustelle

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Aufatmen im Kloster Benediktbeuern. Mit der Millionenzusage aus dem Fördertopf des Bundes kann ein Mammut-Vorhaben finanziert werden: Die Sanierung und Umgestaltung des Südarkadentrakts. Dort wird sich in den kommenden drei Jahren jede Menge tun.

Benediktbeuern – Für Knut Prill wird das „unsere bisher größte Baumaßnahme“. Seit weit über 20 Jahren betreut er zusammen mit seinem Kollegen Thomas Baldauf das Kloster Benediktbeuern. Das in Schongau ansässige Architekturbüro hat bereits viel geleistet und noch viel mehr vor, wie Prill beim Pressegespräch am Montag erläuterte (wir haben berichtet).

Dabei machte er deutlich, warum diese Baumaßnahme so teuer ist. „Am Südarkadentrakt gibt es große Setzungsprobleme an den Fundamenten“, so Prill. Die Nord- und Mittelwand habe sich um bis zu zehn Zentimeter gesenkt. „Das ist, wie wenn bei einem Kartenhaus eine der untersten Karten wackelt – dann kann alles einstürzen.“ So weit dürfe es bei der barocken Anlage nicht kommen. Dass es allerdings höchste Zeit ist, belegte Prill mit Bildern, auf denen sowohl die Bodenpressungen als auch von Fäulnis geschädigte Deckenbalkenköpfe zu erkennen sind.

Höchste Zeit für Baumaßnahmen 

Im ersten Bauabschnitt geht es deshalb vorrangig um die statische Ertüchtigung. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. An der Südseite müssen der Kanal und der Zulauf zur Wasserturbine verlegt werden. „Wir müssen Platz schaffen, damit wir das Untergeschoss mit Maschinen anfahren können“, sagte Prill. Dann könne mit der sogenannten Mikrobohrpfeilgründung begonnen werden. Damit sichere man die alten Fundamente. Dann werde der Keller entkernt. Anschließend geht es in den darüberliegenden Geschossen weiter. „Da bleibt keine Steinplatte an ihrem Platz.“ Die Handwerker müssen die Holzbalken-Konstruktion ausbessern. Zur Verstärkung werden später Mehrschichtplatten eingezogen und die Wände und Decken verspannt.

Lesen Sie auch: Kloster Benediktbeuern steht vor seinem größtem Umbruch 

Damit beginnt bereits der zweite Bauabschnitt, der nun durch den 7,6-Millionen-Zuschuss aus dem Städtebau-Fördertopf gesichert ist. Der Südteil des Klosters wird zu einem zukunftsträchtigen „Gäste- und Versorgungstrakt“, sagte Kloster-Verwaltungsleiter Hilmar Gries beim Pressegespräch. Damit erfolge eine „Wiederbelebung der historisch und bauzeitlichen Bestimmung“. Der Fürstentrakt beherbergte früher die hohen Gäste des Klosters. Nun will man ihn für Veranstaltungen und Tagungen zukunftsfähig machen. Herzstück wird eine zentrale Küche, die die gastronomische Versorgung aller Gästegruppen des Klosters und auch der Salesianer Don Boscos übernimmt. Sie kann täglich bis zu 900 Mahlzeiten ausgeben. Mit Inbetriebnahme der neuen Zentralküche werden die bislang eigenständigen drei Küchen im Aktionszentrum, in der Jugendherberge und im Kloster selbst aufgegeben.

7,6-Millionen-Zuschuss aus dem Städtebau-Fördertopf gesichert

Aus dem früheren Kurfürstensaal, in dem bis Jahresanfang die Hauskapelle des Ordens untergebracht war, wird ein multifunktionaler Veranstaltungsraum – für Seminare, Konzerte und auch Hochzeiten. „Das sind enorme Tagungskapazitäten, die das Kloster bislang nicht anbieten konnte“, sagte Architekt Prill. Mit der Vermietung der Räume sollen die laufenden Kosten der Ordensgemeinschaft teilweise aufgefangen werden.

Auch interessant: Interview: So sieht der oberste Salesianer Deutschlands die Zukunft des Klosters Benediktbeuern

Das Kloster Benediktbeuern steht vor seinem größten Umbruch, seit es die Salesianer Don Boscos vor 90 Jahren übernommen haben. Das hatte Direktor Lothar Bily bereits beim Don-Bosco-Fest Ende Januar dieses Jahres deutlich gemacht. Aber nur mit diesem Kraftakt könne es bleiben, was es ist: „Ein Kloster voller Leben und mit einem jungen Herzen: ein Kloster für die Jugend.“

„Tut, was ihr könnt – und Gott wird das Seine tun.“

Das Kloster habe eine Reihe von guten Partnern, auf die es sich verlassen könne, sagte Provinz-Ökonom Pater Stefan Stöhr nach der symbolischen Übergabe des Bewilligungsbescheids. Faust an Faust, statt Hand in Hand dankte er dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan für dessen Einsatz. Dabei zitierte Pater Stöhr den Ordensgründer Johannes Bosco. Als Mann der Tat habe er seine Schüler immer wieder aufgefordert: „Tut, was ihr könnt – und Gott wird das Seine tun.“

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