100 Grundschüler sind für die Mittagsbetreuung angemeldet, Tendenz stark steigend.
+
100 Grundschüler sind für die Mittagsbetreuung angemeldet, Tendenz stark steigend.

Neuer Träger gesucht

Grundschule Benediktbeuern: Förderverein kann Mittagsbetreuung nicht mehr stemmen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
    schließen

Die Mittagsbetreuung für Grundschüler an der Schule in Benediktbeuern soll ab September von einem neuen Träger geführt werden. Schulverband und Förderkreis suchen derzeit nach dem passenden Partner.

Benediktbeuern – Der Förderkreis der Schule könne und wolle das ehrenamtliche Engagement nicht mehr weiter ausüben. Hintergrund sei der immens gestiegene Aufwand, berichtet Vorstand Marco Graf. Für die Gemeinde, genauer gesagt den Schulverband, kommt die Nachricht nicht überraschend: Die Mitglieder, Gemeinderäte aus den beteiligten Kommunen, wussten schon seit längerer Zeit, dass der Förderkreis hier an der Grenze seiner Belastbarkeit angelangt ist. In der jüngsten Sitzung wurde öffentlich darüber diskutiert. „Das ist kein kleiner Betrieb mehr für ,nur‘ ein paar Schüler“, sagte Toni Ortlieb, Bürgermeister von Benediktbeuern und Vorsitzender des Schulverbands, im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Nun wird gemeinsam mit dem Förderkreis ein neuer Träger gesucht.

Die Mittagsbetreuung wird für die Grundschüler angeboten, die vor allem aus Benediktbeuern, Bichl, Ried und Obersteinbach kommen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, berichtet Marco Graf vom Förderkreis. Waren es anfangs nur zehn bis zwölf Kinder, so sei man mittlerweile bei 100 Schülern, und fürs kommende Schuljahr werde mit 120 bis 130 Kindern gerechnet. „Und mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen, denn ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung geben“, sagt Graf. „Das ist ein großer Druck für uns.“

Der gemeinnützige Verein, der noch andere Projekte für die Grund- und Mittelschule stemmt, hat für die Mittagsbetreuung derzeit zehn Mitarbeiter auf Basis geringfügiger Beschäftigung eingestellt. Das Besondere ist, dass jeden Tag frisch gekocht wird. Die Küche an der Schulturnhalle ist für die steigenden Kinderzahlen jedoch nicht ausgelegt, schon in den vergangenen Jahren musste hier mit Großküchengeräten nachgerüstet werden (wir berichteten).

Die Eltern können wählen, ob das Kind bis 14 Uhr oder bis 16 Uhr betreut wird. Je nach Tagen und Pauschalen kostet das inklusive Essen zwischen 90 und 190 Euro. Zurzeit verwalte man inklusiver staatlicher Zuschüsse ein Budget von rund 160 000 Euro, berichtet Graf. Das sei für die Ehrenamtlichen „eine riesengroße Verantwortung“. 2021 werde für den Förderkreis zudem ein neuer Vorstand gesucht. Das sei nicht leicht. „Und wenn sich niemand findet, dann müsste auch die Mittagsbetreuung aufhören. Das Risiko wollen wir nicht eingehen“, sagt Graf.

Schon jetzt macht sich Graf Sorgen, wie alles weitergehen wird. Denn die Corona-Zeit stelle den Förderkreis vor eine besondere Herausforderung. Nicht nur, dass alle Gruppen bis zum Lockdown einen festen Betreuer brauchten und nicht durchgemischt werden durften. Auch finanziell türmen sich am Horizont schwarze Wolken auf. Wegen des Lockdowns gibt es derzeit keine Mittagsbetreuung. Die Mitarbeiter auf geringfügiger Basis könne man aber nicht in Kurzarbeit schicken, die laufenden Kosten gingen also weiter. Staatliche Unterstützung sei nicht mehr in Sicht. Als gemeinnütziger Verein dürfe man keine Rücklagen bilden. „Wir sind darauf angewiesen, dass uns die Eltern ihre monatlichen Beiträge spenden. Dafür gibt es auch eine Quittung“, sagt Graf. Eltern hätten zwar ein Sonderkündigungsrecht, allerdings sei nach Ende des Lockdowns nicht sicher, ob man das Kind dann wieder aufnehmen könne. „Denn wir wissen ja gar nicht, wie das alles weitergeht und wie viel Personal wir dann noch haben, sollten wir wirklich Mitarbeitern kündigen müssen“, sagt Graf.

Der Schulverband will die Mittagsbetreuung jedenfalls weiter anbieten. „Aber nicht in Eigenregie, sondern mit einem professionellen Träger“, so Ortlieb. Zusammen mit dem Förderkreis wird jetzt nach einem neuen Träger gesucht. „Ziel ist es, dass auch die Mitarbeiter übernommen werden“, hofft Graf.

Lesen Sie auch: Studieren in Corona-Zeiten: Wenn der Professor am Bildschirm spricht

Nächtlicher Absturz am Heimgarten: Einsatzkräfte rücken wegen Wanderer aus - jetzt droht ihm ein Corona-Bußgeld

24 Türchen, 24 Kulturschaffende, 24 Kunstwerke unter der Isarbrücke

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare