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Monika Roehl besitzt sowohl einen deutschen als auch einen amerikanischen Pass, wie sie stolz zeigt.

Porträt

Monika Roehl: Zuhause in zwei Kulturen

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Benediktbeuern/Penzberg - Wer seine Englischkentnisse pflegen möchte, ist bei einem Sprach-Stammtisch in Benediktbeuern willkommen. Ab heute ist die neue Leiterin Monika Roehl aktiv.

Wer Spanisch und Französisch spricht, kennt wahrscheinlich schon die Stammtische, die in der Regel einmal im Monat im Gasthof Post in Benediktbeuern angeboten werden. Auch ein Englisch-Stammtisch hat sich dort entwickelt. Die Organisation wird jetzt in neue Hände gelegt – nämlich in jene von Diplom-Dolmetscherin und Übersetzerin Monika Roehl aus Penzberg.

Die 60-Jährige ist in zwei Kulturen zu Hause – in der deutschen und in der amerikanischen. Ihre Eltern wanderten 1960 nach Amerika aus, als die kleine Monika vier Jahre alt war. Die Familie stammt ursprünglich aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz). „Wir waren eine klassische Auswandererfamilie“, erzählt Roehl. Mit dem Schiff ging es über den Atlantik, an Bord die Mutter und die kleine Schwester Christine. „Mein Vater war schon vorgereist, er hatte 100 Dollar in der Tasche und versuchte sein Glück.“ Und das hatte er: Die Familie ließ sich in Dearborn in Michigan nieder, dort konnte sich der Vater eine Arztpraxis aufbauen.

Die Familie blieb in den USA, bis die Töchter ihren Highschool-Abschluss hatten. „Dann zogen wir wieder nach Deutschland, denn meine Eltern wollten, dass wir unbedingt auch das deutsche Abitur haben.“ Die Familie ließ sich in der Rhön nieder. Der Ortswechsel sei schwierig gewesen, erinnert sich Roehl, „aber dann waren meine Schwester und ich die Sensation an der Schule – schließlich hatten wir Bluejeans.“ Und heute sei sie es, die für die alten Kameraden die Klassentreffen organisiere, erzählt Roehl schmunzelnd.

Mit dem Abitur in der Tasche ging sie dann stolz wieder zurück in die USA und studierte in Arizona: Zuerst machte Roehl einen Abschluss als Bachelor of Arts in Spanisch, Englisch und Biologie, dann den Master of Arts als Lehrerin mit Schwerpunkt Englisch als Fremdsprache und „bilingual cultural education“. Anschließend kehrte sie wieder nach Europa zurück und entschied sich für ein Studium als Dolmetscherin in Mainz. „In den ersten zwei Jahren konzentrierte ich mich auf das Simultandolmetschen, später auf das Übersetzen.“

Roehl besitzt sowohl die deutsche als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie hat ein Übersetzer-Diplom für Englisch, Deutsch und Spanisch mit den Fachgebieten Recht und Medizin. Auch im Bereich Tourismus ist sie tätig. Der Umgang mit Sprache ist Roehls Leidenschaft. Sie arbeitete nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Simultandolmetscherin am Europäischen Patentamt, bei BMW, auf medizinischen Kongressen sowie in öffentlichen Einrichtungen. „Einsätze als Verhandlungsdolmetscherin, etwa bei Amtsgerichten und Standesämtern und bei der Kriminal- und Autobahnpolizei gehörten zu meinem Arbeitsalltag“, sagt die 60-Jährige.

Durch ihre Mitarbeit im Marshall-Center für Sicherheitsstudien in Garmisch-Partenkirchen hat es Roehl in die Region verschlagen. In Penzberg fühlt sie sich sehr wohl. Dass sie nun den Englisch-Stammtisch in Benediktbeuern übernehme, sei ein schönes Ehrenamt, freut sich Roehl.

Derzeit kommen etwa zehn Personen zu dem Treffen. „Es ist eine bunte Truppe, die zwischen 20 und 80 Jahre alt ist“, sagt Roehl. Neue Mitglieder sollten die Sprache „einigermaßen fließend sprechen“. „Wir sind kein Ersatz für einen Vhs-Kurs, und wir können auch nicht Schülern Nachhilfe geben oder Grammatik-Fragen erklären.“ Im Mittelpunkt der Treffen steht Konversation. Roehl will „mal schauen, was sich entwickelt“, ansonsten auch Zeitungstexte zur Diskussion stellen oder einen Filmabend veranstalten. Vielleicht, sagt Roehl, könnte sie noch ein paar weitere Muttersprachler zu den Treffen bewegen. „Ich freue mich auf jeden Fall auf regen Austausch.“

Der Englisch-Stammtisch

findet am heutigen Freitag um 20 Uhr im Gasthof Post in Benediktbeuern statt. Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Getränke und Essen müssen selbst bezahlt werden.

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