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Spielt selbst gerne Klavier: Hans-Hermann Wickel.

Musik hält jung

Wenn alte Menschen sich so freuen, dass sie vollkommen vergessen, wo es zwickt und drückt – dann haben sie vermutlich gerade gemeinsam musiziert. Das war eine Feststellung des Musikgeragogik-Experten Professor Hans Hermann Wickel aus Münster, der vor Kurzem einen gut besuchten Vortrag in der Hochschule in Benediktbeuern hielt. Er informierte über die neuesten Erkenntnisse rund um das Thema Singen, Musizieren und Musikhören im Alter.

Benediktbeuern– Wickel, der viel über Geragogik (Methoden der Seniorenbildung) und Musik in der Sozialen Arbeit veröffentlicht hat, zeigte auf, wie sich durch Musik unmittelbare Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden ergeben. In seiner Praxis als Chorleiter stellte er unterschiedliche Zugänge zu Musik in verschiedenen Lebensaltern fest. „Während jüngere Menschen vielfach durch Ausprobieren Erfahrungen sammeln, sind ältere Menschen häufiger am Hintergrund eines Musikstückes interessiert oder stellen Bezüge zur eigenen Lebenswelt her.“ Besondere Bedeutung hat aber für alle Generationen die gemeinschaftsbildende Funktion von Musik: Wenn junge und alte Menschen zum Beispiel gemeinsam ein Musical schreiben und aufführen, entstehen schnell generationenübergreifende Freundschaften, hat der Professor beobachtet.

Wickel verwies auf Forschungen, denen zufolge sich eine Mehrheit sehr alter Menschen durchaus in der Lage sehe, neue musikalische Aktivitäten zu beginnen. „Oft mangelt es aber an geeigneten musikalischen Angeboten im dritten und vierten Lebensalter.“ Allerdings dürfe man bei „Musik im Alter“ nicht nur an Bach und Beethoven denken – die Fans der Beatles und der Rolling Stones kommen langsam ins Seniorenalter und sorgen so für das relativ neue Phänomen eines Rockkonzertbesuchs über drei Generationen hinweg.

Besonders vielversprechend ist für Wickel die Integration musikalischer Elemente in alle Bereiche der Seniorenarbeit. Diese Form der kulturellen Bildung führe zu einem spürbar verbesserten Allgemeinbefinden – sei es durch musikalisch anspruchsvolle Bildungsangebote, durch öffentliche Darbietung oder durch Singen und Musizieren mit hochgradig dementen oder pflegebedürftigen Senioren. Nicht selten komme dabei wieder etwas zum Vorschein, das man glaubte, sei vergessen. Nach Ende des Vortrags diskutierten die Zuhörer noch lebhaft, auch über die Situation in der Region.

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