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Im Namen des Volkes: Ein Ehepaar aus Benediktbeuern wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 

Amtsgericht 

Nachhilfelehrer mit Drogen bezahlt

Das Geld war knapp, deshalb bezahlten sie den Nachhilfelehrer ihrer Kinder in Naturalien: 23 Gramm Amphetamine will ein damals 17-Jähriger im Sommer 2015 von einem Benediktbeurer Ehepaar erhalten und im Gegenzug auf 350 Euro verzichtet haben. Nun wurden die Eheleute zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Benediktbeuern/Wolfratshausen Das Geld war knapp, deshalb bezahlten sie den Nachhilfelehrer ihrer Kinder in Naturalien: 23 Gramm Amphetamine will ein damals 17-Jähriger im Sommer 2015 von einem Benediktbeurer Ehepaar erhalten und im Gegenzug auf 350 Euro verzichtet haben. So hatte es der Jugendliche in einer Aussage bei der Polizei angegeben. Nun mussten sich die Eheleute, ein gelernter Schlosser (48) und seine Ehefrau (45), wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige vor dem Schöffengericht verantworten. Sie wurden zu jeweils 18 Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafen wurden zu Bewährung ausgesetzt.

Die Anklage umfasste zudem zwei weitere Punkte: So sollen der Mann und die Frau im Dezember 2015 dem nun inzwischen 18-Jährigen noch einmal 20 Gramm der synthetischen Droge verkauft haben, bevor die Beteiligten die Rollen tauschten. Im Frühjahr 2016 kaufte das Ehepaar von dem jungen Mann Amphetamine, die dieser im Darknet beschafft hatte – laut Staatsanwältin insgesamt rund 400 Gramm.

„Ich habe nie nach seinem Alter gefragt“, erklärte die Angeklagte, die das Bedürfnis hatte, die Hintergründe aufzuklären. Demnach habe der 17-Jährige ihr „ausgesprochenes Helfersyndrom“ ausgenutzt und sich zu jener Zeit „bei uns eingenistet“. Ein „Geschichtenerzähler“ sei er gewesen, „aber ich habe ihm seine Sachen abgenommen“, so die Büroangestellte. Sie selbst sei wegen ihrer eigenen Drogenabhängigkeit damals „oft nicht ansprechbar gewesen“. Das habe der junge Mann, der damals wohl weder eine Schule besuchte, noch eine Ausbildung absolvierte „weidlich ausgenutzt“. Als er einmal gesagt habe „Ich bin ein 17-Jähriger mit dem Wissen eines 100-Jährigen“ sei sie geschockt gewesen, „dass wir es mit einem Jugendlichen zu tun haben“. Ihre detailreichen Ausführungen mündeten in dem Bekenntnis: „Wir haben nicht gedealt.“

„Ich hab’s mir jetzt wirklich geduldig angehört“, gab der vorsitzende Richter nach einer halben Stunde deutlich zu erkennen, dass er nicht geneigt war, den Erzählungen der Beschuldigten Glauben zu schenken und regte ein sogenanntes Rechtsgespräch an. Das Ergebnis der Diskussionen hinter verschlossenen Türen: Über ihre Verteidiger ließen beide Angeklagten erklären, dass der Sachverhalt wie in der Anklageschrift vorgetragen, zutreffe. Das war die Voraussetzung, um am Ende der Verhandlung auf eine Bewährungsstrafe hoffen zu dürfen.

Auslöser des Ganzen war übrigens der Tod eines Penzberger Drogenabhängigen im April 2016. Bei den Ermittlungen zu den Todesumständen fand die Kripo nicht nur größere Mengen unterschiedlichster Drogen wie Ecstasy und LSD-Trips, sondern auch Hinweise auf den 17-Jährigen. Der hatte dem Verstorbenen gezeigt, wie man im Darknet einkauft, und dies offenbar auch selbst intensiv getan. Für seine eigenen Geschäfte war der junge Mann, der nach dem ausgehandelten Schuldeingeständnis nicht mehr vor Gericht aussagen musste, bereits zu einer Jugendstrafe von einem Jahr verurteilt worden, ebenfalls zur Bewährung. Die Angeklagte hat sich inzwischen selbst zur Entgiftung in eine Klinik eingewiesen und tritt in Kürze eine längere stationäre Therapie an, um „künftig ein suchtfreies Leben führen zu können“, wie sie beteuerte. Ihre Bewährungsauflage ist, diese Therapie zu Ende zu führen und dem Gericht alle zwei Monate mitzuteilen, wie es damit läuft. Dem Ehemann („Ich bin immer nur ein Kiffer gewesen“) wurden drei Beratungsgespräche bei der Caritas-Suchtberatung verordnet.

Rudi Stallein

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