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Das Gewerbegebiet am Mondscheinweg soll erweitert werden. Dafür muss der angrenzende Wald abgeholzt werden. Der Bund Naturschutz schlägt Alarm. Er will das Vorhaben verhindern.

Kritik am neuen Gewerbegebiet in Benediktbeuern

Naturschützer kämpfen für Wald-Erhalt

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Benediktbeuern - Der Bund Naturschutz läuft Sturm gegen das geplante Gewerbegebiet in Benediktbeuern. Die Umweltschützer beklagen unter anderem eine zu große Waldrodung.

Der Gemeinderat hat vor Kurzem beschlossen, das Gewerbegebiet am Mondscheinweg Richtung Lainbach zu erweitern (wir berichteten). Besagte Fläche ist 5,2 Hektar groß. Derzeit läuft die öffentliche Auslegung. Der Bund Naturschutz (BN) schlägt jetzt Alarm: „Der Verlust an ökologisch und forstwirtschaftlich hochwertigen Flächen steht in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen“, schreibt der BN-Vorsitzende Friedl Krönauer in einer Stellungnahme.

Fakt ist, dass für die Erweiterung Wald gerodet werden muss. Das 52 000 Quadratmeter große Areal habe Auwaldcharakter und besteche durch seine Artenvielfalt, sagt Krönauer. Hier finde man Eschen, Ahorne und alte Fichten. „Der Bestand an jüngeren Fichten ist vergleichsweise gering“, sagt Krönauer. Zudem gebe es dort zahlreiche Orchideenarten wie Fuchs-Knabenkraut und Großes Zweiblatt oder andere Pflanzen wie Türkenbundlilie und Gelben Eisenhut. Außerdem sei der Wald Lebensraum für Amphibien und Fledermäuse. Bei einer Begehung wurden laut BN Nord-, Zwerg- und Langohrfledermaus sowie das Große Mausohr und der Abendsegler nachgewiesen, bei mehreren Arten wurden über 200 Bewegungen gezählt.

„Dieser Wald ist Bestandteil einer Biotopverbundachse“, sagt Krönauer. „Die Zerstörung der Vegetation würde diesen Verbund nachhaltig beeinträchtigen beziehungsweise zum Erliegen bringen.“

Der BN-Vorsitzende sieht auch den Hochwasserschutz gefährdet. Zwar habe man den Lainbach ausgebaut, so dass dieser einem maximalen Durchfluss von 110 Kubikmeter pro Sekunde standhalte. Es habe jedoch schon Hochwasser mit 210 Kubikmetern pro Sekunde gegeben. Die Fläche, auf der nun das neue Gewerbegebiet entstehen soll, sei seit jeher Überschwemmungsgebiet. Krönauer hat Klimaveränderung und lokale Starkregen-Ereignisse im Blick. „So, wie der Auwald jetzt ist, hat er noch eine gewisse Schutzfunktion für die Bebauung am Mondscheinweg.“ Werde der Wald jedoch gerodet, sei die Schutzfunktion weg.

Weitere Argumente in der schriftlichen Stellungnahme des BN sind der Naherholungswert für Einheimische und Touristen sowie das landschaftliche Erscheinungsbild. Und nicht zuletzt argumentiert der BN damit, dass der Flächenverbrauch in Bayern enorm sei: „Täglich werden 19 Fußballfelder versiegelt“, beruft er sich auf Zahlen von 2014. Jeder empöre sich darüber, doch den Schlüssel, um dies zu verhindern, hätten die Kommunen in der Hand.

Laut Gemeinde besteht in Benediktbeuern großer Bedarf an neuen Gewerbeflächen. Das jetzige Gebiet wurde vor 16 Jahren ausgewiesen. „Wir dachten damals, die Fläche reicht für mindestens 20 Jahre“, sagt Bürgermeister Hans Kiefersauer. Doch allein in den vergangenen Jahren habe er rund 20 Anfragen von Interessenten gehabt. „Wir legen Wert darauf, nicht einen großen Betrieb anzusiedeln, sondern viele kleine, um Vielfalt zu haben und um vor allem auch jungen Einheimische eine Möglichkeit zu geben, sich einen Betrieb aufzubauen.“ Das Neubaugebiet nach Norden zu verlagern sei aus emissionsschutzrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, so Kiefersauer.

Derzeit sei am Lainbach der Erhalt eines etwa zehn Meter breiten Grünstreifens geplant. Kiefersauer betont, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Man werde nach Ende der ersten Auslegung alle eingegangenen Stellungnahmen prüfen und abwägen. „Die Gemeinde ist zu Kompromissen bereit“, sagt der Rathauschef. „Wir wollen ein positives Ergebnis für alle Seiten.“ Wann das Thema im Gemeinderat besprochen wird, konnte Hans Kiefersauer jetzt noch nicht genau sagen – „vermutlich im Januar oder Februar“.

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