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Fesselnde Aufführung der Carmina Burana

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Junge Stimmen: Der gemischte Kinderchor aus Bichl und Iffeldorf erhielt für seinen Auftritt viel Applaus. © Riesenhuber

300 Jahre Maierhof: Zum runden Jubiläum des ehemaligen Ökonomiebetriebs des Klosters Benediktbeuern wurden am Sonntag die Carmina Burana aufgeführt. Die „Beurer Lieder“ waren ein weiterer Höhepunkt in der Reihe der Open-Air-Konzerte.

Benediktbeuern Bevor am vergangenen Sonntagvormittag mit den Worten „O Fortuna“ der eindrucksvolle Gesang an die Göttin von Glück und Schicksal aus Carl Orffs Carmina Burana ertönte, klangen – etwas leiser – die sogenannten Bienenwabenglocken mit einer alten Melodie durch den Maierhof des Klosters Benediktbeuern. Philipp Lamprecht vom Salzburger Carl Orff Percussion-Ensemble spielte diese Weise eines Mönchs aus Salzburg. Wenig ist über diesen Komponisten aus dem 14. Jahrhundert bekannt – aber seine Melodien haben die Zeit überdauert. Das kleine Stück sorgte für Aufmerksamkeit und führte die zahlreichen Zuhörer behutsam in die Welt des Mittelalters.

Dabei ist die Musik der Carmina Burana eigentlich Musik des 20. Jahrhunderts. Carl Orff hat sie 1936 zu mittelalterlichen Texten, die lange Zeit im Kloster Benediktbeuern verwahrt waren, komponiert und damit sein bis heute bekanntestes Werk geschrieben. Schon der ruhige Einstieg zu diesem Konzert ließ ahnen, dass die Interpretation es diesmal nicht so sehr auf die Wucht des Stückes angelegt hatte.

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Starke Solistin: Die Münchner Sopranistin Anna Karmasin überzeugte bei ihrem Auftritt im Maierhof. © Riesenhuber

Bei der Aufführung im Maierhof, der ja durchaus schon klangstarke Konzerte erlebt hatte, hat man sich für die reduzierte Fassung des Stückes entschieden. Statt eines großen Orchesters gab es hier zwei Flügel und ein umfangreiches Schlagwerk. Der Komponist und Orff-Schüler Wilhelm Killmayer hat diese Bearbeitung der Carmina Burana verfasst. Klaus Fessmann und Anne Horsch an den beiden Flügeln spielten mit viel Energie und Kraft, um den Maierhof klanglich zu erreichen. Leichter hatten es die Chorsängerinnen und -sänger, der Lassus-Chor aus München zusammen mit dem Iffeldorfer KlangKunst Chor. Er stand immer wieder im Mittelpunkt und bestach durch intensive Textgestaltung und sauberen Klang.

Im letzten Teil des dreiteiligen Werks spazierte, munter und unter Applaus des Publikums, ein Kinderchor aus Iffldorf und Bichl auf die Bühne. In diesen Projektchor hatte man auch viele junge Kinderstimmen einbezogen, die nicht über die klanglichen und rhythmischen Qualitäten bekannter „professioneller“ Kinder- oder Knabenchöre verfügen. Das brachte allerdings eine reizvolle Klangfarbe und eine besondere Lebendigkeit in die Aufführung. Besonders bei seinem zweiten großen Einsatz, „Tempus es iocundum“ zeigte sich der Kinderchor hervorragend und meisterte auch die Tempoänderungen problemlos.

Die Sopranisten Anna Karmasin aus München überzeugte ihr Publikum spielend. Ihre helle und weiche Stimme hatte leicht die Kraft für diese Aufführung unter freiem Himmel. Anders als ihre männlichen Kollegen hatte sie im „Gerichtshof der Liebe“ eine eher „ernste“ Rolle.

Das kann man von Tenor Martin Petzold, der im zweiten Teil den gebratenen Schwan sang, nicht sagen. Mit enormem Einsatz und viel Komik gab er diese Partie – zum Vergnügen des Publikums. Thomas Hamberger, Tenor, fiel besonders durch seine lyrische Interpretation von „Omnia sol temperat“ im ersten Teil auf. Bei ihm klang dieses Stück, mit sparsamer Klavierbegleitung, fast impressionistisch.

Die Gesamtleitung des Konzerts lag in den bewährten Händen von Andrea Fessmann. Bestens vertraut mit beiden Chören war es für sie nicht das erst Mal, dass sie die Carmina Burana dirigierte. Der im Ganzen etwas weichere Ansatz, mit dem sie zu Werke ging, klang frisch und überzeugend, und er machte deutlich, dass die Carmina Burana doch weit mehr sind als der eindrucksvolle „Rahmen“ mit der Anrufung der Schicksalsgöttin, sondern ein vielseitiges Werk, dessen Rhythmen und eingängige Melodien den Zuschauer immer wieder aufs Neue fesseln – selbst wenn das Publikum im Hochsommer unter brütender Sonne sitzt. (von Heribert Riesenhuber)

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