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Heimaturlaub: Anlässlich des Stiftertreffens ist Lothar Wagner in Benediktbeuern und genießt ein paar Tage Urlaub. „Das Wetter ist fantastisch“, freut er sich.

Ordensmann wird ehemaligen Kindersoldaten helfen

Lothar Wagner geht in den Südsudan

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Nach acht Jahren Arbeit in Sierra Leone wartet auf den Benediktbeurer Ordensmann Lothar Wagner eine neue Aufgabe: Er wird in den Südsudan gehen, um ein Hilfszentrum für Kindersoldaten aufzubauen und zu leiten.

Benediktbeuern– Er ist nicht häufig im Loisachtal, aber wenn, dann ist das Interesse groß: Als Lothar Wagner am vergangenen Freitag beim Stiftertreffen der Salesianer Don Boscos bei einem öffentlichen „Kamingespräch“ über Entwicklungen in Afrika sprach, war das Interesse riesig. „Es freut mich, dass so viele Menschen hier Anteil an meiner Arbeit nehmen“, sagt der Ordensmann.

Acht Jahre lang leitete Wagner eine Kinder- und Jugendeinrichtung in Sierra Leone (Westafrika) und kümmerte sich um Straßenkinder, sexuell ausgebeutete Mädchen und Jugendliche im Gefängnis. Als Wagner auch während der Ebola-Krise 2014 blieb und den Hilfsbedürftigen bis zum Ende der Epidemie zur Seite stand, wurde er bundesweit bekannt.

Gut zwei Jahre später bestimmte der Orden auf Wagners Wunsch einen neuen Leiter für die Arbeit in Sierra Leone. Wagner selbst nahm sich eine kleine Auszeit, verbesserte in einem Kloster in Frankreich sein Französisch und war seit Januar 2017 damit betraut, eine Einrichtung des Ordens in Liberia neu aufzubauen. Dort und in Sierra Leone war er zudem offiziell als Beobachter der Parlamentswahlen im Einsatz. „Hier in Europa wird kaum wahrgenommen, dass es zurzeit so etwas wie einen westafrikanischen Frühling gibt“, sagt Wagner. Demokratische Prozesse liefen gewaltfrei ab, einige Länder erlebten einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, und dank Digitalisierung bekämen die Menschen besseren Zugang zu Informationen und Bildung, berichtete Wagner am Freitagabend.

Der Ordensmann wird jetzt erstmals nach Ostafrika gesandt – nämlich in den Südsudan. Ein Land, das erst seit 2011 politisch existiert und reich an Ölvorkommen ist. Nach fünf Jahren Bürgerkrieg gab es 2016 ein Friedensabkommen, „das aber noch brüchig ist“, erzählte Wagner am Montag beim Gespräch mit unserer Zeitung. Die Salesianer unterhalten im Südsudan schon zwei Einrichtungen. Wagner wird eine dritte aufbauen und leiten: Ein Therapiezentrum, in dem Kindersoldaten den Weg zurück in ein normales Leben finden sollen. Das Projekt wird vom deutschen Entwicklungshilfeministerium gefördert, außerdem besteht eine Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk Unicef. Das Haus liegt in der Kleinstadt Kyawuk und ist gerade im Bau. Mitte Juni bricht Wagner auf, leitet die Fertigstellung und beginnt dann mit der Arbeit. Start soll im September sein. Ein Team, bestehend aus Salesianern und einheimischen Angestellten, steht ihm zur Seite.

Es ist eine anspruchsvolle Arbeit, ist sich Wagner bewusst. Die Frage, ob er Angst habe, kontert er mit einer Gegenfrage: „Wovor sollte ich Angst haben?“ Man habe die politische Lage im Blick und würde natürlich die Arbeit einstellen, sollte es wieder zu bewaffneten Konflikten kommen. Doch Wagner vertraut auf die Arbeit der Vereinten Nationen, die in Friedensgesprächen die Freilassung von rund 1000 Kindersoldaten aushandeln konnten. Im Februar waren 300 Kinder, vor Kurzem weitere 200 Kinder freigelassen worden (wir berichteten überregional).

Wie arbeitet man in diesem Bereich therapeutisch? Man müsse die Kinder „so nehmen, wie sie sind“, sagt Wagner, und mit ihnen „auf Augenhöhe und angstfrei kommunizieren“. Was die Kinder durchmachen mussten, habe auf jedes ganz unterschiedliche individuelle Auswirkungen: Einige seien aggressiv und drogenabhängig, andere würden nicht sprechen, nur vor sich hinstarren, weinen und Nahrung verweigern. Von körperlichen Symptomen wie Zittern und Fieber ganz zu schweigen.

Man dürfe das Kind nicht alleine zum Schuldigen machen, erklärt Wagner, sondern schuld sei das Kollektiv. Ziel der Arbeit sei es, den Kindern zu helfen, ihre eigene Identität und den Weg in ein normales Leben zu finden. Das geschieht zum Beispiel mit einem geregeltem Tagesablauf, Schulunterricht und therapeutischen Maßnahmen, integriert in Aktivitäten wie Sport, Musik oder Malen, sagt Wagner. „Die Kinder müssen wieder lernen, Kind zu sein.“ Gleichzeitig werden auch die Familien, in die sie zurückkehren sollen, betreut. Denn es ist oberstes Ziel, dass die Kinder wieder im Familienverbund leben.

Wagner bereitet sich derzeit auf seine ganz persönliche Weise auf diese Arbeit vor: Mit einem neuen Marathon. Seinen kurzen Urlaub im Loisachtal nutzt er für Trainingseinheiten. Der Sport ist für den Ordensmann Ventil und Motivation zugleich. Wagner, der aus der Nähe von Trier stammt, hat sich für den Eifelmarathon am 10. Juni angemeldet. Erstmals wird er eine recht hügelige Strecke laufen. Er vergleiche das mit seinem Leben, philosophiert Wagner: „Es geht über Stock und Stein.“ Diesmal wolle er nicht persönliche Bestzeit laufen, sondern „es einfach nur schaffen“.

Weitere Infos

Lothar Wagners Arbeit in Sierra Leone, die viele Loisachtaler Bürger verfolgt haben, setzt nun Pater Jorge Crisafulli aus Argentinien fort. Ein Schwerpunkt ist jetzt die Arbeit mit ausgebeuteten Mädchen. Weitere Infos darüber im Internet auf www.donboscofambulsl.org (Englisch) oder über www.donboscomission.de.

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