Rund 70 Mitglieder sind derzeit bei den Benediktbeurer Pfadfindern aktiv, etwa die Hälfte davon sind Mädchen. Unterteilt in drei Altersgruppen, gibt es verschiedene Aktivitäten.
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Rund 70 Mitglieder sind derzeit bei den Benediktbeurer Pfadfindern aktiv, etwa die Hälfte davon sind Mädchen. Unterteilt in drei Altersgruppen, gibt es verschiedene Aktivitäten.

Interview mit dem Stammesvorstand

Pfadfinder im Loisachtal: „Für viele Kinder sind wir eine Art Familie“

Was machen eigentlich Pfadfinder? Das erklärt Finn Prox (21), zusammen die Florian Bader (22) Stammesvorstand der Pfadfinder in Benediktbeuern, im Interview.

Benediktbeuern - Der World Organization of the Scout Movement gehören mehr als 45 Millionen Pfadfinder in 160 Ländern an. Damit ist die WOSM die zweitgrößte Kinder- und Jugendorganisation der Welt. Ihr Gründer Baden Powell legte vor über 100 Jahren die Prinzipien fest, die auch heute noch gelten. Die drei Grundprinzipien lauten: Ein Pfadfinder steht in der Pflicht gegenüber Gott, gegenüber anderen und gegenüber sich selbst.

Florian Bader (22) und Finn Prox (21) sind die Stammesvorstände der Pfadfinder in Benediktbeuern. Sie möchten die Kinder und Jugendlichen an die Werte und Ideale ihrer Organisation heranzuführen und diese bei gemeinsamen Unternehmungen wie Zeltlagern in die Praxis umzusetzen. In ihrem Stamm gilt seit jeher der Grundsatz: „Gutes bewahren und sich trotzdem jeden Tag ein Stück neu erfinden“. Und so lassen sie sich immer wieder gerne auf neue Abenteuer ein.

Was darf sich der Außenstehende unter einem „Stamm“ vorstellen, Herr Prox?

Finn Prox: Ein Stamm ist sozusagen die Ortsgruppe. Alle diese Ortsgruppen sind zusammen gefasst unter dem Dachverband DPSG, also Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg. Und ein Stamm ist dann wiederum unterteilt in Untergruppierungen. Die „Wölflinge“ sind die Sechs- bis Elfjährigen, die „Jupfis“, was für Jungpfadfinder steht, die Zwölf- und Dreizehnjährigen, die Pfadfinder bilden die Vierzehn- bis Sechzehnjährigen und die „Rover“ sind alle älteren Jugendlichen bis 21 Jahre. Jeder Stamm hat mehrere Leiter und zwei gleichberechtigte Vorstände als Stammesführer.

Welche Ziele verfolgt ein solcher Stamm?

Finn Prox: Die Grundsätze der weltweiten Pfadfinderbewegung sind, Kinder zu Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu verhelfen. Wir wollen ihre Entwicklung unterstützen und ihnen Hilfe zur Selbsterziehung geben. Jeder soll seine eigenen Fähigkeiten entdecken und einbringen, und zwar nach dem Prinzip „Learning by doing“.

Wie viele Mitglieder hat Ihr Stamm aktuell? Und steht er Jungen und Mädchen offen?

Finn Prox: Wir haben derzeit so um die 70 Mitglieder. Ursprünglich durften tatsächlich nur Jungs zu den Pfadfindern, aber bereits seit 1971 sind Mädchen in der DPGS ebenso willkommen. Bei uns ist das Verhältnis ziemlich ausgewogen halbe-halbe.

Und seit wann pfadfindern Sie selbst?

Finn Prox: Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr dabei. 2005 bin ich mit meinen Eltern und zwei Brüdern von Hannover nach Reichersbeuern gezogen und 2006 haben wir in Benediktbeuern zufällig eine Pfadfinderaktion erlebt. Die hatten dort eine Jurte aufgebaut, die uns Kinder gleich fasziniert hat. Und da meine Eltern beide begeisterte Pfadfinder waren, haben sie sofort beschlossen: Da schicken wir unsere Jungs auch hin!

Wie finden Ihre Mitglieder generell den Weg zu Ihnen?

Finn Prox: Viele kommen auf Anregung der Eltern oder von Freunden. Wir führen aber bewusst auch immer wieder öffentlichkeitswirksame Aktionen durch, um auf uns aufmerksam zu machen, wie Altpapiersammeln, Parkplatzeinweisen oder Mitgestalten des Festivals BeneCulture im Maierhof.

Wie viele Aktivitäten haben Sie üblicherweise? Wie viele sind im Coronajahr übrig geblieben?

Finn Prox: Neben unseren wöchentlichen Gruppenstunden haben wir so um die 20 Aktionen im Jahr, von denen genau sechs übrig geblieben sind, unter anderem die Stammesversammlung, auf der ich im Februar 2020 zum Vorstand gewählt wurde. Die Gruppenstunden konnten ja bis zum ersten Lockdown und dann wieder im Herbst, bis der zweite Lockdown kam, stattfinden. Ausgefallen sind leider alle Lager, sowohl das große Sommerlager in den Ferien als auch die übers Jahr verteilten Wochenendlager, die uns sonst in die nähere und weitere Umgebung bis ins Allgäu oder an den Chiemsee führen.

Wie konnten Sie Ihre Pfadfinder trotzdem bei der Stange halten?

Finn Prox: Im Lockdown haben wir Online-Gruppenstunden für die Älteren angeboten und den Jüngeren Aktionsangebote nach Hause geschickt, etwa die Aufforderung, sich selbst bei pfadfinderischen Aktivitäten wie Schnitzen oder Feuermachen zu fotografieren und uns das Bild zu senden. Die Resonanz war super. Und jetzt machen wir aus den Einsendungen gerade eine tolle Foto-Collage.

Finn Prox (21), einer der beiden Vorstände in Benediktbeuern

Sind auch welche abgesprungen?

Finn Prox: Bisher zum Glück nicht! Übrigens fangen wir gerade wieder mit den Gruppenstunden an, ohne zu wissen, wie lange das möglich sein wird…

Wird der Neuanfang nach der Zwangspause schwieriger oder leichter, weil alle danach hungern, dass es endlich wieder los geht?

Finn Prox: Vermutlich teils, teils. Wir werden unsere Leute da abholen müssen, wo sie jetzt stehen. Die lange Zeit mit stark reduzierten Sozialkontakten dürfte ihre Spuren hinterlassen. Andererseits waren wir in der schweren Zeit eine echte Konstante für die Kinder: Wir waren immer da.

Wie sieht Ihre aktuelle Planung für das laufende Jahr aus?

Finn Prox: Wir haben angesichts der unklaren Lage noch keine festen Termine gemacht, hoffen aber, dass im Sommer viele Gruppenaktionen, gerade auch die draußen an der frischen Luft, wieder möglich sein werden. Unser Vorteil ist, dass wir sehr spontan auf die Lage reagieren können.

Warum würden Sie Kindern und Jugendlichen, die die Pfadfinder bisher nicht kennen, empfehlen, einmal bei Ihnen vorbei zu schauen?

Finn Prox: Bei uns kann man Gemeinschaft erleben und Abenteuer, die man mitgestalten darf. Und das in einer druckfreien Umgebung, ohne Zwang von den Eltern oder der Schule. Für viele Kinder sind wir eine Art Familie. Geschlecht, Glaube, Nationalität – das spielt alles keine Rolle. Wir bieten einen geschützten Raum, in dem sich Kinder ausprobieren können. Also: Kommt her – es lohnt sich!

Und wie lautet Ihr persönliches Fazit des Corona-Jahres?

Finn Prox: Es war eine Zeit mit Tiefen und Höhen, die aber auch die Chance für einen Neuanfang geboten hat, also alles einmal zu überdenken und vielleicht auch schlechte Gewohnheiten abzulegen. Und grundsätzlich beherzige ich hier wie auch sonst den Leitspruch der Pfadfinder: Allzeit bereit!

Weitere Infos: über die Pfadfindergruppe im Loisachtal gibt’s im Internet auf www.dpsg-benediktbeuern.de. Die Gruppe heißt „Stamm Dominikus Savio Benediktbeuern“. Im Dachgeschoß des Don-Bosco-Clubs haben sie eigene Räume. In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. (Sabine Näher)

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