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„Nur eine Religion, die dient, ist gut“: Das ist die Maxime von Pfarrer Rainer Maria Schießler, der am Freitag das Publikum in Benediktbeuern in seinen Bann zog.

Auftritt im Barocksaal

Pfarrer Schießler: „Warum geht Ihr nicht auf die Straße?“

Wo Pfarrer Rainer Maria Schießler auftritt, um über Glauben, Gott und die Kirche zu reden, da mangelt es nicht an Zuhörern. Warum, das zeigte sich im Barocksaal.

Benediktbeuern Wo Pfarrer Rainer Maria Schießler auftritt, um über Glauben, Gott und die Kirche zu reden, da mangelt es nicht an Zuhörern. Warum? „Weil er uns den Glauben als etwas Fröhliches, Ermunterndes und Alltagstaugliches vermittelt und nicht als etwas Bedrückendes, Mahnendes oder Strafendes“, meinte dazu eine Besucherin im Barocksaal des Benediktbeurer Klosters. Dort war Schießler am Freitagabend auf Einladung des Fördervereins Juwel zu Gast.

„Juwel“-Vorsitzender Anton Drexler nannte Schießler den „bekanntesten Wanderprediger Deutschlands“. In dessen Ausführungen wurde mehr als einmal deutlich, dass es die mangelnde Offenheit der Kirche gegenüber den verschiedenen Lebenssituationen der Menschen sei, die viele Bürger von der Kirche und vom Glauben wegführt. „Nur eine Religion, die dient, ist gut“, so Schießlers grundsätzliche Maxime.

Pfarrer Rainer Maria Schießler: „Kirche darf niemanden wegschicken“

„Niemand mehr hat Interesse an einer Kirche, die meint, von oben herab sagen zu können, was gut und schlecht ist.“ Auch wenn hohe Würdenträger wie der vormalige Regensburger Bischof, Kardinal Gerhard Müller, dies als „Vorrecht“ der Kirche bezeichnen. „Kirche ist ein wunderbarer Raum, in dem alle Platz haben“ betonte Schießler. „Wie dürfen niemanden wegschicken. Wir müssen zu den Menschen.“

Als Pfarrer in der Münchner Stadtpfarrei St. Maximilian im Glockenbachviertel arbeitet Schießler auch mit Homosexuellen – obwohl das Verhältnis der Kirche zu Schwulen schwierig ist. „Ich möchte ihnen zeigen, dass die Kirche immer noch für sie da ist. Und ich möchte in allen Bereichen das Evangelium leben und verkünden.“

„Zölibatär leben war manchmal verdammt schwer“, sagt Pfarrer Rainer Maria Schießler

Themen wie Abschaffung des Zölibats oder Frauen im Priesteramt werden vielerorts heiß diskutiert. Doch eigentlich, so Schießler, seien das angesichts schmelzender Pole und tauendem Permafrost Luxusangelegenheiten. Es sei aber ein Skandal, dass die Kirche die pastorale Situation nicht zur Kenntnis nehme. Sie verwalte den Mangel. Dabei gäbe es viele Berufungen, die nicht angenommen würden. Man müsse diesen Weg öffnen. Zölibatär zu leben solle – wie bei ihm selbst – eine freiwillige Entscheidung sein, „auch wenn das manchmal verdammt schwer war“, wie er bekannte.

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Die Kirche sei immer im Prozess: Wie könne sie da den Geschlechtsakt heute noch als Sünde definieren. Ihr Verharren habe zur Folge, dass sie ihren Auftrag, mit den Menschen Eucharistie zu feiern, nicht mehr ausreichend erfüllen könne. „Da wird ein Sakrament dem Kirchengesetz geopfert.“ Letztlich komme auch der Missbrauchskandal, zu dem sich die Institution viel zu spät bekannt habe, „von innen heraus.“

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Und die Ökumene? Fast jeder sei in seine Konfession hineingeboren worden, dies könne doch keine Verfehlung sein. Es wäre ein Befreiungsschlag für alle, wenn man endlich angesichts der „Schnittmengen“ auch gemeinsam Abendmahl feiern könnte. Die beiden „Oberhirten“ Marx und Bedford-Strohm hätten jüngst erklärt, man sei noch nicht so weit. „I waar scho so weit“, erklärte Schießler, der mit seiner unkonventionellen Art, leidenschaftlicher Berufung und kabarettistischem Talent auch das Publikum in Benediktbeuern begeisterte. Ebenso lasse sich nicht nachvollziehen, warum etwa bei einem katholischen Täufling der Pate nicht evangelisch sein dürfe.

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Was aber könne man tun, um die starre Kirche in Bewegung zu bringen, wollte Elias Schlögel wissen, der mit auf dem Podium saß. „Ihr müsst aufstehen. Warum geht Ihr nicht auf die Straße? Lasst die Priester alleine, wenn sie herrschen. Geht in die kirchlichen Gremien und schaut denen dort auf die Finger“, war Schießlers Antwort. Und wie reagiert die Obrigkeit auf sein provokantes Auftreten? Er könne immer wieder Kircheneintritte melden, was eine Mitarbeiterin an führender Stelle scherzhaft als seine „Lebensversicherung“ bezeichne, so der 59-Jährige Pfarrer schmunzelnd.

Rosi Bauer

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