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Verzicht: Doris Linke (li.) und Melanie Sulzinger mit einigen plastikfreien Produkten wie Wattestäbchen mit Papierschaft, oder einer Spülbürste aus Holz . 

Plastikfasten-Bilanz:

Verzicht ja, aber nicht zu 100 Prozent

Die Bilanz der Plastikfasten-Aktion: Wenn die Öko-Bilanz nicht mehr stimmt, ist für manchen Teilnehmer Schluss.

Benediktbeuern– Die Plastikfasten-Aktion des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern ist um. Vier Wochen lang haben laut Organisatorin Doris Linke 19 Familien aus der ganzen Region versucht, auf Plastik zu verzichten – unter anderem Melanie Sulzinger und ihre Tochter Lena.

Der Tölzer Kurier hat die beiden in diesen Wochen begleitet. Beide möchten auch in Zukunft ihren Plastik-Konsum kritisch beäugen. „Wir werden sicherlich einige Dinge weiter machen“, erklärte die 34-Jährige bei der Abschlussveranstaltung am Samstag. Beispielsweise werde sie auch künftig Milch in der Glasflasche, statt im Tetrapack kaufen. Mit Brotzeitboxen zum Metzger gehen oder offenen Käse in Bienenwachstücher einschlagen. „Es ist absolut was hängen geblieben von der Aktion. Und ich werde auch in Zukunft viel bewusster einkaufen gehen.“

Trotzdem gibt es ihrer Ansicht nach Grenzen beim Verzicht auf Plastik. Etwa dann, wenn die ökologische Bilanz nicht mehr stimmt, weil man zwar plastikfrei einkauft, man aber weite Strecken mit dem Auto zurücklegen muss, um zu den Spezialgeschäften zu fahren. „Und ich werde mir auch keine Zahnpasta selber machen. Da sind mir meine Zähne einfach zu wertvoll.“ Ihrer Gesundheit zuliebe will Sulzinger auch weiterhin Zahnpasta in der Plastiktube kaufen. Auch weibliche Hygieneartikel werde sie weiter kaufen und nicht etwa selber nähen – Plastikverpackung hin oder her. Und auch, wenn Töchterchen Lena jetzt sensibilisiert sei für den vielen Müll, den Plastik verursacht: Die Neunjährige wird ab sofort selbstverständlich wieder ihren Lieblingsyoghurt im Plastikbecher bekommen. „Aber wir werden auch in Zukunft mehr selber backen“, versichert Sulzinger.

Doris Linke hat als Organisatorin der Fastenaktion heuer bereits zum zweiten Mal samt ihrer Familie mitgemacht – einfach, um noch mehr Impulse für den Plastikverzicht zu bekommen. Denn schon seit der Premiere der Aktion 2016 werde bei ihr zuhause auf Plastikvermeidung Wert gelegt – soweit es eben im Alltag umsetzbar sei. Denn natürlich, so bestätigen beide Frauen, ist es manchmal ganz schön aufwendig, plastikfrei einzukaufen.

Dass man aber nicht mehr mal schnell in den Supermarkt hetzen und irgendetwas kaufen kann, hat für Sulzinger durchaus sein Gutes: „Das entschleunigt das Leben“, hat sie festgestellt. Dazu trage auch die Tatsache bei, dass man viel selber machen muss, wenn man auf Plastik verzichten möchte: Seien es nun Waschmittel oder Kekse oder weil man die Bohnen erst weich kochen muss, weil man eben nicht die vorgekochten in der Dose nehmen kann. „Manchmal kam ich mir darum ein bisschen vor wie meine Oma.“

Was sie noch festgestellt hat beim Plastikverzicht: „Die Materialien Glas oder Baumwolle sind viel angenehmer als Plastik.“

Franziska Seliger

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