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Das amüsante und ausgefeilte Programm der Künstler zieht das Publikum jedes Jahr in Scharen an. Diesmal hatten Andreas Pehl (Mi.) und Robert Schröter (li.) als besonderen Gast die Gitarristin Melanie Hosp eingeladen. 

„Ensemble Raccanto“ mit Andreas Pehl aus Lenggries

Raketen schon vor Mitternacht: Silvesterkonzert in Benediktbeuern begeistert mit besonderen Gags

Für viele Kulturliebhaber gehört es seit Jahren zum festen Programm an Silvester, das Konzert im Kloster Benediktbeuern zu besuchen. Denn hier wird immer etwas Besonderes geboten.

Benediktbeuern/Lenggries – Wer dieses alljährliche Silvesterkonzert im Kloster Benediktbeuern kennt, weiß: Hier gehen die Raketen schon vor Mitternacht in die Luft. Und zwar völlig emissionsfrei, also klimaneutral und damit auch zur Jahreswende 2019/20 empfehlenswert. Denn das Ensemble Raccanto zündet ein musikalisches Feuerwerk, gespickt mit Sprachwitz-Böllern – und das nun schon seit 19 Jahren.

Und jedes Mal fragt man sich: Fällt den beiden tatsächlich wieder etwas Neues ein, das mit dem Highlight vom letzten Jahr mithalten kann? Die Prognose sei gewagt: Dem in Lenggries ansässigen Countertenor Andreas Pehl und seinem musikalischen Weggefährten Robert Schröter an Cembalo und Hammerklavier gehen die Ideen für die nächsten 100 Jahre nicht aus.

Die Nacht in der Musik schien ihnen diesmal ein würdiges Thema, um Silvester als der „gefühlt längsten Nacht des Jahres“ zu huldigen. Der bezeichnende Titel: „Keine Kleine Nachtmusik“. Denn das Naheliegende reizt Pehl und Schröter weniger; sie suchen und finden das Originelle. Und so darf der Sänger sich einmal in die schwindelerregenden Höhen der mit Koloraturen gespickten Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“ hinauf schrauben, der „Hölle Rache“ beschwören und mitreißende Dramatik entfalten.

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In fremden Revieren wildern ist hier Programm – und so wird aus Pehl neben der rachsüchtigen Königin ein liebenswürdiges Ännchen, das die in Sorge um den Geliebten vergehende Agathe in Webers „Freischütz“ mit Charme und Witz zu trösten vermag. „Einst träumte meiner sel’gen Base“ heißt der Opernhit, der zugleich die für jedes Silvesterkonzert obligatorische Verkleidungsnummer enthielt. Doch diesmal schlüpfte nicht der Sänger in fremdes Gewand, sondern ließ Tochter Katharina als bezauberndes Gespenst – hinter dem sich bekanntlich „Nero, der Kettenhund“ verbirgt –durch den Saal spuken.

Wie immer hatten sich Pehl und Schröter einen Gast eingeladen, dieses Jahr die Gitarristin Melanie Hosp. Ihr Part war es, durchscheinende Mondnacht-Stimmungen zu zaubern, etwa in Carl Maria von Webers bezauberndem Lied „An den Mond“, das nebenbei bewies, dass der geschätzte Opernkomponist auch ein Liedmeister war.

Zu einem atemberaubenden Höhepunkt wurde Schröters Huldigung an den 2020 von der Musikwelt zu feiernden Ludwig van Beethoven: Im vollkommen verdunkelten Saal entwickelte das Adagio sostenuto aus der „Mondschein-Sonate“ eine selten gehörte, zutiefst berührende Intensität. Die so geschaffene Atmosphäre nutzte Pehl, um in anhaltender Dunkelheit mit Kerze in der Hand Christian Fürchtegott Gellerts „Das Gespenst“ vorzutragen und so seine Qualitäten als Rezitator, die nicht jedem Sänger gegeben sind, unter Beweis zu stellen.

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Der Running Gag um den Komponisten Franz Xaver Baptist Sedlmayr, der nie existierte, aber in jedem Silvester-Konzert vertreten ist, durfte 2019 ebenso wenig fehlen wie der Zugabenblock, der alle Jahre wieder zum Schluss hin noch einmal die Fantasie sprühen lässt. Zunächst stellten sich die Interpreten nebeneinander aufs Podium, ohne Instrument, mit andächtigem Blick – und ließen als Spieluhr-Melodie doch noch die „Kleine Nachtmusik“ erklingen – das Publikum im vollbesetzten Saal war begeistert.

Dann schien Schröter den Abend beenden zu wollen. „Ich bin schon sehr müde, Andreas. Willst du nicht auch ins Bett?“ Eine Sekunde Irritation im Saal, doch dann legt Pehl los: „Bett? Bett!! Ich will noch nicht ins Bett…“, woraus sich fabelhaft beschwingt die allseits bekannte Nummer „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ aus „My Fair Lady“ entwickelte. Allerbeste Stimmung im Saal.

Und ganz zum Schluss noch ein Zuckerl auf den Weg: Pehl, Schröter und Hosp singen mit dem Publikum ein Gute-Nacht-Lied der anderen Art, den Mozartschen Kanon „Bona nox“, in dem das Wolferl mit Lust seinen Hang zum Schlüpfrig-Deftigen auslebt. Und zwar in der Originalfassung…   (Sabine Näher)

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