Die ZUK-Volontäre Sofie Basarke (li.) und Lena Schlieter halten Bartagame „Chico“ in der Hand. Alle Reptilien im ZUK sind ungiftig und beißen nicht.
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Die ZUK-Volontäre Sofie Basarke (li.) und Lena Schlieter halten Bartagame „Chico“ in der Hand. Alle Reptilien im ZUK sind ungiftig und beißen nicht.

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Blick hinter besondere Türen: Reptilien finden neue Heimat im Kloster

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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In der Adventszeit wirft der Tölzer Kurier in jeder Ausgabe einen Blick hinter eine Tür im Landkreis, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt. Heute: Das Biolabor im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern.

Benediktbeuern – Im Klosterland in Benediktbeuern kreucht und fleucht so einiges, was sich in der Natur des Alpenvorlands wohlfühlt. Aber nur wenige wissen, dass im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Terrarien auch exotische Tiere leben, genauer gesagt ein großer grüner Leguan, eine Perleidechse, sechs Bartagamen, zehn Leopardgeckos, einige Feuersalamander und zirka 200 000 Blattschneiderameisen. Einige kann man auch mal vor der Tür treffen – aber nur im Sommer.

Die Terrarien der Reptilien stehen im sogenannten Biolabor, das es seit Bestehen des ZUK, also seit gut 30 Jahren, gibt. Es dient der Umweltbildung von Jugendlichen. In dem Raum stehen auch einige Mikroskope, in dem Kinder kleinste Lebewesen beobachten können, etwa, wenn sie von einer Tümpelsafari auf dem Klosterland kommen. Vor rund 15 Jahren wurde das Biolabor in Zusammenarbeit mit der Reptilienauffangstation in München erweitert, berichtet ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger. Ziel sei, die Umweltbildung dahingehend zu ergänzen, dass die jungen Besucher auch andere Lebensräume auf der Welt kennen und schätzen lernen und zugleich ihre Scheu ablegen. Eines ist dem ZUK aber wichtig: „Es ist kein Zoo“, betont der Rektor.

Das Biolabor kann man bei Führungen besuchen. Die Tiere leben in speziell für sie hergerichteten Terrarien, die ihren Lebensraum nachbilden. Zudem gibt es Wärmelampen. Die Volontäre im ZUK kümmern sich um die Pflege. Die Reptilien fressen zum Beispiel Salat, Mehlwürmer und Heuschrecken. Manchmal sitzen sie tagelang an einer Stelle.

Die Tiere sind alle ungiftig und beißen nicht. Zudem tolerieren sie es, in der Hand gehalten zu werden, etwa die Bartagamen. „Sie mögen die kuschelige Wärme“, sagt der Rektor. Er beobachtet gerne, wie sich Kinder trauen, die Echsen zu berühren: Erst streichen sie vorsichtig über Schwanz und Rücken, dann darf das Reptil meistens auf die Hand. „Alle sind überrascht, wie warm die Echse ist, und dass die Stacheln ganz weich sind.“

Aufgepasst, hier leben Echsen: Schon an der Tür erahnt man, welche Tiere dort wohnen.

Ziel sei es, den Besuchern die Heimat der Tiere im Wüstenklima näher zu bringen. „Wir sprechen über die unterschiedlichen Lebensräume auf den verschiedenen Kontinenten und erklären, wie alles zusammenhängt, auch mit unserem Leben hier“, sagt der Rektor. Vor allem von dem großen Leguan seien viele fasziniert. Meist sitzt er auf einem Ast, und wenn er nicht allzu träge ist, hebt er den Kopf. Mit fünf Kilo ist das Tier relativ schwer, deshalb darf man es nicht selbst hochnehmen. Wenn er es zulässt, halten ihn die Betreuer, und man darf ihn kurz streicheln. An ganz warmen Tagen im Sommer darf das Reptil auch im Apfelbaum vor dem Maierhof sitzen, unter Aufsicht natürlich. „Dann frisst er Moos, Blätter und Fliegen“, sagt Geißinger.

Die Blattschneiderameisen leben seit 25 Jahren mit ihrer Königin im ZUK. Mit rund 200 000 Mitgliedern ist ihre Kolonie aber im Vergleich zur freien Wildbahn eher klein, sagt der Pater lächelnd. Die Ameisen sind sogar schon mal ausgebüxt und haben die Rosenstöcke vor dem Maierhof geplündert. Die Mitarbeiter trugen es mit Fassung. „Das zeigt, wie gut sich die Tiere selbst versorgen können“, freute sich der Pater. „Wenn es nachts kälter wird, gehen sie alle zurück ins Terrarium.“ Und so war es dann auch. Allerdings wurden anschließend die „Fluchtwege“ verschlossen.

Auch die Tatsache, dass es sechs Bartagamen werden, war nicht geplant. Als das angebliche Männchen trächtig war, musste man flugs eine Lösung finden. Denn Bartagamen tolerieren nicht, mit ihrem Nachwuchs beziehungsweise Geschwistern zu leben. Nun haben sie alle ihr eigenes kleines Reich.

Eine Besonderheit im Biolabor sind die Feuersalamander. Die kleinen, schwarz-gelben Gesellen kann man an Bächen auch in der heimischen Natur entdecken – allerdings immer seltener. Denn ihr Bestand ist seit einigen Jahren durch die Ausbreitung eines asiatischen Pilzes gefährdet. „Große Teile Europas sind schon ohne Feuersalamander“, weiß der Pater.

Die Salamander im ZUK stammen aus einer Züchtung. „Wir werden sie nicht in die freie Wildbahn entlassen, denn man soll sie nicht reinmischen.“ Vermutlich werde man Feuersalamander eines Tages aber nur noch in Terrarien sehen können.

Das Biolabor im ZUK kann man nach Vereinbarung besichtigen, in der Corona-Zeit nur mit der eigenen Familie. Ansonsten ist es jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr geöffnet. Infos gibt es im Internet auf www.zuk-bb.de oder unter Telefon 0 88 57/88-777. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

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