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Wichtiger Besuch: Der Deutsche Botschafter im Südsudan, Jan Hendrick van Thiel (li.), besuchte ein Flüchtlingslager auf dem Gelände der Salesianer in der Hauptstadt Juba und ließ sich von Bruder Lothar Wagner (re.) erklären, was die Ordensgemeinschaft dort alles für die mehr als 10 000 Flüchtlinge tut.

Einsatz im Südsudan

Salesianer Lothar Wagner aus Benediktbeuern kümmert sich um Kindersoldaten

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Im Juni hat der Salesianer Lothar Wagner im Südsudan mit einer neuen Arbeit begonnen: Er kümmert sich um Kindersoldaten und Straßenkinder. Keine leichte Aufgabe in einem Land, das noch vom Bürgerkrieg gebeutelt ist.

Benediktbeuern/Wau – Es ist heiß, sehr heiß. Temperaturen bis zu 37 Grad sind derzeit Alltag in Wau, der zweitgrößten Stadt im Südsudan. Dort befindet sich seit Juni das neue Zuhause von Lothar Wagner (44) aus dem Kloster Benediktbeuern.

Jeder Tag ist dort eine neue Herausforderung. Der Bürgerkrieg gilt zwar als beendet, doch der Frieden ist brüchig. „Abends ab 20 Uhr müssen wir im Haus sein“, berichtet Wagner per E-Mail. Nachts höre man Einschüsse von Maschinengewehr-Salven in der Stadt. „Das ist schon erschreckend, wie schnell man sich daran gewöhnt.“

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Der Bürgerkrieg hat viele Menschen in Flüchtlingscamps getrieben. „In Wau leben 50 000 Menschen in Camps“, berichtet Wagner. Auch auf dem Gelände der Salesianerpfarrei gibt es ein Camp mit rund 1000 Flüchtlingen. Vor allem Frauen und Kinder haben dort Zuflucht gesucht. Die Betreuung der Flüchtlinge sei „eine Herkulesaufgabe“, sagt Wagner.

In diesem Camp haben die Salesianer in den vergangenen Jahren Schulen aufgebaut und bieten Ausbildungskurse an, etwa zum Maurer, Schreiner, Schweißer und Kfz-Mechaniker, auch einige Computer sind vorhanden. „Durch diese Ausbildungsmaßnahme kann der Teufelskreis von Analphabetismus, Armut und Hunger für derzeit 350 Jugendliche durchbrochen werden“, berichtet Wagner. Zudem sind 110 Jugendliche in einem Förderlehrgang , in dem sie ihre Talente und Fähigkeiten entdecken können. „Dieser Lehrgang wird in den kommenden drei Jahren durch das deutsche Entwicklungshilfeministerium finanziert“, freut sich Wagner. Man arbeite hier mit dem Malteser-Hilfsdienst zusammen.

Rund um die Uhr im Einsatz für Straßenkinder

Neu sind seit September Hilfsangebote für Straßenkinder und Kindersoldaten in Wau. Zuerst musste deren Situation analysiert werden, dann wurde ein pädagogisches Konzept erarbeitet. „Der Start ist uns gelungen“, schreibt Wagner, gleichwohl liege aber noch sehr viel Arbeit vor dem Team, denn die Anlaufstelle, ein Gebäude in der Stadt, sei in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Acht Salesianer und einige Mitarbeiter kümmern sich Tag und Nacht um die Straßenkinder. „Sie haben kaum oder gar keinen Kontakt mehr zu ihren Familien“, so Wagner. Rund um die Uhr ist jemand von dem Team da, bietet den Kindern eine warme Mahlzeit, eine Möglichkeit zum Waschen und eine geschützte Schlafstätte. „Die Kinder erhalten auch medizinische und psychologische Hilfe“, sagt Wagner. Man kläre sie zudem über ihre Rechte auf und helfe Kontakt zu den Eltern herzustellen, soweit überhaupt noch möglich. „Jedes Kind soll so weit stabilisiert werden, dass es in Familie und Schule reintegriert werden kann.“

Das ist jedoch nicht einfach. Viele Kinder sind traumatisiert, weil im Bürgerkrieg sowohl die Regierungspartei als auch deren Gegner Jugendliche als Kindersoldaten rekrutiert haben. Die Kinder mussten kämpfen oder als Köche, Spione und Boten arbeiten, berichtet Wagner, viele wurden zudem vergewaltigt. Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt die Zahl der Betroffenen auf 19 000 Kinder. Zu hunderten, schreibt Wagner, werden diese Jungen und Mädchen jetzt, nach Unterzeichnung des Friedensabkommens, freigelassen.

Reha-Zentrum für traumatisierte Kinder

Die Salesianer errichten derzeit in der Stadt Kuajok nördlich von Wau ein Rehablitationszentrum. „In dieser Region wurden die meisten Kindersoldaten rekrutiert“, sagt Wagner, der diese Einrichtung in Kuajok leiten wird. „Trotz schwieriger Bedingungen für den Bau liegen wir im Zeitplan und hoffen, dass Ende des Jahres die ersten Kinder einziehen können.“ Das Reha-Zentrum wird Platz für 32 traumatisierte Mädchen und Jungen bieten.

Auch wenn die Situation für humanitäre Helfer im Südsudan schwierig und gefährlich ist, der Ordensmann nimmt die Herausforderung an und lässt sich nicht entmutigen. Kraft dafür findet er in seinem Glauben. „Auch wenn viele Hilfsorganisationen das Land verlassen haben, wir sind da“, sagt der 44-Jährige.

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