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Manche Pfeifen wiegen laut Werner Liepert bis zu 20 Kilogramm.

Sandtner-Orgel in der Marienkirche

Nächste Reinigung erst in 35 Jahren nötig

Seit 1976 sorgt die Pfeifenorgel in der Benediktbeurer Marienkirche für den richtigen Ton bei Gottesdiensten. Seit knapp zwei Wochen wird das Instrument generalüberholt. Dabei tauchten unvermutete Schäden auf – und die vergessene Geschichte einer fehlgeleiteten Taube.

Benediktbeuern – 1146. So viele Pfeifen besitzt die Sandtner-Orgel, die seit über 40 Jahren auf der Empore der Marienkirche in Benediktbeuern steht. Und Werner Liepert und Moritz Unger haben in den vergangenen Tagen jede einzelne dieser Pfeifen in der Hand gehabt.

Der Orgelbauer und der Auszubildende von der Orgelbaufirma Sandtner aus Dillingen haben jede ausgebaut und gereinigt – eine Arbeit, die bitter nötig war nach all den Jahren, denn: „In den Pfeifen lagert sich im Laufe der Zeit Dreck ab“, erklärt Liepert. Dieser Dreck verstopfe nach und nach die sogenannte Kernspalte am unteren Ende der Pfeife. „Als Kernspalte bezeichnet man die Lücke, wo der Ton entsteht“, so Liepert. Die Folge: Die Töne, die die Pfeifen produzieren, werden immer leiser. Schlimmstenfalls hört man vom Orgelspiel gar nichts mehr. Oder das Instrument klingt verstimmt – aber so schlimm war es zum Glück noch nicht.

In Kräfte zehrender Handarbeit mussten die Experten jede Pfeife ausbauen und über eine schmale Leiter aus der Orgel hinabtragen. Dazu muss man wissen, dass die größten Pfeifen 20 Kilogramm wiegen. „Mit einer Flaschenbürste haben wir den Dreck dann angelöst und mit dem Kompressor ausgeblasen.“ Bei dieser Putzaktion, die direkt vor Ort vorgenommen wurde, haben die Handwerker in einer der Pfeifen Glasscherben gefunden. Wie diese da hineinkamen? Liepert hat von Mesner Christian Höck erfahren, dass an irgendeinem Pfingstsonntag eine Zuchttaube in das Kirchenfenster hinter der Orgel geflogen ist. Die Scheibe ging dabei zu Bruch. „Aber die Taube hat überlebt.“

Auch das Orgel-Gehäuse aus Kiefernholz wurde gereinigt, die Registerzüge poliert und neu lackiert sowie Kleinigkeiten an der Technik nachreguliert, wie Firmenchef Norbert Bender erläutert. Und wie es so ist bei Sanierungsarbeiten, kamen Schäden zutage, von denen man bis dato nichts ahnte. Beispielsweise entdeckten die Experten Schimmelbefall an einigen Holzteilen. Ursache dafür ist laut Orgelbaumeister Bender außer dem Klimawandel auch ein falsches Lüftungsverhalten. „Das sollte man in Zukunft optimieren“, rät Bender. Sonst komme der Schimmel zurück.

Manche Pfeifen wiegen laut Werner Liepert bis zu 20 Kilogramm. 

Außerdem entdeckten die Experten, dass die sogenannten Pulpeten im Innern der Orgel teilweise korrodiert waren – für den Orgel-Restaurator ein erhebliches gesundheitliches Risiko, denn: Wenn das Blei, aus dem die Pulpeten bestehen, korrodiert, zerfällt es zu feinem Staub. Dieser Bleistaub werde durch den Wind, den die Orgel beim Spielen erzeuge, in der Kirche verteilt und von den Kirchenbesuchern eingeatmet. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden die Bleipulpeten gegen solche aus Edelstahl ausgetauscht.

Diese Woche werden die Orgelbauer mit dem Einbau der Pfeifen sowie dem Stimmen des Instruments beschäftigt sein. „Fertigstellungstermin ist der 15. Juli“, so Bender. Kosten der Maßnahme für die Pfarrei: „Ein niedriger fünfstelliger Betrag“, bleibt Bender vage. Die nächsten 35 Jahre müsse die Orgel nun nicht mehr gereinigt werden, ist er sich sicher. Auch technisch dürfte wieder alles funktionieren. Lediglich der Schimmel könnte dem Instrument wieder zusetzen.

Übrigens: Einige Teile der Orgel in der Marienkirche sind laut Bender wesentlich älter als 40 Jahre. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden bei Restaurierungsarbeiten aus der Hauptorgel der Benediktbeurer Klosterkirche (18. Jahrhundert) ausgebaut. (Von Franziska Seliger)

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