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Unterrichtsstunde auf der Tenne: Landwirt Franz Sindlhauser (li.) stellt die tägliche Arbeit am Bauernhof vor.

Schule auf dem Bauernhof: Lehrerfortbildung in der Praxis

Wie lässt sich das Thema Bauernhof in den Unterricht einbauen? Darüber informierte sich jetzt eine Gruppe von Lehrern auf dem Abrahamhof in Benediktbeuern.

Benediktbeuern – Die Laufenten watscheln gemütlich über den Hof, der Hahn kräht lauthals auf der Wiese, im Hintergrund kommen die Pferde von der Koppel in den Stall galoppiert. Wahrlich ein Wohlfühlambiente für Mensch und Tier. Die Rede ist vom Abrahamhof der Familie Sindlhauser in Benediktbeuern. Dieser ist einer von sechs ausgebildeten und zertifizierten Höfen im Landkreis Bad Tölz-Wolfrathausen, der das Programm „Erlebnis Bauernhof“ für Schulklassen anbietet.

„Kinder sollen den Bauernhof anschauen, erleben und selbst Hand anlegen“, sagt Bauer Franz Sindlhauser. Im Rahmen einer Fortbildung für Lehrkräfte der Grund- und Förderschulen im Landkreis erzählt er sowohl Geschichtliches über das Anwesen, Fakten aus der Landwirtschaft als auch über die Wichtigkeit, den Kindern näherzubringen, worin eigentlich die Arbeit eines landwirtschaftlichen Betriebs besteht. „Der Großteil weiß nicht, was man auf einem Bauernhof macht“, gibt Sindlhauser zu bedenken. „Nicht mal im Dorf.“

Veranstaltet wurde die Fortbildung auf dem Abrahamhof vom Amt für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten Holzkirchen. „Seit 2012 gibt es die Erlebnis-Bauernhöfe“, berichtet Amtsmitarbeiterin Maria Holzer. „Das Lernprogramm wird vom Staatsministerium gefördert.“ Jedes Grundschulkind soll während der Schulzeit laut Staatsminister Helmut Brunner einmal auf einem Bauernhof gewesen sein. Die zentrale Frage dabei ist: Wo kommt eigentlich unser Essen her?

Aber nicht nur theoretisch sollten die Lehrerinnen einen Überblick dieses Lernprogramms erhalten. Auch den Hof haben sie erkundet. Langsam, leise, lieb: die wichtigste Regel im Umgang mit den Tieren. Sowohl bei den Erwachsenen als auch dann später einmal bei den Mädchen und Buben. Mit Begeisterung wurde das Raufutter im Kuhstall verteilt, der Heuboden begutachtet und auch mit den Pferden geschmust. Erfahrungen, die dann bei einem Besuch auch die Kinder machen sollen. In diesem Schuljahr werden mit dem Projekt Klassen der dritten und vierten Jahrgangsstufe sowie alle Jahrgänge der Förderschule gefördert. „Wir wollen das Angebot aber vor allem in den Grundschulen noch erweitern“, sagt Holzer. „Die verschiedenen Lehrprogramme sollen auch noch besser mit dem Lehrplan abgestimmt werden.“

Alle zwei bis drei Jahre findet laut Holzer eine Fortbildung dieser Art statt. 27 Grund- und Förderschullehrerinnen aus dem Schulamtsbereich Bad Tölz-Wolfratshausen nahmen dieses Mal daran teil. „Ich war schon vier Mal mit meiner Klasse bei Familie Sindlhauser“, erzählt Jana Briksa von der Jahnschule Bad Tölz. „Ich bin heute hier, weil ich den beiden auch ein Stück Anerkennung zukommen lassen möchte.“ Besonders lobt sie den liebevollen Umgang der Landwirte mit den Kindern.

Für die Bauernhöfe ist der außerschulische Lernort oft ein zweites Standbein. „Die wenigsten können allein von der Landwirtschaft leben“, meint Holzer. Auch „Urlaub auf dem Bauernhof“ kann man bei Familie Sindlhauser machen. „Die Kinder dürfen immer und überall mit dabei sein“, erzählt Cordula Sindlhauser. Aber ob nun Urlaub oder Schulausflug, eines ist der Bäuerin besonders wichtig: „Wir wollen unsere Arbeit an die Kinder vermitteln.“ Und ihr Mann ergänzt: „Die Kinder können jederzeit zu uns kommen. Hauptsache, sie gehen raus.“

Tamara Scheid

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