Auch das Braunkehlchen gehört zu den gefährdeten Arten. Der Bestand im Loisachtal ist derzeit der größte in Bayern, doch er nimmt stark ab.
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Auch das Braunkehlchen gehört zu den gefährdeten Arten. Der Bestand im Loisachtal ist derzeit der größte in Bayern, doch er nimmt stark ab.

Wiesenbrüter

Schutz für Braunkehlchen & Co: Bitte Wege im Loisach-Kochelsee-Moor nicht verlassen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Im Loisach-Kochelsee-Moor hat nun wieder die Schutzphase für bedrohte Vogelarten begonnen. Sie nisten in der Wiese. Es wird gebeten, nicht querfeldein zu laufen oder zu radeln und vor allem, Hunde an der Leine zu führen. Die geschützten Bereiche sind gekennzeichnet.

Benediktbeuern/Kochel am See/Schlehdorf – Vom 20. März bis zum 15. Juli gibt es Betretungsregeln für bestimmte Bereiche im Loisach-Kochelsee-Moor. Das Areal gehört zu den größten und wichtigsten Gebieten für Vögel in Europa. Hier leben zahlreiche, stark vom Aussterben bedrohte Vogelarten, die von nun an in den Wiesen nisten und brüten („Wiesenbrüter“). Das sind zum Beispiel Braunkehlchen, Bekassine, Kiebitz, Feldlerche, Wiesenpieper, Wachtel und Wachtelkönig sowie der Große Brachvogel.

Hundebesitzer werden aufgefordert, die Hinterlassenschaften der Vierbeiner aufzusammeln

Elisabeth Pleyl vom Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) am Kloster Benediktbeuern ist die Gebietsbetreuerin für das Loisach-Kochelsee-Moor. Sie arbeitet unter anderem zusammen mit den ehrenamtlichen Mitgliedern der Naturschutzwacht Kochel (sie besteht aus Mitgliedern der Bergwacht) sowie drei geschulten Wiesenbrüterberatern des Landesamts für Umwelt. Sie sind alle regelmäßig vor Ort, beobachten die Situation und sprechen Menschen an, wenn diese die Schutzzonen betreten oder ihre Hunde frei laufen lassen.

„Schon eine Annäherung von drei- bis vierhundert Metern genügt, dass sich ein Vogel gestört fühlt, auffliegt und das Nest zurücklässt“, erklärt Pleyl. Ganz wichtig sei auch, dass Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere einsammeln.

80 Brutpaare des Braunkehlchens gezählt

Alle Wiesenbrüter sind vom Aussterben bedroht. „Auch bei uns spiegelt sich der bundesweite Trend“, sagt Pleyl. „Vor 15 Jahren hatten wir noch einen doppelt so großen Bestand.“ Als Beispiel nennt sie das Braunkehlchen. Hier gebe es im Loisach-Kochelsee-Moor sogar bayernweit die größte Schar. Bei der Kartierung im vergangenen Jahr wurden rund 80 Brutpaare gezählt, doch die Tendenz sei stark fallend. „Alle Wiesenbrüter in unserer Region stehen schon auf der Roten Liste.“ Das liege am Rückgang der Nahrungsquelle, sprich Insekten.

Das Braunkehlchen ist mit 12,5 Zentimetern etwas kleiner als ein Spatz. Der Kopf ist braun-schwarz, Kehle und Brust sind orange-gelb und der Bauch weißlich. Zum Singen und auf der Beutejagd nach Insekten sitzt es gerne auf Weidezäunen oder hohen Stauden. Im Winter lebt es südlich der Sahara in den Savannen Afrikas. „Es ist erstaunlich, dass trotz dieser langen und weiten Reise knapp 30 Prozent jedes Frühjahr den Rückflug überleben“, sagt Pleyl. Umso fataler sei es, dass auch hier mittlerweile das Überleben stark bedroht sei.

Vor Kurzem Bruterfolg beim Großen Bachvogel erzielt

Das Braunkehlchen baut sein Nest in der Wiese, am liebsten in einer Streuwiese, und brütet dort zwei Wochen. Sind die Jungtiere geschlüpft, bleiben sie noch zwei weitere Wochen im Nest. Dann sind sie besonders gefährdet für Beutegreifer wie Fuchs und Marder.

Vor einigen Wochen wurden vor allem im Schlehdorfer Bereich Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt, berichtet Pleyl. Das geschehe unter großer Abwägung mit den anderen im Moor lebenden Tieren, betont Pleyl. Hintergrund sei, dass an manchen Stellen diese Baumbestände als Verstecke von Füchsen, Bussarden oder Milanen dienen würden, was eine zusätzliche Gefahr für die kleinen Vögel darstelle. Einzelne Gelege, sagt Pleyl, würde man sehr stark beobachten. Zwar konnte man jüngst einen Bruterfolg beim Großen Brachvogel erzielen, „doch in der Summe ist es viel zu wenig“. Man müsse jedes Jahr aufs Neue für die Wiesenbrüter kämpfen, so die Gebietsbetreuerin.

Zusammenarbeit mit Landwirten: Vor der Mahd werden die Nester gerettet

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Landwirte. Im vergangenen Sommer gab es Absprachen vor der Mahd: Die Ehrenamtlichen wurden benachrichtigt und gingen vor der Mahd die Bereiche ab, begleiteten die Bauern und konnten so Nester retten. „Das hat gut funktioniert“, sagt Pleyl. Es sei zeitaufwendig, aber lohne sich. Landwirte würden auch helfen, indem sie viele Brachstreifen auf spätmahdigen Wiesen stehen ließen. Pleyl ist darüber dankbar: „Wir Naturschützer wissen ja auch, unter welch großem Druck die Landwirte stehen.“

Eine große Verantwortung trügen jedoch auch die vielen Spaziergänger und Radfahrer im Moos. Pleyl appelliert, die gesperrten Wege zu beachten. Jede können mithelfen, in dem er die Regeln beachte oder andere darauf aufmerksam mache. Im ganzen Moor gibt es überall Hinweis-Tafeln für die Vögel. „Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist die Chance, dass die Vögel überleben.“

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