Die Produktion beginnt: Theresia Unterhaslberger schüttet Leindotter in die Mühle, die das Öl herauspresst.
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Die Produktion beginnt: Theresia Unterhaslberger schüttet Leindotter in die Mühle, die das Öl herauspresst.

Projekt von Theresia Unterhaslberger

Die einzige Ölmühle im Landkreis steht in Benediktbeuern

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Was machen Menschen nicht alles, wenn sie Rentner werden. Theresia Unterhaslberger eröffnete eine Ölmühle.

Benediktbeuern – So wirklich spektakulär sieht die kleine Ölmühle nicht aus. Sie versteckt sich im hintersten Winkel von Unterhaslbergers Keller. Um die Apparatur zu starten, schüttet die Benediktbeurerin mit einem Messbecher die Samenkörner in einen Trichter. Eine Spindel transportiert die Körner vorwärts. Sie stauen sich am Ausgang und werden gepresst. Durch eine Öffnung gelangt der Presskuchen ins Freie und fällt in einen Sack. Unterdessen tropft durch ein Sieb das Öl heraus. „Im Prinzip funktioniert so eine Ölpresse wie großer Fleischwolf“, sagt Unterhaslberger.

Eine einfache Apparatur, doch der Teufel steckt im Detail. „Es gab ganz viele schlaflose Nächte, bis ich alles raus hatte“, gibt die Benediktbeurerin zu. „Jedes Mal, wenn eine neue Saat geliefert wird, muss man an der Einstellung tüfteln, damit der Ertrag stimmt. Das fordert einen schon heraus.“ Bisweilen stößt sie an ihre Grenzen: „Da steht man davor, und es will einfach nicht laufen. Man hat keine Ahnung, warum und wieso.“ Am nächsten Tag verwendet sie eine andere Saat, „und plötzlich geht’s wieder – ganz kurios“. Mittlerweile habe sie viel Wissen gesammelt, und Pannen dieser Art gibt es nur noch ganz selten.

Wie kommt man auf die Idee, eine Ölmühle zu betreiben? „Die Idee ist aus meiner Arbeit entstanden“, antwortet Unterhaslberger. Bis 2018 habe sie in Benediktbeuern eine Naturheilpraxis betrieben. Dabei habe sie sich viel mit dem Darm beschäftigt. „Und bei dieser Gelegenheit bin ich über den Leindotter gestolpert. Das Öl hat mir vom Fettsäure-Muster her so gut gefallen, dass ich mir gleich ein paar Proben habe schicken lassen. Ich hab’ es jahrelang eingenommen und festgestellt, dass das eine total interessante Pflanze ist.“ Der Leindotter sei nicht umgezüchtet, existiere in seiner Urform, stelle keinen großen Anspruch an den Boden und müsse nicht gedüngt werden. Nicht zuletzt habe die Pflanze die Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren genau im richtigen Verhältnis: „Ich mische es beim Frühstück ins Müsli und am Mittag in den Blattsalat oder in den Joghurt.“

Unterhaslbergers nächster Gedanke: „Jetzt brauche ich auch noch ein gscheites Bratfett.“ Also begann sie damit, Kokosraspeln zu pressen: „Bratkartoffeln werden damit wunderbar verdaut und liegen nicht im Magen“, sagt die 67-Jährige. Dann erweiterte sie ihr Sortiment um Sonnenblumenöl, das sie allerdings nicht zum Braten verwendet: „Ich zieh’ es zwischen die Zähne und lasse es fünf Minuten im Mund. Beim Ausspucken kommen unwahrscheinlich viele Bakterien raus – eine alte russische Methode.“ Gerne verwendet sie das Öl auch für Kartoffelsalat. Zuletzt begann sie auch noch Hanföl zu pressen, „weil da unwahrscheinlich tolle Fettsäuren drin sind“.

Unterhaslberger verwendet ausschließlich Bio-Ware. Der Hanf stammt vom Kernzlhof in Münsing, der Leindotter vom Biolandhof Braun in Freising. Die Sonnenblumenkerne aus nicht genetisch bearbeiteten Sonnenblumen-Sorten liefert ein Großhändler aus Italien oder Ungarn, „weil wir hier so wenig gute Sonnen-Einstrahlung haben“. Die Kokosraspel kommen aus Sri Lanka.

Das Öl presst Unterhaslberger ganz langsam bei 30 bis 35 Grad. Dies sei ein gravierender Unterschied zu den größeren Mühlen, die das vermeintlich kalt gepresste Öl auf 90 Grad erhitzen: „Dabei geht schon bei 60 Grad ein Großteil der Inhaltsstoffe kaputt“, sagt die Benediktbeurerin. „Das sind tote Öle, die haben nichts mehr mit einem Nahrungsmittel zu tun.“ Mal abgesehen davon, dass auch viel Geschmack verloren gehe.

Die Haltbarkeit der Flüssigkeiten ist begrenzt: Das Leindotteröl muss innerhalb von sieben Wochen nach Öffnung der Flasche verbraucht werden. Sonnenblumen- und Hanföl halten neun Monate, das Kokosöl ein Jahr.

Ursprünglich presste Unterhaslberger die Öle nur für den Eigengebrauch. Mittlerweile verkauft sie sie über das Internet (www.ölmühle-benediktbeuern.de) sowie in einigen Geschäften. Auch wenn die Presse ein paar Einnahmen bringt, bleibt es für Unterhaslberger ein Hobby, die Presse läuft nur ein- bis zweimal pro Woche. Unterhaslberger: „Es ist einfach meine Leidenschaft, ordentliche Lebensmittel zu produzieren.“

Bezugsquellen

Die Benediktbeurer Öle gibt es in folgenden Geschäften: Metzgerei Geiger in Wolfratshausen, Dorfladen Gelting, Sauerlacher Markt, Off-Mühle Sindelsdorf, Unverpackt-Laden Bad Tölz, Gut&Gern Bio-Hof-Laden München.

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