Mesner Christian Höck kümmert sich um die Benediktus-Glocke.
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Mesner Christian Höck kümmert sich um die Benediktus-Glocke.

Serie im Advent

Blick hinter besondere Türen: Was die Benediktus-Glocke in der Basilika in Benediktbeuern alles erzählt

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Fast fünf Tonnen wiegt sie, die Benediktus-Glocke im Nordturm der Basilika des Klosters Benediktbeuern. Seit 1723 hängt die Glocke genau an dieser Stelle.

Benediktbeuern – 5000 Kilogramm lassen sich schließlich nicht mal eben so bewegen. Das Gewicht war auch der Grund, warum die Glocke im Zweiten Weltkrieg nicht abgenommen und eingeschmolzen wurde. Denn um die Rüstungsindustrie zu unterstützen, wurden damals sehr viele Kirchenglocken in Deutschland eingezogen, unter anderem die vier aus dem Südturm der Basilika. Sie standen auf dem sogenannten „Glockenfriedhof“ in Hamburg. Das Kloster hatte einigermaßen Glück: „Nach dem Krieg kamen drei Glocken wieder nach Benediktbeuern zurück“, sagt Mesner Christian Höck, der zahlreiche historische Unterlagen über die Glocken verwaltet. Das Geläut der Basilika war übrigens erst 1980 wieder vollständig, als die sogenannte „Don-Bosco-Glocke“ im Südturm aufgehängt wurde.

Aber zurück zur Benediktus-Glocke: Man kann sich kaum vorstellen, wie es 1723 vonstatten ging, die tonnenschwere Glocke in den Turm zu hieven. Gegossen wurde sie in München, dann ging es mit Pferdefuhrwerken – unter anderem über den Wolfratshauser Berg – nach Benediktbeuern. Vom Friedhof aus wurde sie dann teils mit Pferdekraft, teils von Menschenkraft, vermutlich mit einem ausgetüftelten Flaschenzug, an der Außenseite in den Turm hinaufgezogen. „Dafür musste das Schallloch im Turm vergrößert werden, um sie hineinzubringen“, sagt Höck. Und da hängt sie nun seit 1723.

Die Benediktus-Glocke ist die größte und schwerste in der Region und hängt allein im 45 Meter hohen Nordturm, erreichbar über 120 Stufen. Zum Vergleich: Im Südturm hängen vier Glocken, die jeweils 1700, 850, 700 und 350 Kilogramm wiegen. Der Mesner steigt regelmäßig hinauf, um nach dem Rechten zu sehen.

Durch diese alte Tür geht es in den Glockenturm.

Heute wie damals haben viele Menschen zur Benediktus-Glocke einen ganz besonderen Bezug. 1803, als im Zuge der Säkularisation selbst die Glocken der Klosterkirchen verkauft und eingeschmolzen wurden, stemmte sich die Bevölkerung dagegen und konnte „ihre“ Glocke dem Staat wieder abkaufen. Mesner Höck hat noch historische Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, wer wie viele Gulden und Kreuzer spendete, egal ob Knecht, Bauer oder Handelsmann. Es waren nicht nur die Benediktbeurer (das Dorf hieß damals noch Laingruben), die Geld gaben. Zahlreiche Gehöfte und Weiler zwischen Jachenau, Kleinweil und Eurasburg sind aufgelistet.

Kein Wunder, denn das Läuten der Glocke spielte im Alltag der Menschen damals eine größere Rolle als heute. Zum Beispiel war man überzeugt, dass bei einem heranziehenden Unwetter minutenlanges Geläut helfen würde, die dunklen Wolken zu vertreiben – und so die Ernte zu sichern, erzählt Höck. Heute noch wird am Vorabend vor bestimmten Feiertagen – etwa Fronleichnam – 15 Minuten geläutet. „Es ist das Einläuten des Feiertags, immer verbunden mit dem Wunsch, man möge schönes Wetter bei der Prozession haben“, sagt Höck.

Jahrhundertelang hing die Benediktus-Glocke im Glockenstuhl an einer Eichenholz-Konstruktion. „Das hatte zur Folge, dass beim Läuten immer der ganze Turm wankte“, berichtet Höck. Aus statischen Gründen wurde deshalb 1964 eine Generalsanierung durchgeführt. Die Glocke hängt seither an einer Stahlkonstruktion.

Früher ging ein Seil nach unten, das sich in drei Stränge teilte. Denn drei Männer waren notwendig, um die schwere Glocke zum Läuten zu bringen. Seit 1964 gibt es ein elektrisches Läutwerk. Mesner Höck muss für das Läuten nur noch einen Hebel in der Sakristei betätigen – oder auf einen Funkknopf drücken, zum Beispiel, wenn man sich für eine Beerdigung draußen auf dem Friedhof aufhält. Der Glockenschlag, der Tag und Nacht die volle Stunde mitteilt, erfolgt per Hammer und richtet sich nach den Impulsen der inzwischen funkferngesteuerten Hauptuhr in der Sakristei.

Höck kann sich auch noch an Zeiten erinnern, als er an Silvester in der Basilika sein musste, um Punkt Mitternacht das Geläut von Hand einzuschalten. Auch das gehört der Vergangenheit an: Man kann es jetzt automatisch programmieren.

Die Serie: In der Adventszeit wirft der Tölzer Kurier in jeder Ausgabe einen Blick hinter eine Tür im Landkreis, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt. Bereits erschienen: So sieht die Arrestzelle der Tölzer Polizei aus. Das verbirgt sich hinter dem goldenen Tor am Sylvenstein. Das passiert im Bahnbetriebswerk in Lenggries.  Reptilien finden neue Heimat im Kloster Benediktbeuern. Ein ungewöhnlicher Blick in eine Jahreskrippe. So sieht es in der Gruft in Schloss Hohenburg aus.

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