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Steinbock-Auswilderung an der Benediktenwand: „Hat sich für heuer erledigt“

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Von: Felicitas Bogner

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Wer sie entdeckt, erlebt ein wahres Bergsteigerglück: Seit über 50 Jahren gibt es Steinböcke auf der Benediktenwand.
Wer sie entdeckt, erlebt ein wahres Bergsteigerglück: Seit über 50 Jahren gibt es Steinböcke auf der Benediktenwand. © Karin Kreiß

Im Mai - so war es eigentlich geplant - sollten an der Benediktenwand neue Steinböcke aus der Schweiz angesiedelt werden. Noch aber verzögert sich das Vorhaben.

Benediktbeuern – Etwa 100 Steinböcke tummeln sich an der Benediktenwand. Doch da die tierische Gesellschaft hier in sich geschlossen lebt, gibt es bekanntermaßen ein Problem: Sie leidet unter mangelnder genetischer Vielfalt. Das Inzuchtproblem haben auch unlängst wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Daher sollen neue Artgenossen mit neuem Genpool an der Benediktenwand ausgewildert werden. Konkret handelt es sich um zehn Steinböcke aus der Schweiz. Angekündigt war diese Aktion für Ende Mai dieses Jahres. Doch ein Kommunikationsproblem bringt diesen Zeitplan nun durcheinander.

Denn auf Nachfrage unserer Zeitung stellt sich nun heraus: Heuer werden keine Steinböcke aus der Schweiz mehr an der Benediktenwand ausgewildert. Der Antrag von Wolfgang Morlang, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Bad Tölz, geht in die Verlängerung bis ins kommende Frühjahr 2023. Dabei gab es wohl Komplikationen. Der Lenggrieser ist als Kreisjagdverbandsvorsitzender zuständig für die aufwendigen Formalitäten.

Steinböcke an der Benediktenwand: „Noch Fragen zu klären“

Sabine Schmid, Sprecherin im Landratsamt bestätigt: „Das Thema hat sich für dieses Jahr erledigt.“ Grund dafür sei, dass der Antrag zur Auswilderung bei der Obersten Jagdbehörde im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Genehmigung liege. „Dazu muss noch der Oberste Jagdbeirat gehört werden“, gibt sie bekannt.

Eine Sprecherin des Obersten Jagdbeirats äußert sich dazu lediglich wie folgt: „Aus Sicht des Obersten Jagdbeirates sind noch Fragen zu klären. Dies geschieht im Moment.“ Auf Nachfrage, um welche Fragen es sich handle, gibt es allerdings keine weitere Antwort.

Bei den Verzögerungen geht es laut Forstdirektor Korbinian Wolf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen darum, dass „die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung des Obersten Jagdbeirats vom April ergeben hat, dass das Verfahren mangels ausreichender Unterlagen nicht entscheidungsreif ist“. Das Staatsministerium habe die Verantwortlichen vor Ort – das wäre Morlang – Mitte April gebeten, mitzuteilen, ob für 2023 eine Aussetzung geplant ist. Hierfür müssten die Verantwortlichen bei der Obersten Jagdbehörde einen überarbeiteten aussagekräftigen Antrag auf Genehmigung der Aussetzung für 2023 vorlegen, erklärt Wolf weiter.

Bester Zeitpunkt für den Fang der Steinböcke ist im April

Bei Recherchen unserer Zeitung kam heraus, dass dieses Schreiben nicht an Wolfgang Morlang ging, sondern an das hiesige Landratsamt. Morlang wurde mittlerweile allerdings darüber informiert. „Erst wusste ich von keinem Schreiben, dann war mir nicht klar, dass ich darauf reagieren muss. Ich dachte, solange ich nicht widerspreche, wird der Antrag automatisch verlängert“, begründet er. Nun habe er unverzüglich alle Mitglieder des Tölzer Jagdverbands informiert und ein entsprechendes Schreiben bereits an die Oberste Jagdbehörde gesendet, mit der Bitte um Verlängerung des Antrags und den zusätzlich eingeforderten Informationen. „Es war wohl alles ein Kommunikationsproblem“, sagt Morlang.

Das bestätigt auch Sabine Schmid von Seiten des Landratsamts. „Der Kreisjagdverband Bad Tölz als Antragsteller und die Untere Jagdbehörde sind aufgrund eines Kommunikationsproblems davon ausgegangen, dass das begonnene Antragsverfahren weiterläuft. Zwischenzeitlich wurde mit dem Ministerium jedoch geklärt, dass an dem Antrag festgehalten wird.“

Trotz Behördenschreiben hin und her hätte man – so oder so – die Auswilderung heuer nicht mehr durchführen können. Denn: „Der beste Zeitraum für den Fang der Steinböcke im Wallis und für das Aussetzen an der Benediktenwand ist Ende April“, betont Schmid. Wolf erklärt dazu auch: „An die Aussetzung von Wildtieren wird heutzutage in Deutschland auch angesichts der Anforderungen an das Tierwohl ein entsprechend hoher Maßstab angelegt.“ Nun sei das neue Ziel laut Landratsamt, die Aktion im nächsten Jahr durchzuführen. Die erforderlichen Genehmigungen der Schweiz würden laut Schmid auch für 2023 gelten. Wie genau die Ansiedlung dann vonstattengeht, werde man beizeiten genau festlegen, so Morlang.

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