Damit die nächsten Steinbock-Generationen vital und widerstandsfähig bleiben, soll die isoliert lebende Kolonie an der Benediktenwand kommendes Jahr durch zehn Tiere aus der Schweiz ergänzt werden.
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Damit die nächsten Steinbock-Generationen vital und widerstandsfähig bleiben, soll die isoliert lebende Kolonie an der Benediktenwand kommendes Jahr durch zehn Tiere aus der Schweiz ergänzt werden.

Anträge auf Aus- und Einfuhr gestellt

Steinböcke: Ihren Umzug an die Benediktenwand müssen zwei Behörden absegnen

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Die Steinbock-Kolonie an der Benediktenwand soll Verstärkung aus der Schweiz bekommen. Mittlerweile lässt sich genauer sagen, wann die Umsiedlung vonstatten gehen könnte.

Benediktbeuern – Der Plan, an der Benediktenwand zehn weitere Steinböcke anzusiedeln, ist dieser Tage einen weiteren konkreten Schritt vorangekommen: Der Kreisjagdverband Bad Tölz als Projektträger hat Mitte August die nötigen Anträge bei den Behörden in Bayern und der Schweiz eingereicht. Geht alles gut, könnten die zusätzlichen Tiere, die die jetzige Kolonie verstärken sollen, bereits im Frühjahr 2022 eine neue Heimat an der Benediktenwand finden.

Engagierte Jäger haben die Steinböcke an der Benediktenwand immer im Block

Die Anträge auszufüllen, „das war meine Urlaubsbeschäftigung“, sagt Wolfgang Morlang mit einem Lachen. Der Lenggrieser ist Vorsitzender des Kreisjagdverbands und hat die nötige Formalität übernommen. Für das Vorhaben der Steinbock-Umsiedlung arbeitet der Kreisjagdverband mit der Arbeitsgruppe Steinwild der Hegegemeinschaft Isarwinkel, dem Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich sowie dem Landratsamt als untere Jagdbehörde zusammen. Als „eigentlichen Motor“ des Vorhabens bezeichnet Morlang aber eine „Steinwild-Truppe“, bestehend aus „sehr rührigen“ Jägern, die im Gebiet der Benediktenwand im Einsatz sind, die Steinböcke immer genau im Blick haben und zum Beispiel auch zweimal jährlich den Bestand zählen. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Jagdpächter der Reviere Wegscheid, Schlegldorf und Arzbach sowie die zuständigen Revierförster der Staatsforsten.

Gejagt werden die Steinböcke laut Morlang nicht, für sie gelte eine ganzjährige Schonzeit. Nur im Einzelfall werde in krankes oder verletztes Tier zum Abschuss freigegeben.

Behörden in Bayern und in der Schweiz müssen der Steinbock-Umsiedlung zustimmen

Der jetzt geplanten Umsiedlung zustimmen müssen auf der einen Seite das schweizerische Bundesamt für Umwelt in Bern, auf der anderen Seite das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Oberste Jagdbehörde. Einmal muss die Aus-, einmal die Einfuhr von Wildtieren genehmigt werden. Prinzipiell ist das nämlich untersagt, etwa um die Ansiedlung und Ausbreitung nicht heimischer Tierarten zu unterbinden. „Ein Waschbär darf nicht eingeführt werden“, nennt Morlang ein Beispiel.

Bei den Steinböcken hat er in seinen Anträgen aber aus seiner Sicht gute Argumente ins Feld geführt. Dabei konnte er auch auf die fundierte wissenschaftliche Begleitung durch Iris Biebach von der Uni Zürich zurückgreifen. Sie habe in mehreren Forschungsvorhaben den Lebensraum der Steinböcke an der Benediktenwand genau in den Blick genommen – und dabei auch den Genpool der hier heimischen Tiere untersucht, etwa anhand von Losungsproben oder anhand der Kadaver gestorbener Tiere.

Steinbock-Kolonie an der Benediktenwand braucht frisches Blut

Das Ergebnis: Die Inzuchtquote ist zu hoch. Die isoliert lebende Kolonie an der Benediktenwand besteht aus 80 bis 100 Tieren – und die stammen alle von denselben wenigen Tieren ab: dem legendären „Alten“, einem einst aus dem Bächental zugewanderten Bock, und vier Stück Steinwild, die 1967 aus dem Schweizer Wildgehege St. Gallen hergebracht wurden, sowie zwei weiteren Tieren die später dazukamen. Damit die nächsten Steinbock-Generationen gesund und widerstandsfähig bleiben, muss nach Experten-Meinung dringend frisches Blut her.

Auch Morlang persönlich unterstützt die Einfuhr der zehn neuen Steinböcke „vorbehaltlos“, wie er sagt. Schließlich handele es sich um eine „Tierart, die hier eigentlich heimisch ist und die zu uns gehört“. Erst durch die Jagd im 19. Jahrhundert seien die Bestände dezimiert worden. Wenn diese schönen Tiere die Region wieder bevölkern, dann sieht Morlang darin ein Zeichen für eine „gesunde Natur“.

Steinbock-Umsiedlung an die Benediktenwand kostet 100.000 Euro

Platz genug für eine Vergrößerung des Bestands an der Benediktenwand sei jedenfalls. Im Idealfall könne es auch sein, dass Tiere abwandern zu den nächsten bestehenden Kolonien im Landkreis Miesbach und in Tirol.

Offenbar stehen auch etliche andere Menschen dem Vorhaben positiv gegenüber. Denn viele – vor allem Jäger – haben für das Ansiedlungsprojekt bereits eifrig gespendet. „Dazu gab es auch einige Großspender“, sagt Morlang. Er hat deswegen keine Bedenken, dass der Kreisjagdverband die 10.000 Euro zusammenbekommt, die er als eigenen Beitrag leisten muss. Für weitere 90.000 Euro gebe es bereits eine Zusage vom Bayerischen Jagdverband, der dafür wiederum Mittel aus der Jagdabgabe – der Gebühr für Ausgabe und Erneuerung von Jagdscheinen – verwendet. Die Gesamtkosten von 100.000 Euro sind damit abgedeckt.

Im Frühjahr könnten Steinböcke von der Schweiz nach Bayern umziehen

Morlang hofft nun auf positive Behördenbescheide innerhalb der kommenden Wochen. Planmäßig würden die Steinböcke dann im Frühjahr in der Schweiz eingefangen, medizinisch untersucht und nach Bayern transportiert. Wie genau die Ansiedlung vonstatten geht, werde man beizeiten festlegen.

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