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Landgericht

Stinkefinger-Streit mit 300 Euro beigelegt

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Seit Längerem tobt ein Streit zwischen einem Handwerker aus Sindelsdorf und dem Bürgermeister von Benediktbeuern. Als der Sindelsdorfer angeblich den Stinkefinger zeigte, wurde es gerichtsmäßig. Gestern war letzter Termin.

Benediktbeuern/München Früher waren sie freundschaftlich verbunden, ihre Frauen sind verwandt. Man traf sich, feierte gemeinsam Geburtstag. Doch dann kam es zum bösen Streit, bei dem es um einen Neubau im Gewerbegebiet und Altlasten im Boden geht. Als der Streit sich immer weiter hochschaukelte, soll ein Spenglermeister (53) aus Sindelsdorf den Bürgermeister von Benediktbeuern (56) am Vormittag des 24. August 2015 mit dem Auto verfolgt und ihm schließlich den Mittelfinger gezeigt haben.

Diese als „Stinkefinger“ bekannte Geste brachte dem Sindelsdorfer eine Anzeige ein. Im April 2016 verurteilte ihn das Amtsgericht Wolfratshausen wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 40 Euro (1600 Euro). Doch der Mann sah sich zu Unrecht verurteilt und legte Berufung ein. Deshalb wurde der Fall am Mittwoch vor dem Landgericht München II noch einmal aufgerollt.

Der angeklagte Spenglermeister erzählte vorab die Geschichte, die hinter dem Streit zwischen ihm und Bürgermeister Johann Kiefersauer steckt. Seine Frau habe ein Grundstück von der Gemeinde Benediktbeuern gekauft – und diese habe sich als Verkäuferin verpflichtet, die „massiven Altlasten“ zu sanieren und zu entsorgen. „Wir haben darauf vertraut.“ Doch die Kommune habe sich nicht daran gehalten. „Wir wollten, dass das anständig saniert wird, aber das hatten die gar nicht vor. Das ist Betrug.“

Weil der Sindelsdorfer sich das nicht gefallen lassen habe, sei er dann „schikaniert“ worden, sagte er. Die Gemeinde habe beim Landratsamt eine Nutzungsuntersagung erwirkt, weil die Wohnung zu groß geworden sei. Außerdem habe sie zwei Rückkaufforderungen gestellt. Bezüglich der Grundstücksgeschichte läuft ein Zivilprozess.

Während der Bauphase des Mehrstockgebäudes, das er auf dem Grundstück errichtete, sei er schwer krank geworden, berichtete der Angeklagte. Er beziehe jetzt eine Rente wegen Berufsunfähigkeit.

Nach der ersten Rückforderung 2015 sei er dem Bürgermeister mit dem Auto hinterhergefahren, „weil er uns so schikaniert hat“. Er habe sich gedacht: Wenn der was ungenehmigt macht, dann kriegt er auch mal was auf die Finger. Das habe sich bestätigt. Kiefersauer sei einer unerlaubten Nebentätigkeit in seinem alten Betrieb nachgegangen, sagte der Angeklagte. Auf dem Parkplatz vor diesem Betrieb habe ihn der Bürgermeister aufgefordert, das Autofenster runterzukurbeln. Daraufhin habe er, der Angeklagte, das rechte Auge nach unten gezogen – nach dem Motto: Du kannst mich mal.

Kiefersauer fuhr zur Polizei nach Kochel, wohin ihm der Sindelsdorfer erneut folgte. Ein Polizist sagte Letzterem, dass sich der Bürgermeister verfolgt fühle und den Verfolger anzeigen wolle. „Ich sagte: Dann zeige ich ihn wegen unerlaubter Nebentätigkeit an.“ Von Beleidigung und Stinkefinger sei überhaupt keine Rede gewesen.

Der Bürgermeister berichtete als Zeuge, dass es 2015 begonnen habe, dass er sich von dem 53-Jährigen verfolgt gefühlt habe. „Er ist mir immer wieder nachgefahren und ist dagestanden. Ich wusste nicht, warum.“ Beim vierten Mal habe er ihn fragen wollen und habe ihm angedeutet, das Fenster runterzukurbeln. Stattdessen habe der 53-Jährige mit der linken Hand sein Augenlid heruntergezogen – und ihm mit der anderen Hand „die berühmte Geste“ gezeigt. Angezeigt habe er den Sindelsdorfer erst, als dieser bei der Polizei sagte, dass er ihn wegen der Nebentätigkeit anzeige. „Da dachte ich mir: Jetzt reicht’s. Ich zeige ihn an.“ Was die Nebentätigkeit betrifft, so habe er lediglich in seiner Freizeit und unentgeltlich seinem Sohn geholfen. „Ich wusste nicht, dass ich das melden muss. Es wurde nachträglich vom Landratsamt genehmigt.“

Am Ende regte die Richterin an, das Verfahren gegen eine Geldauflage zugunsten eines gemeinnützigen Jugendhilfe-Vereins einzustellen. Sie schlug 200 Euro vor. Da sagte der Angeklagte von sich aus: „Mach ma 300.“ Nun ist der Prozess eingestellt.

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