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Pater Karl Geißinger (re.) erklärt den Besuchern zuerst Grundsätzliches zu den Tieren mit Hilfe von Fotografien. Erst als es dunkel wurde, ging es in den Park hinter dem Kloster.

Fledermausführung am Kloster Benediktbeuern

Stuntmen am Nachthimmel

Benediktbeuern – Die Fledermaus-Führungen sind jedes Jahr der Renner unter den Führungen im ZUK. Sie sind spannend, interessant und auch ein kleines bisschen gruselig.

Ihr Ruf ist bei vielen Menschen nicht gerade der Beste. Fledermäuse bringt man mit Gruselfilmen in Verbindung, manche finden die Tierchen eklig oder denken gar an Blut saugende Vampire. Wie unrecht den Fledermäusen damit getan wird, ist bei einer Führung zu erfahren, die das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern regelmäßig anbietet.

Oliver (li.) und sein Freund Lukas aus Geretsried lauschen mit Detektoren dem „Knattern“ der Fledermäuse.

An diesem lauen Frühlingsabend Mitte Mai sind es etwa 15 Erwachsene und Kinder, die mehr über die Flattermänner lernen wollen. Die haben zwar nichts zu tun mit dem legendären Batman aus dem Kino, könnten den fliegenden Helden aber jederzeit in die Tasche stecken. Wenn es ihn denn gäbe, denn: „Fledermäuse können viel besser fliegen als jeder Vogel“, erklärt P. Karl Geißinger.

Staunende Blicke bei den Besuchern, als der ZUK-Rektor erklärt, dass Fledermäuse auf dem Rücken oder sogar rückwärts fliegen können. Sogar Loopings beherrschen die Tiere. Und oft hängen sie kopfüber herum, weiß Schülerin Sonja, die mit ihrer Mama aus Ried gekommen ist, und schon ganz zappelig darauf wartet, endlich Fledermäuse sehen zu können. Noch ist es jedoch etwas zu hell für die nachtaktiven Tiere.

Geißinger nutzt die Zeit, bevor die Fledermäuse zu ihrer abendlichen Jagd auf Insekten starten, um Grundsätzliches über die Fledermäuse und ihr Sommerquartier im Kloster zu erklären. In ganz Bayern sind 32 verschiedene Arten bekannt, allein zwölf davon leben rund um das Kloster, unter ihnen eine Kolonie des „Großen Mausohrs“ mit bis zu 600 Tieren im Dachstuhl des Klosters oder Bartfledermäuse in den Turmzwiebeln. Diese lassen sich auch vom Schlag der Glocken nicht stören, sagt Geißinger.

Dann erzählt er von Fledermausarten mit vier Ohrmuscheln. Davon, dass die Tiere dreidimensional hören und bis zu 40 Jahren alt werden können. Und dass die Putzfrauen im Kloster sich immer wieder fragen, wer denn Schmetterlingen die Flügel ausreißt, weil diese zuhauf im alten Holzgang herumliegen. Die Fledermäuse – etwa die Langohr-Fledermaus – fressen die Insekten, die Flügel aber nicht, erklärt Geißinger.

Besonders süß finden die Kinder die „Kleine Hufeisennase“, die ebenfalls im Kloster vorkommt. „Die hat so einen süßen Knutschmund“, findet Sonja.

Beim „Großen Mausohr“ besteht kein Zweifel, woher der Name kommt. Sie nisten über dem Barocksaal.

Weil gerade die jungen Fledermäuse geboren werden, führt Geißinger die Besucher nicht auf den Dachstuhl hinauf, sondern in einen kleinen verwilderten Park mit hohen Bäumen und vielen heimischen Pflanzenarten. „Hier sammeln sich die Insekten“, erklärt er. Ein ideales Jagdrevier also für die Fledermäuse. Es ist jetzt fast dunkel und Geißinger verteilt Detektoren, mit denen man den „mehrstimmigen Gesang“ der Fledermäuse als Knatter-Geräusch hören kann. Zuerst ist es nur ein Tier – Geißinger vermutet eine kleine Bartfledermaus –, das über den nächtlichen Himmel huscht. Kreuz und quer. Dann werden es drei, vier und mehr. Begeistert folgen die Finger der Kinder den rasanten Flugmanövern der kleinen Flugkünstler. „Da ist noch eine.“ „Und da knattert wieder eine.“ Je nachdem wie es im Detektor knattert – ob eher metallisch oder aggressiv – könne man auf die Art schließen, erklärt Geißinger. Seit kurzem lebt übrigens auch die Breitflügel-Fledermaus am Kloster. „Die Art kommt eigentlich im Mittelmeer-Raum vor.“

Familie Sohi aus Penzberg ist begeistert von dem spätabendlichen Schauspiel. „Das sind ja so interessante Tiere“, findet Vater Majid. Nach 45 Minuten haben alle einen steifen Nacken vom In-den-Himmel-Schauen. Die Fledermäuse haben vorerst alle Insekten in dem Himmelsbereich abgegrast und sind zum nächsten Jagdquartier weitergezogen. Zum Abschluss betont Geißinger die große Bedeutung der kleinen Tiere für das Ökosystem und appelliert an die Besucher, nach Möglichkeit Fledermauskästen im heimischen Garten aufzuhängen. Denn da die Häuser immer besser isoliert seien, fänden die Tiere keine Quartiere mehr, wo etwa die Mütter ihre Jungen aufziehen können.

Begeistert gehen an diesem Abend vor allem die Kinder nach Hause. An Vampire denken sie künftig nicht mehr, wenn sie Fledermäuse sehen. Und eklig finden sie die Tierchen auch nicht mehr. „Ich wäre auch gerne eine Fledermaus“, sagt ein Bub und saust Arme schlagend über den Parkplatz davon.

Weitere Führungen

Die nächste Fledermausführung des Natursommer Loisachtal findet am Sonntag, 7. August um 20 Uhr statt. Infos und Anmeldung auch bei den Gäste-Infos in Bad Heilbrunn, Kochel und Benediktbeuern.

Franziska Seliger

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