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In der Nacht zum Sonntag hatte es bei einigen Ständen die Dächer abgedeckt. Dass der Benediktbeurer Christkindlmarkt abgesagt wurde, hatte auch versicherungstechnische Gründe.

Vereine und Besucher tragen es mit Fassung

Sturmtief „Marielou“ fegt Benediktbeurer Christkindlmarkt davon

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Zum ersten Mal seit Bestehen wurde am Sonntag der Benediktbeurer Christkindlmarkt abgesagt. Grund war Sturmtief „Marielou“, das über den Landkreis brauste. Organisatoren, Verkäufer und Besucher trugen es mit Fassung. Jetzt wird nach Lösungen gesucht, was mit all dem Selbstgemachten passiert.

Benediktbeuern– Schon morgens um 7 Uhr trafen sich die Organisatoren am Sonntag zur Lagebesprechung. In den Stunden zuvor war das angekündigte Sturmtief „Marielou“ eingetroffen. „Bei einigen Ständen hatte es die Dächer abgedeckt“, berichtete Christine Glaser vom Organisationsteam des Christkindlmarkts. Die Beteiligten erörterten die Lage und mögliche Konsequenzen. „Die Standbetreiber arbeiten auf eigenes Risiko, sie sind versicherungsmäßig nicht über die Gemeinde abgedeckt“, erklärte Glaser. Man habe dann mehrheitlich entschieden, den Markt aus Sicherheitsgründen abzusagen.


Um 10 Uhr, als der Markt eigentlich hätte beginnen sollen, pfiff der Wind durch die Dorfstraße, phasenweise regnete es kräftig. Viele Stände waren schon wieder abgebaut. Die ersten Besucher wussten noch nichts von der Absage. „Wir kommen jedes Jahr aus München hierher“, sagte ein älteres Ehepaar. „Die Absage ist schade, aber verständlich. Sicherheit geht vor. Die vielen Vereine tun uns leid“, sagten die beiden. Ähnlich äußerte sich ein Ehepaar aus Garmisch. „Es ist sinnvoll, den Markt abzusagen. Bei uns bläst es genauso. Es kann halt schnell was passieren.“

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Im Laufe des Vormittags erfuhren die Besucher von der Absage entweder auf der Internetseite des Tölzer Kurier oder aus dem Radio. Auch im Rathaus gingen zahlreiche Anrufe ein, berichtete Bürgermeister Hans Kiefersauer: „Schade, dass der Markt abgesagt werden musste, denn da steckt viel Aufwand dahinter.“ Gleichwohl äußerte er Verständnis: „Sicherheit geht vor.“ Ein Ersatztermin sei nicht geplant, dieser wäre zu aufwendig zu organisieren, so Kiefersauer.

Die Standbetreiber, darunter zahlreiche Vereine, die sich teils seit Monaten auf den Markt vorbereitet haben, trugen die Absage mit Fassung. „Es ist für alle ein harter Schlag, aber die Einsicht ist groß“, sagte Christine Glaser vom Organisationsteam. Es ist das erste Mal in der 45-jährigen Geschichte des Markts, dass dieser abgesagt wird.

Die Erlöse kommen nicht nur den Vereinen zugute, sondern werden auch gespendet. Gefragt sind jetzt kreative Lösungen. Der Frauenbund Benediktbeuern hat beschlossen, die Waren am kommenden Freitag von 13 bis 17 Uhr in der Jugendherberge Miriam zu verkaufen – unter anderem wieder handgestrickte Socken, Handschuhe Mützen, Klosterarbeiten, Marmeladen und Liköre. „Uns wichtig, auch weiterhin für soziale Einrichtungen spenden zu können“, sagte Erna Klingebiel. Auch bei anderen Vereinen laufen Planungen, wie man jetzt verfährt. Vieles muss noch abgesprochen werden. Der Trachtenverein Barmstoana gibt seine selbstgemachten Sachen ebenfalls auf Spendenbasis ab. „Wir sind dankbar, dass uns der Bäcker Brezen und Semmeln wieder zurücknimmt“, sagte Vorstand Kilian Wüchner. Auch Bergwacht und Skiclub überlegen, wo sie Maroni, Glühwein und Co. verkaufen können. „Die Solidarität unter den Vereinen ist groß“, sagte Marcus Klingler vom Skiclub.

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Für andere hingegen war Schicht im Schacht. „Die Sachen kann ich jetzt wegschmeißen“, sagte Brigitte Krüger aus Großweil, die an ihrem Stand „Waldwerkstatt“ unter anderem Rosen aus Wachs verkaufen wollte.

Stattgefunden hat hingegen der Christkindlmarkt an der Reindlschmiede in Heilbrunn. Die Aussteller hatten ihre Waren teils mit Planen bedeckt.

Auch andere Veranstalter in der Region hatten mit dem widrigen Wetter zu kämpfen. „Wir hatten ebenfalls Krisensitzung“, berichtete Rudi Rohrmoser, Wirt der „Reindlschmiede“ in Heilbrunn. Dort hat man sich dann aber entschieden, den Markt durchzuführen. Von 40 Ständen befinden sich immerhin 15 in einem Gebäude. Die 25 Verkäufer im Freien schützten ihre Waren so gut wie möglich, etwa mit Plastikplanen. Abgesagt wurden jedoch die Pferdekutschfahrten in die Ramsau.

Sturmtief „Marielou“ sorgte für ein ungemütliches Wochenende in der Region. Vielfach waren Äste von Bäumen auf Straßen beziehungsweise Schienen gefallen. Deshalb gab es am Samstagmorgen auch bei Behinderungen bei der Kochelseebahn.

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