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Eine Schülergruppe fand vor 25 Jahren diesen geheimnisvollen Tonkrug unterhalb des Gipfels der Benediktenwand.  

Geheimnisvoller Fund vor 25 Jahren

Ein Tonkrug zur Abwehr von Hexenzauber

Benediktbeuern - Glaubten die Menschen vor 500 Jahren, dass auf der Benediktenwand die Hexen tanzten? Darauf deutet ein spektakulärer Fund hin, den eine Schulklasse vor 25 Jahren machte. Ein vergrabener Tonkrug, dessen Inhalt von Fachleuten als mittelalterlicher Abwehrzauber gedeutet wurde.

Prof. Stefan Winghart, heute Präsident des niedersächsischen Amtes für Denkmalpflege, erinnert sich noch genau an den „faszinierenden Fund“ im Frühsommer 1991. Ein Deggendorfer Lehrer war mit seiner Schulklasse auf die 1801 Meter hohe Benediktenwand gestiegen. Knapp unterhalb des Gipfels entdeckten die 15- und 16-Jährigen ein durch Hangabrutschung fast freigelegtes, vollständig erhaltenes gut 20 Zentimeter großes Tongefäß mit zunächst undefinierbarem Inhalt. Dem archäologisch wohl nicht unbedarftem Lehrer ist laut Winghart zu verdanken, dass der Krug intakt geborgen und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zur Begutachtung übergeben wurde. Winghart war damals dort Mitarbeiter und deutete den raren und merkwürdigen Fund in der Zeitschrift „Das archäologische Jahr“.

Merkwürdig und letztendlich nicht sicher geklärt ist die Entdeckung bis heute. Leider sind aus der Zeit des Spätmittelalters kaum Schriften über die religiösen und parareligiösen Praktiken des einfachen Volks erhalten. Umso wichtiger, sagt Winghart, seien „dingliche Überlieferungen“ wie der Tonkrug-Fund von der Benediktenwand. Auch wenn die Interpretation, wie der Wissenschaftler zugibt, letztlich im spekulativen Raum bleiben muss.

Der Schatz in dem Krug bestand aus mehreren fladenartigen Lagen von Wacholderbeeren, die durch dünne, rundlich bis eckig zugeschnittene und von zahllosen Hammerschlägen zerbeulte Kupferbleche getrennt waren. Das Oxid des Metalls hatte die Beeren vorzüglich konserviert. Die Bleche waren Teile eines napfartigen Tiegels, wie sie auf Burgen zum Sieden von Pech verwendet wurden.

Was hatte dieser Tonkrug zu bedeuten? Zunächst zur Datierung: Winghart ist überzeugt, dass der dünnwandige, scheibengedrehte Topf mit Deckel aus hart gebranntem Ton aufgrund der Randprofilierung auf den Beginn des 15. Jahrhunderts und damit mitten in eine Zeit des politischen und religiösen Umbruchs zu datieren ist.

Aufschlussreich war und ist für den Archäologen vor allem der Inhalt des Kruges. Wacholder, altbairisch Kran(e)wit genannt, sei als Heilmittel gebräuchlich gewesen. Der immergrüne Strauch habe als Symbol der Fruchtbarkeit gegolten. Die Zweige mit den starren, stechenden Nadeln sollten den Teufel, die Hexen und andere böse Geister abwehren. Winghart zitiert eine alte Volksweisheit: „Eichenlaub und Kranewit, das mag der Teufel nit.“

Auch das dem Kupfertiegel anhaftende Pech deutete der Denkmalpfleger als frühes Medikament der Tiermedizin. Selbst in seiner höllischen Spielart stehe der reinigende und sühnende Charakter im Vordergrund.

Der Archäologe spannt den Bogen noch weiter und stellt einen Zusammenhang zum Kloster Benediktbeuern her. Von ihm hat die einstmals Kirchstein genannte Benediktenwand wohl ihren Namen. Winghart zitiert in seiner Aufsatzüberschrift den ersten Satz aus dem Benediktussegen („Vade retro Satana!“), dem in der Barockzeit besondere zauberabwehrende Kraft zugesprochen wurde.

Diese Indizien führen Winghart zu der Überzeugung, dass es sich bei dem Tonkrug um einen mittelalterlichen Abwehrzauber handelte. Nach allgemeiner Überzeugung in jener Zeit trafen sich Hexen auf Berggipfeln (etwa dem Blocksberg im Harz), um dort ihre satanischen Rituale abzuhalten. Winghart fragt sich, ob die Benediktenwand, über deren düsterer und schroffer Nordwand sich häufig dunkle Wolken und Gewitter ballen, als Tanzplatz der Hexen galt? Und er denkt darüber nach, ob es ein heimlicher, eher heidnischer Akt gewesen ist, als der unbekannte Hexenbekämpfer einst unterhalb des Gipfels des Berges seinen Tonkrug vergrub. Oder geschah das gar mit Wissen der Klostergemeinschaft?

Antworten darauf gibt es nicht, aber die Fragen alleine sind spannend. Eine neue Bewertung des Fundes gibt es nicht. Lediglich bei der Datierung würde Dr. Christian Later vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege aufgrund des Gesamteindrucks des Tonkrugs vorsichtig eher von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sprechen. Um es genauer zu sagen, müsse er freilich das Original vor Augen haben, sagt Later. Der Krug wurde freilich damals nach der archäologischen Aufnahme wieder an den Deggendorfer Lehrer zurückgegeben.

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