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Trauer im Kloster Benediktbeuern

Ein Pater mit Humor und Kanten: Leo Weber ist tot

  • Alois Ostler
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Trauer um Pater Leo Weber: Der verdiente Kirchen- und Kunsthistoriker des Klosters Benediktbeuern ist am Sonntagmorgen gestorben – drei Tage nach seinem 91. Geburtstag.

Benediktbeuern – Er war ein absoluter Kenner der Klostergeschichte. Für die bayerischen Gebirgsschützenkompanien war er über Jahrzehnte der „historische Beistand“. Und er galt als humorvoller und engagierter Wissenschaftler. Noch im hohen Alter hat er sich als „Bettelmönch“ besondere Verdienste erworben, als er mit vielen Spendenaktionen den Erhalt des Don-Bosco-Clubs sicherte.

In den vergangenen Jahren war es still geworden um Pater Leo Weber. Der Ordensmann war seit über einem Jahr ein Pflegefall und ans Bett gefesselt. Der Orden hatte einen Pflegedienst für seinen Mitbruder organisiert.

„Sein Geist war noch hellwach, als ich ihn an seinem Geburtstag besucht habe“, sagt der Benediktbeurer Bürgermeister Toni Ortlieb. „Ich habe gespürt, dass er mich noch erkannt hat.“ Pater Weber war laut Ortlieb ein Teil von Benediktbeuern. Mit seiner zupackenden Art und seinem tiefen Wissen habe er eine hohe Reputation ausgestrahlt. Der ganze Ort werde ihm einen gebührenden Abschied bereiten.

Für seine vielfältigen Verdienste um das Klosterdorf hatte ihn die Gemeinde Benediktbeuern anlässlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenbürger ernannt. Diese Würdigung sei ein Dank für die vorbildliche und herausragende Arbeit von Pater Weber, sagte der damalige Bürgermeister Georg Rauchenberger bei der Verleihung.

Pater Leo Weber bei einer Messe im Petersdom anlässlich einer Romreise der Gebirgsschützen im Jahr 2006.

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos trauert um einen „sehr kantigen Mitbruder mit viel Sinn für großen Humor“, sagt Klosterdirektor Pater Lothar Bily. „Leo Weber hat uns viele heitere Anekdoten geliefert“, sagt Pater Bily.

Zu Besuch in Rom

Leo Weber verbrachte fast 70 Jahre in Benediktbeuern, wo er 1961 die Priesterweihe empfing. Sein Elternhaus stand in Gosheim auf der Schwäbischen Alb, wo er als sechstes von acht Kindern zur Welt kam. Der junge Leo besuchte dort die Volksschule und absolvierte eine Malerlehre, ehe der damals 16-Jährige kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst verpflichtet wurde. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft drückte er nochmals die Schulbank. Er besuchte ab 1947 das Spätberufenen-Seminar der Salesianer Don Boscos in Buxheim, um Priester zu werden. 1949 kam er ans damalige Gymnasium Benediktbeuern, wo er 1954 das Abitur ablegte und 1961 die Priesterweihe empfing. Neben den jugendpastoralen Aufgaben widmete sich Weber dem Studium. Er promovierte in Kunstgeschichte und erwarb einen philosophischen Doktor, deshalb der nicht alltägliche Doppeltitel DDr. Weber. Der Ordensmann nahm’s mit Humor, dass er bei so vielen akademischen Graden schon mal als „Professor Leo Leo Weber“ begrüßt wurde. Er war viele Jahre lang Kirchen- und Kunsthistoriker der Ordenshochschule. Die letzte lebende Angehörige ist Webers Schwester Elisabeth, die dem Orden der Don-Bosco-Schwestern angehört.

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Mit großer Leidenschaft hat sich Leo Weber der Geschichte der Gebirgsschützen angenommen. „Schon Mitte der 1970er-Jahre haben wir ihn als unseren Geschichtsforscher entdeckt“, sagt Landeshauptmann Martin Haberfellner. „Vieles, was wir heute über die Gebirgsschützen wissen, haben wir Pater Weber zu verdanken“, sagt Haberfellner. „Wir vermissen einen guten Freund, und wir werden Leo Weber als guten Freund in Erinnerung behalten“. Pater Weber war Ehrenmitglied bei der Antlaßschützenkompanie Benediktbeuern-Ried und beim Bund der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien. Deshalb ist es laut Haberfellner eine Ehrensache, dass die Schützen dem Verstorbenen das letzte Geleit geben werden.

Das Requiem für Pater Leo Weber findet am Samstag, 21. Dezember, um 11 Uhr in der Basilika in Benediktbeuern statt mit anschließender Beerdigung im Friedhof der Salesianer. Der Rosenkranz wird gebetet am Donnerstag, 19. Dezember, um 19.30 Uhr in der Hauskapelle des Klosters und am Freitag, 20. Dezember, um 19 Uhr in der Marienkirche.

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