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Musik und heiße Schokolade beim vergnüglichen Silvesterkonzert mit (v.li.) Gesine Petersmann, Robert Schröter, Andreas Pehl und Brendan O’Donnell.

Klassik zum Jahreswechsel

Unterhaltsames Silvesterkonzert im Barocksaal

Lustig war Trumpf beim Silvesterkonzert, zu dem der Countertenor Andreas Pehl zusammen mit drei befreundeten Solisten bereits seit 17 Jahren zum Jahreswechsel in den Barocksaal des Klosters Benediktbeuern einlädt. Diesmal haben sie ihrem treuen Publikum einen schönen Bären aufgebunden:

Benediktbeuern – Ein unbekannter Komponist aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, von dem Bach und Mozart die Ideen für ihr „Wohltemperiertes Klavier“ und die „Zauberflöte“ geklaut haben sollen? Nein, diesen Franz Xaver Baptist Sedlmayr hat’s natürlich nie gegeben, und für solch einen Fake muss man auch nicht erst bei Google nachschauen.

Sein Programm stellte das Quartett mit Gesine Petersmann (Barockcello), Brendan O’Donnell (Blockflöte) und Robert Schröter (Cembalo) diesmal unter dem Titel „Musicalisches Tafel-Confect“ und verband Musik aus dem 18. Jahrhundert mit einer kleinen Kulturgeschichte von Kakao und Schokolade.

Nun ja – dieser Zusammenhang ist nicht unbedingt zwingend, doch er bietet reichlich Stoff für vergnügliche Zitate, Anekdoten und Pointen rund um eine verführerische Grundsubstanz mit Suchtpotenzial. Die Schokolade beziehungsweise die Kakaobohne stammt aus dem Aztekenreich, und man sagt ihr nach, nicht nur ein Glücksbotenstoff, sondern auch ein Aphrodisiakum zu sein.

Mit dem Gebrauch zeitgenössischer beziehungsweise nachgebauter Instrumente und durchaus flotten Tempi pflegen Countertenor Andreas Pehl und seine Mitstreiter einen „authentischen“ Aufführungsstil, bei dem sie auf hohem musikalischen Niveau danach streben, sich dem Originalklang des 18. Jahrhunderts anzunähern. Auf dem Programm standen Arien und reine Instrumentalstücke von Rathgeber, Gluck, Royer, Händel, Telemann, Moscheles, Hasse und eben jener Eigenkreation „Sedlmayr“. Dabei wurde deutlich, dass auch die zweite und dritte Garnitur von Komponisten zu allen Zeiten ebenfalls sehr ansprechende Werke geschaffen hat.

Begonnen hatte der Abend mit Valentin Rathgebers respektlos-plattem „Von den Weibsbildern“ mit solch wenig freundlichen Zeilen wie „Lang am Haar / kurtz am Verstand / ist das Weibs-Volck wie bekandt …“, was Cellistin Gesine Petersmann so verstimmte, dass sie nur mit Schokolade und dem rokoko-ähnlichen Soundtrack von Ron Goodwin zu „Miss Marple“ zum Weitermachen bewegt werden konnte. Das Publikum amüsierte sich sehr darüber.

Andreas Pehl machte während des Konzertes mehrfach mit Andeutungen deutlich, dass er und das Kloster-Management in Sachen Vermietung des Barocksaals in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Und er kündigte an, dass er seine Veranstaltung deshalb ab dem nächsten Jahr in den Allianzsaal des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) im benachbarten Maierhof verlegen wird.

Rainer Bannier

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