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Protest: Die Benediktbeurer Bürgerinitiative macht sich für den Erhalt des Lainbachwalds stark. 

Bürgerinitiative gegen Abholzung 

Unterschriften sollen Lainbachwald retten

Rund drei Hektar Wald möchte die Gemeinde Benediktbeuern fällen, um das Gewerbegebiet zu erweitern. Eine Bürgerinitiative will das verhindern.

Benediktbeuern In ihm stehen zwar keine jahrhundertealten Bäume. Aber der Wald entlang des Lainbachs, der das Gewerbegebiet vom Kochler Ortsteil Ried abgrenzt, ist Heimat vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. „Es ist ein ökologisch sehr wertvoller Lebensraum“, sagte Cölestin Allgäuer, Gemeinderatsmitglied und Mitbegründer der Bürgerinitiative „Lainbach-Wald“. Unter anderem seien hier Fledermausarten wie der Abendsegler sowie die Gelbbauchunke nachgewiesen worden – beides europaweit streng geschützte Arten. Außerdem wirke sich der Wald positiv auf den Grundwasserspiegel aus und sei wichtiges Überschwemmungsgebiet im Hochwasserfall.

Dieser Ansicht sind laut Allgäuer unter anderem auch die Naturschutzabteilung im Landratsamt sowie das Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Außerdem sei der insgesamt etwa fünf Hektar große Wald eine Immissionsschutz-Barriere für die Bürger in Ried, und eine wichtige sogenannte Biotopverbundfläche. Wie ein grüner Pfad schlängelt er sich von den Bergen hinab zur Loisach und mache für bestimmte Tierarten eine Wanderungsbewegung erst möglich. Außerdem sei der Wald seit 1999 als Biotop nach dem bayerischen Naturschutzgesetz geschützt. Und trotzdem kann der Wald laut Allgäuer gefällt werden. Nämlich dann, wenn es aus öffentlichem Interesse notwendig ist. So stehe es im Gesetz.

Aber was ist das Interesse der Menschen im Klosterort? Was ist ihnen wichtiger? Der Wald mit seiner Schutzfunktion und den darin lebenden Tieren und Pflanzen? Oder ein größeres Gewerbegebiet? Das sei die Kernfrage. Und über sie diskutierten die etwa 60 Anwesenden im Gasthaus Herzogstand mitunter recht hitzig. Da war vom enormen Flächenfraß in Bayern die Rede. Vom Insektensterben und von der Zerstörung der Natur für nachfolgende Generationen. Aber auch von wohnortnahen Arbeitsplätzen oder steigenden Gewerbesteuereinnahmen. Bürgermeister Hans Kiefersauer wies ausdrücklich auf die Kompromissbereitschaft der Gemeinde hin (beispielsweise soll nun nicht mehr der gesamte Wald gefällt werden) und darauf, wirklich nur kleine und mittlere ortsansässige Betriebe ansiedeln zu wollen. Auch Alternativstandorte wurden diskutiert. Denn man sei nicht völlig gegen die Gewerbegebietserweiterung, versicherten die Verantwortlichen der Bürgerinitiative. Aus ökologischer Sicht seien landwirtschaftliche Grünflächen dafür aber weit besser geeignet. Wegen der unterschiedlichen Besitzverhältnisse würden sich die Grundstücksverhandlungen hier jedoch massiv in die Länge ziehen, gab Kiefersauer zu bedenken. Der Wald dagegen sei im Besitz der Gemeinde. Dass es im bestehenden Gewerbegebiet noch freie Flächen gäbe, wies er ausdrücklich zurück und erinnerte an Lärmschutzauflagen, die Betrieben im Ort das Arbeiten massiv erschweren würden. Aber warum muss ein Frisör oder ein Steuerberater ins Gewerbegebiet aussiedeln, so wie es bereits der Fall ist?, fragten sich einige der Anwesenden. Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Friedl Krönauer appellierte an beide Seiten, „miteinander“ etwas zu entwickeln.

Die Bürgerinitiative sammelt nun Unterschriften für den Erhalt des Waldes. Mindestens zehn Prozent der Stimmen aller wahlberechtigten Bürger müssen sie laut Allgäuer bekommen. Dann könne der Gemeinderat einen Bürgerentscheid zulassen, der dann innerhalb von drei Monaten durchgeführt werden müsse.

Laut Allgäuer haben sich bereits viele Bürger in die Listen eingetragen. Er ist optimistisch, dass man die erforderliche Zahl zusammenbekomme. Genau Zahlen konnte er auf Nachfrage nicht nennen. Wie lange die Listen – unter anderem in der Klostergärtnerei – noch ausliegen, ist laut Allgäuer noch offen.

(Franziska Seliger)

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