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Der ausgestreckte Mittelfinger gilt als Beleidigung. 

Verhandlung am Amtsgericht

Stinkefinger gegen den Benediktbeurer Bürgermeister

Benediktbeuern/Wolfratshausen – Weil er dem Benediktbeurer Bürgermeister Johann Kiefersauer den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben soll, musste sich am Mittwoch ein Bürger des Klosterdorfs vor dem Amtsgericht verantworten.

Wegen der beleidigenden Geste wurde der Mann zu 1600 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf. „Ich habe den ausgestreckten Mittelfinger nicht gezeigt. Dafür jetzt verurteilt zu werden, ist ein Skandal“, schimpfte er, nachdem die Staatsanwältin ihr Plädoyer gehalten hatte.

Zuvor hatte der Spenglermeister ausführlich erklärt, was sich am 24. August 2015 gegen 11.15 Uhr ereignet hatte. Er habe den Bürgermeister ertappt, wie er beim Gewerbebetrieb seiner Gattin „im Arbeitsgewand das Auto seiner Frau belud“. Der Mann, der sich „vom Bürgermeister permanent schikaniert“ fühlt, vermutete verbotenes Arbeiten des Gemeindeoberhaupts, weshalb er ihm mit seinem Pkw folgte. „Ich wollte sehen, wo er gewerblich arbeitet“, so der Angeklagte. Allerdings sei der Verfolgte dann nicht zu einer Arbeitsstelle gefahren („er hatte gesehen, dass ich dahinter bin“), sondern nach Hause.

Dort kam es zu dem Vorfall, als der Bürgermeister, der nach eigener Aussage damals seinen ersten Urlaubstag hatte, seinen Verfolger zur Rede stellen wollte. Kiefersauser erklärte, er habe dem Mann zu verstehen gegeben, dass dieser die Scheibe herunterlassen sollte. Doch der habe sich mit dem Zeigefinger ans Auge gefasst, um ihm zu verstehen zu geben, dass er das keinesfalls mache (was der Angeklagte bestätigte). „Mit der anderen Hand zeigte er mir den Mittelfinger“, so Kiefersauer. Er habe sich an jenem Tag auch nicht zum ersten Mal verfolgt gefühlt. „Die ganze Sache geht schon, seit ich im Amt bin. So was ist keine Gaudi“, begründete er seine Anzeige gegen den Mann, mit dem er „vorher freundschaftlich verbunden“ gewesen sei.

Der Angeklagte, der mit einem dicken Stapel Akten bei Gericht erschienen war, hatte offensichtlich gehofft, seine Fehde mit dem Bürgermeister in der Verhandlung ausbreiten zu können. Der Versuch schlug fehl. „Wir verhandeln hier nur die Frage: Mittelfinger ja oder nein“, erteilte Richter Helmut Berger den Bemühungen des Angeklagten eine Abfuhr. „Wir sind hier heute nicht berufen, sämtliche Streitigkeiten zwischen Leuten zu klären.“

Der Angeklagte nahm das Urteil – 40 Tagessätze zu je 40 Euro – kopfschüttelnd zur Kenntnis. Rudi Stallein

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