Jan-Philipp van Olfen (22) studiert im Klosterdorf Benediktbeuern Soziale Arbeit. Seine politische Heimat hat er in der ÖDP gefunden.
+
Jan-Philipp van Olfen (22) studiert im Klosterdorf Benediktbeuern Soziale Arbeit. Seine politische Heimat hat er in der ÖDP gefunden.

Im Porträt

Mit 22 Jahren aktiv in der Politik: Jan-Philipp van Olfen jetzt im Bundesvorstand der ÖDP

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
    schließen

In jungen Jahren schon politische Karriere zu machen: Daran denken nicht viele. Jan-Philipp van Olfen (22) schon. Der Student aus Benediktbeuern ist jetzt im Bundesvorstand der ÖDP und will 2021 für den Bundestag kandidieren.

Benediktbeuern – Politikverdrossen? Bei Jan-Philipp van Olfen kann keine Rede davon sein. Der 22-Jährige sprüht vor Energie. Der Student der Sozialen Arbeit war im Landkreis bislang als stellvertretender Kreisvorsitzender der ÖDP bekannt. Seit September ist van Olfen im Bundesvorstand der Ökopartei – und hat noch viel vor.

„Ich komme aus der Jugendarbeit, und auch zu Hause ist bei uns immer viel über Politik gesprochen worden“, sagt der 22-Jährige, der im fünften Semester an der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) studiert, und zwar mit den Zusatzausbildungen Katholische Theologie und Erlebnispädagogik. Seinen Studienschwerpunkt, den er bald wählen muss, will er auf die Asyl- und Migrationssozialarbeit legen.

Van Olfen wuchs im Nördlinger Ries auf, seine Eltern stammen aus dem Emsland. Seit zwei Jahren lebt er in einer Studenten-WG in Benediktbeuern. Die Hochschule beschreibt er als „fantastisch“: „Das Studium ist breit gefächert, alles ist auf die Praxis ausgerichtet.“ Alles sei ein „Schatz für die Arbeit in der Politik“.

Zur ÖDP kam van Olfen vor rund acht Jahren durch ein Projekt des Bund Naturschutz in seiner schwäbischen Heimat. Schon damals sei er „auf der Suche nach einer Partei gewesen, in der ich mich zu Hause fühle“. Linke und Grüne kamen für ihn nicht in Frage. „Die Grünen werden unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem nicht wirklich verändern“, findet er. Den 22-Jährigen überzeugt der Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie in der ÖDP. Das heißt: Gesellschaftliche Akteure – von der Bildungseinrichtung über Firmen bis hin zu Kommunen und Städten – werden hinsichtlich der Kriterien Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitbestimmung unter die Lupe genommen. Je mehr Punkte man hier sammeln kann – etwa in Bezug auf faire Löhne, regionale Produkte und Mitbestimmungsrechte – desto mehr steuerliche Vorteile bekommt man. „Das heißt, das Wirtschaftlichste wird immer sein, für das Gemeinwohl zu handeln“, erklärt van Olfen das Prinzip.

Schritt für Schritt könnte man das einführen, etwa auch zum Wohle der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. „Es gibt Betriebe, die sind nicht Bio-zertifiziert, arbeiten aber trotzdem nachhaltig“, sagt der junge Mann. Sie würden beim Modell der ÖDP nicht unter den Tisch fallen. „Das ist eine große Chance gegen das Höfesterben auf dem Land.“ Dem 22-Jährigen ist landwirtschaftliche Arbeit nicht fremd, hat er doch einige Zeit für sein Studium beim „Goassbauer“ in Eurasburg mit angepackt.

Schon vor dem Kommunalwahlkampf heuer im März half van Olfen, die Partei im Landkreis aufzubauen. Weil der Erste Vorsitzende Stefan Koch längere Zeit im Ausland weilte, sprang van Olfen oft in die Bresche. Dank des Bienen-Volksbegehrens hatte die Partei viel Rückenwind – und so kann sich die ÖDP damit rühmen, die Mitgliederzahl im Landkreis von 30 auf 60 Mitglieder verdoppelt zu haben. Sogar die Kreistagsliste wurde voll, und zwei ÖDP-Vertreter zogen in das Gremium ein.

Die Arbeit vor Ort hat van Olfen jetzt weitestgehend abgegeben, seit er in den Bundesvorstand gewählt wurde. Dort war man auf den engagierten und fröhlichen Studenten aufmerksam geworden, der wiederum nicht Nein sagte, als er gefragt wurde, ob er Lust hätte, sich noch mehr einzubringen.

Seither ist sein Wochenplan streng eingeteilt. Von Montag bis Mittwoch wird studiert, von Donnerstag bis Samstag steht die Partei im Mittelpunkt. Van Olfen hat verschiedene Aufgaben: Er ist zuständig für die Landesverbände Saarland, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und hilft, die Landtagswahlen (teils in 2021 und 2022) vorzubereiten – einzig die Reisetätigkeit hielt sich wegen Corona bislang in Grenzen.

Zudem kümmert er sich mit um die Jugendarbeit der ÖDP, die 2021 ein „Zukunftsfestival“ plant. Und dann hilft er noch mit, dass die ÖDP zur Bundestagswahl 2021 zugelassen wird – hier müssen noch Unterschriften gesammelt werden. Van Olfen will selbst kandidieren: „Ob über die Liste oder als Direktkandidat, das wird noch entschieden.“

Bleibt da noch Zeit für die Uni? „Das Studium wird abgeschlossen“, sagt er lächelnd und mit Nachdruck. Wenn noch Zeit bleibt fürs Hobbys, geht der 22-Jährige gerne wandern oder fährt Kajak und Kanu. In der kirchlichen Jugendarbeit will er weiter aktiv bleiben, auch in der Benediktbeurer Gebetsgruppe „God for youth“. „Ich fühle mich hier überall wohl.“

Lesen Sie auch: ZUK in Benediktbeuern brechen über 300 000 Euro Einnahmen weg

Auch interessant

Kommentare