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Die Moosmühle war einst eine Remise. Heute stehen hier Sitzbänke. Durch Gucklöcher kann man auf die Futterstellen sehen. 

Vogelbeobachtung an der Moosmühle

Die Piep-Show

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Die Vogelbeobachtung an der Moosmühle gehört im Winter zu den populärsten Angeboten des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern. Nicht nur heimische, sondern auch Zugvögel aus Skandinavien und Osteuropa lassen sich hier bestens betrachten.

Benediktbeuern– Das Büfett ist angerichtet: Sonnenblumenkerne, Hirse, Haferflocken und gemahlene Nüsse, teilweise dick gemischt mit Margarine. Gimpel, Bergfink, Goldammer und Blaumeise sagen da nicht Nein. Der Buntspecht liebt das mit Fett gefüllte Stückchen Holz, das von einem Zweig baumelt. 

Für den Eisvogel hingegen gibt’s kleine junge Fische. Dafür zieht der türkis glänzende Vogel vor den Besuchern gerne mal eine Show ab, indem er sich blitzschnell ins Wasser stürzt und nach erfolgreichem Fang mit dem Fisch im Schnabel wieder auftaucht – Kamera ab, bitte!

Zugegeben, den Fisch würde der Eisvogel ähnlich spektakulär fangen, säßen da nicht die Besucher mit dem Fotoapparat im Anschlag. Aber nirgendwo sonst kann man im Loisachtal verschiedene Vogelarten derart gut beobachten wie an der Moosmühle unweit des Benediktbeurer Klosters. Im vergangenen Winter waren es fast 1000 Besucher, die sich das nicht entgehen lassen wollten. „Unsere Piep-Show“, sagt ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger schmunzelnd. Die Moosmühle ist zwischen November und März jeden Mittwoch und Samstag geöffnet. Die Begeisterung ist ungebrochen, egal, ob bei Groß oder Klein. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Kinder hier zur Ruhe kommen“, freut sich Geißinger.

Die Moosmühle gibt es seit fast 30 Jahren. Früher war sie eine offene Wagenremise und stand kurz vor dem Einsturz, doch dann griffen Ehrenamtliche und Engagierte des ZUK beherzt ein. Das Fundament wurde betoniert, das Holz erneuert. Schon von Anfang an gab es die Idee, eine Winterfütterung für Vögel einzurichten. Aber das ist nicht alles: Unter dem Fundament liegen Röhren, in die sich Feldmäuse, Wiesel und Füchse zurückziehen können. Im Giebel nisten Fledermäuse und Turmfalken. Letztere freuen sich, wenn gelegentlich mal eine Feldmaus frische Luft schnappen will. Ursprünglich dachte das ZUK „nur“ an eine Beobachtungsmöglichkeit für Schulklassen, doch mittlerweile steht die Moosmühle jedermann offen. Und viele Besucher kommen immer wieder.

Sie können auf Holzbänken Platz nehmen und durch Gucklöcher in mehrere Himmelsrichtungen blicken, denn manche Vögel haben „ihren“ Bereich. Die geselligen Feldsperlinge hopsen fröhlich von Ast zu Ast, während der Buntspecht äußerst konzentriert auf das vom Zweig hängende Fettholz pickt, um seinen Hunger zu stillen. Die Amseln nutzen lieber die Futterstationen, die auf dem Boden stehen. In kurzer Entfernung sehen die Besucher die Futterstation für den Mäusebussard, in dem durchaus auch mal Nieren liegen, geschützt durch Hasengitter, „damit er sich das Futter rauspicken muss“, erklärt Daniel Hart, der im ZUK gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Dieses Team kümmert sich dreimal in der Woche um das Anrichten des „All you can eat“-Büfetts.

Und dass das gut ist, hat sich mittlerweile „herumgesprochen“: Dank der kontinuierlichen Arbeit des ZUK sind im Loisachtal heute wieder Vögel heimisch, die man jahrelang nur noch selten beobachtet hatte, etwa die Goldammer. „Darauf sind wir stolz“, sagt Rektor Pater Geißinger. Durch die Winterfütterung habe sich ihr Bestand erholt. Zudem kommen zum Beispiel Bergfinken und Erlenzeisige aus Skandinavien oder Sibirien, um im Loisachtal zu überwintern. „Sie sind auch beim Winterquartier recht gebietstreu.“

Wer sich nicht so ganz sicher beim Erkennen der Arten ist, kann sich an Fotos orientieren: Sumpfmeise, Kleiber, Eichelhäher, Alpenbirkenzeisig und viele andere Vögel sind da in Großformat zu sehen. Zudem zeigt das ZUK Modelle verschiedener Nester, und eine „Vogeluhr“ erklärt, welche Art morgens als erstes singt.

Soll man Vögel überhaupt füttern? Darüber gehen die Meinungen auseinander, sagt auch Pater Geißinger. Er hat erst vor Kurzem eine Studie aus Großbritannien gelesen, in der ein Fachmann Vor- und Nachteile untersucht hat und zu dem Schluss kommt, die Tiere zu füttern: „Gerade durch das Insektensterben besteht mit der Zufütterung eine größere Chance, die Jungvögel durchzubringen.“ Dass eine Vogel-Mama vier, fünf Junge durchbringe, sei nämlich heutzutage „leider schon eine Seltenheit“. Übrigens: „Je kleiner der Vogel, desto mehr Futter braucht er“, sagt Pater Geißinger. Das liege daran, dass die kleinen Tiere keine Reserve aufbauen könnten.

Ganz wichtig für Vögel ist Totholz. Es dient als Lebensraum für Insekten, zudem nisten sich dort Spechte ein. „Im Moos hat sich der Bestand an Grauspechten sehr gut entwickelt“, freut sich Geißinger. Und weil der Specht sein Quartier nur eine Saison nutzt, können sich anschließend „Nachmieter“ wie Meisen und Kleiber über die Nistmöglichkeit freuen.

Kann man eigentlich falsch füttern? „Man sollte den Vögeln kein Brot geben, denn da ist Salz drin“, sagt der Pater. „Davon bekommen die Tiere eine tödliche Darmentzündung.“ Salz sei generell tabu, ebenso Essensreste.

In der Moosmühle stehen mehrere Kübel voll mit Nüssen, Sonnenblumenkernen und Haferflocken, die die Betreuer mischen. Wer selbst ein Fettholz für den Garten herstellen möchte, kann sich Tipps geben lassen. Der Eintritt zur Vogelbeobachtung ist übrigens frei. Eine kleine Spende ist aber gern gesehen – das Geld wird fürs Futter verwendet.

Weitere Infos: Die Beobachtungsstation Moosmühle liegt nahe dem Kloster Benediktbeuern. Vom Großparkplatz geht man eine knappe halbe Stunde auf dem Feldweg in westliche Richtung (Rundweg Nr. 1, vorbei an Barfuß- und Klangpfad). Der Weg ist eben und für Kinderwagen geeignet. Die Station ist bis März jeden Mittwoch und Samstag von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Sie ist innen nicht beheizt. Ein Betreuer ist vor Ort. Bestimmungshilfen sind vorhanden.

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